Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Klemmhof: Umbau zu Tourist- und Kulturzentrum hat begonnen

Blick in den geplanten Veranstaltungsraum und damit in Richtung Laustergasse und RHEINPFALZ.
Blick in den geplanten Veranstaltungsraum und damit in Richtung Laustergasse und RHEINPFALZ.

Seit Wochen tut sich etwas auf den Gewerbeflächen im Neustadter Klemmhof. Der Umbau des Sorgenkinds der Stadt hat begonnen. Motor des Projekts ist die Wohnungsbaugesellschaft.

Die Erleichterung – und Freude – steht Dietmar Kurz ins Gesicht geschrieben. Der Klemmhof war viele Jahre eine schwere Last für den Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (WBG), mit dem jüngsten Projekt aber ist der Spaß an dieser die Innenstadt prägenden Immobilie zurückgekehrt. Dazu trägt natürlich auch bei, dass die WBG-Pläne in diesen Tagen von den Gremien abgesegnet wurden. Sowohl der Aufsichtsrat der WBG als auch der Stadtrat haben in nicht öffentlichen Sitzungen zugestimmt. Noch wichtiger: Auch die Eigentümer sind einverstanden, wie Kurz berichtet. Verändert hat sich das Gesicht des Klemmhofs derweil vor allem in seinem Innern. Umbau ist angesagt. Und das nicht zu knapp.

Möglich wird das auch deshalb, weil die Wohnungsbaugesellschaft mittlerweile alle Gewerbeflächen im Klemmhof besitzt, also von privat aufgekauft wurde. Einzige Ausnahme ist die Waffeleria, die in Privatbesitz bleibt, der Inhaber aber laut Oberbürgermeister Marc Weigel gut ins Geschehen eingebunden und sehr an der Entwicklung interessiert ist. Gleiches gelte für die Sparkasse Rhein-Haardt, die Stadt als solche und auch für die städtische Tourist, Kongress und Saalbau GmbH (TKS). „Alle ziehen an einem Strang“, so Weigel, und daher könne nun endlich etwas bewegt werden.

Schon lange Thema

Bewegt werden soll schon seit Jahren etwas. Zuletzt 2016 war es eine Idee des damaligen Bürgermeisters Ingo Röthlingshöfer, den Klemmhof dadurch zu beleben, dass das Mehrgenerationenhaus dorthin umzieht. Im Stadtrat wurde die Idee erweitert, auch von den Freien Wählern. Schon damals stellte sich deren Fraktionschef Marc Weigel „eine umfassende und dauerhafte Lösung“ vor, wie der Blick ins Archiv zeigt. Im Zentrum stand die Idee eines multifunktionalen Kultur- und Veranstaltungszentrums.

In Weigels Wahlkampf war die Idee ein zentrales Element, und genau darauf zielen die Pläne der WBG nun ab – es geht um einen Mix aus Tourismus und Stadtmarketing, kombiniert mit mehr Platz und digitalem Ausbau für die Stadtbücherei sowie modernen Büroflächen für die Stadtverwaltung. Herzstück im Erdgeschoss wird die Tourist-Info sein, die ebenso wie das Stadtmarketing vom Hetzelplatz in den Klemmhof umziehen wird. „Wir sind begeistert auf diesen Zug aufgesprungen“, so TKS-Geschäftsführer Martin Franck, obwohl die TKS dann Miete zahlen müsse. Als Hauptgrund nennt Franck die Chancen, die das Nutzungskonzept biete – für den Tourismus, aber auch für die Belebung der Innenstadt.

Improvisierte Info-Theke

Im Klemmhof wurden bereits Decken freigelegt und Wände eingerissen. Ein wenig erinnern die offenen Decken, die auch so bleiben könnten, an Industriebrachen, die dann zum Beispiel für Gastronomie genutzt werden. So entstand ein großer Saal für eine Tourist-Infotheke, der Blick fällt direkt auf den Elwedritschebrunnen. Damit, davon ist Dietmar Kurz, aber auch WBG-Architekt Volker Weiß überzeugt, bekommt das Ganze schon sehr viel Flair. Ein Verkaufsbereich für Produkte aus der Region und eine Weinprobier-Ecke runden das Areal ab, die, so Kurz „Startpunkt für Stadtführungen“ sein könnte. Hinzu kommen ein Raum für Veranstaltungen unterschiedlicher Größe, ergänzt durch eine interne und öffentlich auch von außen zugängliche Toilettenanlage.

Noch nicht verplant ist ein weiterer Bereich im östlich gelegenen Erdgeschoss direkt am Zugang zur Passage. Die WBG spricht von einem offenen Bereich, OB Weigel von einer Experimentierfläche. Unabhängig davon, welchen Namen das Kind trägt, wird es bis zur Geburt aber länger dauern als im Fall von Tourist-Info und Veranstaltungsraum. Eine Weinerlebnis-Welt können sich Stadt, TKS und WBG dort vorstellen, gern zusammen mit den Studierenden vom Weincampus, zu denen Kurz einen engen Kontakt pflegt. Doch bis es soweit ist, gibt es noch andere Anlässe, denen die Fläche dienen könnte. Wie die Landesgartenschau 2027: Für sie könnte als Übergangslösung ein Informations- und Erlebnisraum entstehen.

Kosten noch nicht öffentlich

Noch ist nicht alles öffentlich spruchreif, was vorneweg die Kosten betrifft. Förderanträge werden derzeit geprüft. Klar ist nur, dass die WBG jenen Teil der Investitionskosten, die sie später nicht auf ihre Mieter umlegen kann, selbst übernimmt. Nur so werde dieses Konzept mit all seinen Vorteilen für Neustadt möglich, sagt Geschäftsführer Kurz. Damit wolle die WBG einen Beitrag für die Innenstadt leisten, und es werde nicht der letzte bleiben. Bei ihren Wohnungen habe die WBG aktuell keinen Sanierungsstau, ihre wirtschaftliche Lage sei gut. Wie schnell nun alles gehen kann, hängt zunächst von Fördermitteln ab. Klar ist nur, dass die Pläne schrittweise umgesetzt werden – also nicht erst eröffnet wird, wenn aber auch wirklich alles fertig ist.

Mit dem Elwedritschebrunnen im Rücken: die künftige Tourist-Information samt einer aus Paletten improvisierten Info-Theke.
Mit dem Elwedritschebrunnen im Rücken: die künftige Tourist-Information samt einer aus Paletten improvisierten Info-Theke.
Haben ebenfalls viel Sanierungsbedarf und sind als Fläche in das Nutzungskonzept integriert: Treppenhaus und Atrium.
Haben ebenfalls viel Sanierungsbedarf und sind als Fläche in das Nutzungskonzept integriert: Treppenhaus und Atrium.
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