Neustadt Kleines Wunder: Wie ein verloren geglaubter Kater heimkehrte

Wiedervereint: Norbert und Deborah Würtz mit den Katern Micha (links) und Oskar.
Wiedervereint: Norbert und Deborah Würtz mit den Katern Micha (links) und Oskar.

Wenn der geliebte Kater nicht mehr nach Hause kommt, leiden Besitzer unter der ständigen Ungewissheit: Lebt er noch? Ein Ehepaar aus Lachen-Speyerdorf trauerte bereits um seinen Micha. Doch dann geschieht ein Wunder.

Deborah und Norbert Würtz sind absolute Katzenliebhaber. Seit 2018 lebt Kater Micha bei dem Ehepaar, das sein Haustier stets hegt, pflegt und natürlich täglich mit ihm kuschelt. Den Umzug von Edenkoben nach Lachen-Speyerdorf im August 2022 bereiteten die Besitzer mit Blick auf ihren Kater sorgfältig vor: Da empfohlen wird, Katzen nach einem Ortswechsel mindestens vier, besser sechs Wochen im Haus zu behalten, hatte sich Deborah Würtz eine Katzenleine besorgt, an der sie Micha in seinem neuen Revier spazieren führt.

Doch nach rund zwei Wochen im neuen Zuhause passiert das Unglück: Kater Micha büxt durch eine offene Terrassentür aus und rennt davon. Als der Stubentiger auch am nächsten Morgen nicht zurück kommt, geraten seine Besitzer langsam in Panik. „Wir denken, er hat versucht, zurück nach Edenkoben zu laufen“, sagt Norbert Würtz. Ehemalige Nachbarn melden Sichtungen des Katers. Würtz fährt noch am selben Abend hin, läuft im Dunkeln durch den Regen und ruft nach seinem Haustier. Doch Micha bleibt verschwunden. „Ich habe anfangs Tag und Nacht geweint“, sagt Norbert Würtz.

Verzweifelte Suche

Die Familie lässt über den Tierschutzverein Tasso Suchplakate drucken und verteilt sie auf Supermarktparkplätzen und in Tierarztpraxen, sie gibt Inserate in Zeitung und sozialen Medien auf und setzt eine Belohnung von 1000 Euro aus für denjenigen, der ihnen den Kater wieder nach Hause bringt. Zwar melden sich mehrere Menschen auf den Aufruf, aber es ist nie Micha, den sie gefunden haben. „Gefühlsmäßig ging es bei jeder Meldung erst hoch, und wenn die Hoffnung enttäuscht wurde, wieder runter ins Loch“, beschreibt Norbert Würtz.

Nach zwei Monaten wendet sich das Ehepaar voller Verzweiflung an eine Tierkommunikatorin, die telepathisch Kontakt zu Micha aufnehmen soll. Was sie gehört haben will, schockt die Tierhalter: Micha habe am ersten Tag seines Verschwindens ums Überleben gekämpft und sei am zweiten Tag schließlich überfahren worden. „Das war furchtbar, man hat alles noch mal erlebt“, sagt Norbert Würtz zu dieser Erfahrung. Seine 62-jährige Frau gibt die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Micha auf, er glaubt noch bis in den Winter, dass sein geliebter Kater irgendwann zurückkehrt.

Nicht zu ersetzen

Inzwischen haben sich die Würtz’ über einen Tierschutzverein einen neuen Kater aus Rumänien angeschafft. Oskar ist im Gegensatz zum ruhigen Micha deutlich wilder, selbstbewusster und hat einen wahnsinnigen Freiheitsdrang. Er lässt sich aber ebenso gerne streicheln und fest knuddeln. Ersetzen kann er Micha aber nie.

Im April, acht Monate und zwei Tage nach Michas Verschwinden, passiert dann das Unglaubliche: Oskar kommt vom Streifgang durch sein Revier zurück, geht aber nicht sofort ins Haus, sondern bleibt etwas abseits von der Tür stehen. Verwundert schaut Deborah Würtz draußen nach und kann ihren Augen kaum trauen. „Da stand Micha auf der Terrasse und hat mich angeguckt“, erinnert sie sich. Der Kater ist etwas dicker als früher und verhält sich zu Anfang zurückhaltend gegenüber seinen alten Besitzern. Ist er es wirklich? Norbert Würtz vergleicht tagelang alte Handyfotos mit dem heimgekehrten Kater.

Geburtstagsüberraschung

Der 68-Jährige kann nicht glauben, dass sein Liebling wieder da ist, und geht mit dem Kater zum Tierarzt, um durch den Chip unter seiner Haut Gewissheit zu bekommen. „Wenn er das ist, wäre das ein Wunder“, sagt noch der Tierarzt, bevor er den Chip scannt. Und das Wunder bestätigt sich, es ist Micha. „Das ist das größte Geschenk meines Lebens gewesen“, sagt Norbert Würtz, der zwei Tage darauf Geburtstag hat. Die Vermutung: Oskar hatte nach intensivem Kuscheln vielleicht noch den Geruch der Würtz’ an seinem Fell, als er im Freien auf Micha traf. Der erkannte den Geruch seiner Besitzer auch noch nach Monaten wieder und folgte Oskar nach Hause.

Die Samtpfoten Micha und Oskar seien seither wie Geschwister, würden aus einem Napf fressen und gemeinsam in der Sonne faulenzen, erzählen ihre „Eltern“. Dass einer der beiden Kater noch mal entlaufen könnte, sorgt die Besitzer nicht mehr: „Sie wissen jetzt, wo sie wohnen.“ Und da bleiben sie auch gerne. Denn wo gibt es auch sonst so viele Streicheleinheiten und Leckerlis?

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