Neustadt Kleist auf Pfälzisch
Neustadt-Mussbach. Das X macht den Unterschied: Das „Volxtheater Pfalz“ macht so schon in seinem Namen sichtbar, dass es zwar keine Scheu vor Populärem hat, aber trotzdem keine groben Bauernschwänke auf die Bühne heben will. Tatsächlich inszeniert die neu gegründete Theatergruppe, in der sich viele alte Hasen der regionalen Theaterszene zusammengefunden haben, sogar einen echten Klassiker: Heinrich von Kleists Lustspiel „Der zerbrochene Krug“. Den allerdings in Pfälzer Mundart: als „De zerdebberde Kruch“. Premiere ist am 20. Februar im Mußbacher Herrenhof.
Die Idee einer pfälzischen Nachdichtung des „Krugs“ überkam den Haßlocher Manfred Uhl nach eigenen Angaben eines Tages in der Kirche. Der Edenkobener Gerd Becht, Uhls langjähriger Partner als Veranstalter von Mundart-Abenden in der Region, hat die Idee dann umgesetzt. Er bringt viel Erfahrung mit aus Mundartwettbewerben und als Autor von Szenen und Theaterstücken. Und er hat den Ehrgeiz, den Rhythmus der Sprache Kleists zu bewahren oder doch im Pfälzischen neu zu finden. Das Stück sei etwas modernisiert und gestrafft worden, erklärt der Autor. Es spielt nun in Mußbach und wurde in die heutige Zeit versetzt. Ganz geht das nicht, immerhin tragen die Richter in der Pfalz heutzutage keine Perücken mehr. Ohne das künstliche Haarteil funktioniert das Stück aber nicht. Aber das, so Schauspielerin Sabine Sommer, mache nichts, es sei ja schließlich alles nur Theater. Sommer spielt im Stück die Rolle der Brigitte, ihre Schwester Juliane, die für die Proben extra aus Fürth anreist, führt Regie. Beide stammen aus einer alten Neustadter Schauspielerfamilie. Ihre Eltern gehörten zu den Gründern der „Schauspielgruppe“. Juliane machte das Theater sogar zu ihrem Beruf. Mancher erinnert sich vielleicht an ihr Projekt „Unter dem Milchwald“. Das Stück nach einem Hörspiel von Dylan Thomas wurde in Haßloch vom Theaterverein und in Bad Dürkheim vom „Theater an der Weinstraße“ aufgeführt. Auch sonst verzeichnet die Gruppe, die bislang noch keinen Vereinsstatus hat, einige erfahrene Schauspieler: Die Neustadterin Judith Kaufmann etwa, die schon lange als Fernsehmoderatorin und Schauspielerin bekannt ist. Sie spielt Marthe Rull, jene Frau also, deren Kruch nächtlicherweise zerdebberd wurde und damit den Ausgangspunkt der irrwitzigen Komödie bildet. Rainer Meiller, ebenfalls ein erfahrener Schauspieler des „Theaters an der Weinstraße“ und anderer Gruppen, spielt den Gerichtsrat Walter, der dem Richter Adam das Leben schwer macht. Der Richter selbst wird von Gerd Faber dargestellt, der ebenfalls ein erfahrener Mime der traditionsreichen Bad Dürkheimer Gruppe ist, die alljährlich auf der Limburg spielt. Auch die weiteren Darsteller wie Hans Gawliczek und Siegfried Kralik sind alles andere als Anfänger. Aber es gibt auch Neulinge. Das Schulfach „Darstellendes Spiel“, das in den Oberstufen seit einigen Jahren die musischen Fächer Musik und Kunst ergänzt, hat Früchte getragen. Jakob Fecht, der den Ruprecht Tümpel spielt, hat im Gymnasium Edenkoben den entsprechenden Grundkurs belegt und spielt außerdem in der Theatergruppe „Der Petunientopf“. Auch Vivien Zisack, die die Eve Rull spielt, hat in Edenkoben Darstellendes Spiel als Schulfach gehabt, war aber schon in der Grundschule in der Theater-AG. Heute studiert sie an der Theaterakademie Mannheim. Die Mundart solle nicht etwa die Personen lächerlich erscheinen lassen, sondern authentisch wirken, sagt Gerd Becht. Reines Hochdeutsch wäre in einer Komödie, die in der Pfalz spielt, nicht überzeugend. Platt werde das Stück dadurch keineswegs. „Es funktioniert“, so der Autor, „auch auf der symbolischen Ebene. Der Krug, der zerbrochen ist, bedeutet auch eine Verletzung der Ehre, eine Rufschädigung.“ Die Namen wie Adam für den Richter, Eve für die junge Frau seien Verweise auf den Sündenfall in der Bibel. Das Ganze habe aber auch einen neutestamentarischen Bezug: Wer ohne Fehler ist, werfe den ersten Stein. Das Publikum werde allgemeine menschliche Erfahrungen erkennen, unabhängig davon, in welcher Zeit das Stück spielt, so Becht. Die frisch-fröhliche Inszenierung soll nach der Vorstellung der Regisseurin Juliane Sommer die lustigen und grotesken Aspekte des Stücks betonen. Es gebe jede Menge „lustige Wortgefechte, Gezänk und Handgreiflichkeiten“, und natürlich spielt, wie könnte es anders sein in der Pfalz, auch der Wein eine große Rolle. Betrachtet man, mit wie viel Verve und Freude am Detail das Ensemble bei den Proben zugange ist, kann man sicher recht zuversichtlich der Premiere entgegenblicken. Termine Die Premiere findet am Samstag, 20. Februar, um 20 Uhr im Festsaal des Mußbacher Herrenhofs statt. Weitere Aufführungen gibt es dort am 26., 27. und 28. Februar, jeweils 20 Uhr. Karten (15/13 Euro) bei Tabak-Weiss in Neustadt und der Papierschatulle in Mußbach. Das „Volxtheater Pfalz“ gastiert mit dem Stück danach auch noch am 12. und 18. März, jeweils 20 Uhr, im „Haus am Westbahnhof“ in Landau und am 8. und 9. April, jeweils 20 Uhr, im Haßlocher Kulturviereck.