Neustadt Kleine Geschenke unter Freunden
Dass sie aus der Not eine Tugend machen können, das haben die Forster und Deidesheimer für ihre Kerwe mehr als bewiesen. Jetzt zweimal mit nachbarschaftlichen Geschenken. Da die Forster vor zwei Wochen keinen eigenen Kerwebaum zu ihrer Weinkerwe am Ungeheuer stellen konnten, haben die Kerwebuwe aus Deidesheim über Nacht einen stattlichen Kerwebaum an den gewohnten Platz am Ortsausgang von Forst aufgestellt. Die Retourkutsche folgte eine Woche später zur Deidesheimer Kerwe. Überraschend stand pünktlich zur Eröffnung ein Bäumchen, versehen mit einem Gedicht, auf dem Deidesheimer Marktplatz. Die Vorgeschichte ist folgende: Zur Forster Weinkerwe wurde jedes Jahr ein Kerwebaum geschlagen und zur Kerweeröffnung aufgestellt. Vor vier Jahren hatten die Deidesheimer Kerwebuwe den von den Forstern geschlagenen Baum, der hinter der Trabergerhalle vor der Kerweeröffnung deponiert war, entführt und in Niederkirchen auf den Dorfplatz gelegt. In diesem Jahr fiel die Kerweeröffnung in Forst aus, da sich niemand fand, an diesem Ereignis mitzuwirken. Das Forster Kerwekomitee hat sich vor zwei Jahren nach zwölfjähriger aktiver Beteiligung an der Weinkerwe aufgelöst. Es blieb ein kleiner Kreis, der sich danach noch für die Forster Prädikatsweinprobe zur Kerwe, zur Kerweeröffnung und in Deidesheim bei der jährlichen Metzelsupp’ der Weinbruderschaft für einen Auftritt zur Verfügung stellte. 2015 hatte Friedrich Thomé die Kerweeröffnung für den Brauchtumsverein Forst völlig neu „geschrieben“: Es traten das „Ungeheuer“ (ein Forster Wahrzeichen) und Reichskanzler Bismarck mit Begleitperson mit selbst geschriebenen Gedichten in allen Ausschankstellen und bei der Kerweeröffnung auf. Aber einen Kerwebaum gab es nicht mehr. Die Deidesheimer Kerwebuwe nahmen dies zum Anlass, den Forstern jetzt einen Kerwebaum zu stellen. Die Idee kam gut an. Die Forster haben sich nun zur Deidesheimer Kerwe revanchiert, indem sie am Tag der Festeröffnung früh um vier Uhr ein Bäumchen am Marktplatz aufgestellt haben. Das daran befestigte Gedicht lautet: „Deisem hegt schon lang den Traum, emol en g’scheite Kerwebaum! Als Nachbarn wie es sich gehört, man hilft, da man auf Freundschaft schwört. Aufwand wurde nicht gescheut, dies Schmuckstück hier mit ein paar Leut, als Dank aus Forst euch zu bescheren. Denn die Geschichte wird uns lehren: Wer andern hilft zu ihrem Glück, bekommt den Dank auch stets zurück. In Forst, da braucht man sich nicht recken und nach dem höchsten Baum zu strecken. Uns reicht ein kleiner Kerwebaum, der steht dann und man glaubt es kaum, am Ortsausgang nach Wachenheim, viel höher als in Deidesheim. Wir wünschen euch zu guter Letscht, e schänes Deismer Kerwefescht.“