Neustadt Kleine Lösung bei der B39 in Sicht
Die Koalitionspartner CDU und Grüne waren gestern im Bauausschuss nicht einer Meinung. Die Grünen setzen bei der künftigen Verkehrsführung der B 39 auf kleine Schritte, die CDU hadert mit dem Ergebnis der Bürgerbefragung zum Tunnel von 2013.
Kann die Stadt mit kleinen Schritten der großen Lösung näherkommen? Tempo 30 auf der B 39, eine Verbreiterung in Höhe der Hauptstraße und eine besseren Ampelschaltung sollen dazu beitragen, die Verkehrsprobleme in der Innenstadt zu lösen. Das hat das Darmstadter Planungsbüro R+T nach Auswertung der Bürgerbeteiligungstermine gestern dem Bauausschuss vorgeschlagen. Das Gremium stimmte zu – bei Enthaltung der CDU-Fraktion. „Tempo 30 reduziert die Lärmbelastung um drei Dezibel. Das wird deutlich hörbar sein und bringt den gleichen Effekt, als würde man den Verkehr halbieren“, erklärte der R+T-Verkehrsplaner Ralf Huber-Erler. Norbert Schied (CDU), der Vorsitzende des Innenstadtbeirates, stellte in Frage, ob der Landesbetrieb Mobilität (LBM) einer durchgehenden Geschwindigkeitsbeschränkung zustimmt. Die Antwort des Verkehrsexperten: „Es gibt dafür verlässliche Anzeichen. Es hat bundesweit ein Umdenken stattgefunden. Früher gab es für Tempo 30 nur Sicherheitsaspekte. Heute rückt der Lärm in den Blickpunkt.“ Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer (CDU) kritisierte die Argumente des Planers mit den Worten: „Das ist keine Lösung. Wir haben weniger Verkehr nur dann, wenn wir eine dritte Trasse entlang der Schienen bauen.“ Dazu heißt es aber im Gutachten der Verkehrsplaner: Die Verlegung der B 39 parallel der Bahntrasse sei mit zu hohen Kosten verbunden und bringe Lärmprobleme mit sich, da in der westlichen Amalienstraße die Grenzwerte bereits überschritten seien. Auch würde der Bund sich nicht an den Kosten beteiligen. Doch ehe Huber-Erler darauf eingehen konnte, fiel ihm Kurt Werner, der Fraktionsvorsitzende der Grünen, ins Wort. An Röthlingshöfer gewandt, sagte er: „Das ist sehr wohl eine gute Lösung. Wir waren immer für kleine Schritte. Hör endlich damit auf, wieder zurück zur Tunneltrasse zu wollen.“ Statt Röthlingshöfer antwortete der CDU-Fraktionsvorsitzende Clemens Stahler: „Ja, wir wollten die Tunnellösung, jetzt kommt die Ernüchterung. Wir respektieren das Votum der Bürger, können aber nicht einer Lösung zustimmen, die viele Fragen offen lässt. Deshalb müssen wir uns enthalten.“ Vertreter von SPD, FWG und auch Oberbürgermeister Hans Georg Löffler (CDU) traten dafür ein, die „nicht kostenintensiven Vorschläge“ versuchsweise einzuführen. „Was hindert uns daran, nach ein, zwei Jahren zu sagen: Das war es nicht. Wir müssen es wieder anders machen“, so Löffler. Um eine ebenerdige Achse von der Friedrichstraße zum Bahnhof zu bekommen, möchten die Planer die Fußgängerunterführung beim Hetzelplatz schließen und stattdessen eine Mittelinsel auf der B 39 bauen. Der LBM sieht diese Lösung allerdings kritisch und will nur zustimmen, wenn eine Ampelanlage gebaut wird, die einen Grüne-Welle-Vorrang für die B 39 beinhaltet. Bei den Ideenbörsen und Bürgerforen war auch über einen Abriss des Saalbau-Anbaus diskutiert worden, um mehr Platz zu schaffen. Dagegen wehrt sich die Tourist-, Kongress- und Saalbau (TKS) GmbH, weil 80 Prozent der Küchen-, Lager- und Technikflächen dann wegfallen würden. Allenfalls einen Teilabriss im Osten hält die Planungsabteilung der Stadt deshalb noch für umsetzbar. Künftig soll unter anderem in diesem Bereich das Linksabbiegen eingeschränkt werden. Wer aus Richtung Tal kommt, soll nicht mehr in die Exterstraße einfahren können, sondern einen Schlenker über die Bahnhofsstraße machen. Umgekehrt aus Fahrtrichtung Landau soll man nur noch in Höhe der Exterstraße zum Bahnhof fahren dürfen, nicht mehr in Höhe der Post. Einen Innenstadtring mit der B 39 zwischen Talpost und Zwockelsbrücke als Einbahnstraße lehnen die Verkehrsexperten ab, weil sich dann Schleichverkehr in Schütt, Fröbelstraße, Alban-Haas-Straße und Karolinenstraße verschieben würde. Auch könnten Karl-Helfferich-Straße und B 38 (Maximilianstraße) das zusätzliche Verkehrsaufkommen nicht aufnehmen. Am zusätzlichen Lärmpegel scheitere eine Öffnung der Amalienstraße in beide Fahrtrichtungen. Außerdem sei der wegfallende Parkraum nicht zu ersetzen. |wkr