Neustadt Klaus und Günter werden Mutter

Roberto Capitoni kommt am 8. September mit seinem Programm „Italiener schlafen nackt – manchmal aus in Socken“ nach Deidesheim.
Roberto Capitoni kommt am 8. September mit seinem Programm »Italiener schlafen nackt – manchmal aus in Socken« nach Deidesheim.

«Deidesheim». Vier eigene neue Produktionen, jede Menge Gastspiele bekannter Komiker und Kabarettisten, aber auch der SWR3-Lyrix-Truppe, die normalerweise nur in viel größeren Hallen spielt – das bringt die Saison 2018/19 für das Boulevardtheater Deidesheim. Zum Start am 1. September lädt der Standup-Comedian Michael Eller das Publikum zur Kreuzfahrt.

Eller ist ebenso wie Roberto Capitoni, der am 8. September folgt, ein Comedy-Kollege, den Boris Stijelja, der umtriebige Leiter des Boulevardtheaters, schon lange von gemeinsamen Auftritten her kennt. In seinem Programm „Ahoi, die Kreuzfahrer kommen!“ verarbeitet der gebürtige Bingener die Erfahrungen, die er als Gast-Komiker auf über 40 Reisen mit der Aida-Flotte gemacht hat. Stijelja, der das Programm kennt, lobt die Komik und die scharfe Beobachtungsgabe des Kollegen in höchsten Tönen. „Ein saucooler Typ, großartig“, sagt er aber auch über Capitoni, der nur eine Woche später nach Deidesheim kommt. Der im Allgäu geborene Italiener spielt in seinem Programm „Italiener schlafen nackt – manchmal auch in Socken“ ganz ähnlich wie Stijelja, der in Ludwigshafen sozialisierte Kroate, selbst mit dem großen Thema Migration und ist dabei, typisch Italiener, auch noch ständig in Bewegung. Schon am 15. September steht dann die erste eigene Premiere der neuen Spielzeit an: „Bleib doch zum Frühstück – Gegensätze ziehen sich aus“, von Stijelja als Romantik-Komödie beschrieben. Publikumsliebling Tim Poschmann spielt darin den peniblen Pfälzer Beamten Hans-Georg, dessen Welt gehörig aus den Fugen gerät, als eines Abend Nachbarin Maja vor seiner Tür steht: hochschwanger, pleite und eben aus ihrer WG geflogen. Den weiblichen Part übernimmt die Schauspielerin und Sängerin Patricia Kein, die in Deidesheim auch schon bei der Wechseljahre-Revue „Heiße Zeiten“ mitwirkte. Bei einer weiteren Eigenproduktion, „Klaus und Günter werden Mutter“, die am 17. November Premiere feiert, steht Boris Stijelja dann auch wieder einmal selbst auf der Bühne. Zusammen mit Tim Poschmann spielt er in dieser Adaption einer finnischen Komödie ein homosexuelles Paar, das einen kleinen Jungen adoptieren will. Doch durch ein Missgeschick auf dem Amt ist der Anwärter nicht 1,5, sondern 15 und zudem auch noch homophob und vorbestraft. Wie Stijelja berichtet, wollten Poschmann und er diesen Stoff schon seit Jahren auf die Bühne bringen, was bislang aber immer daran scheiterte, dass beider Terminkalender nicht zu koordinieren waren und zudem auch kein passender Darsteller für den Adoptivsohn zur Verfügung stand. Diese Rolle übernimmt nun der 17-jährige Daniel Giel aus Ruppertsberg, „ein gnadenloses Talent“, so Stijelja, der sich schon ernsthaft sorgt, ob er von dem Jungdarsteller, der auch schon beim hauseigenen Kindertheater mitwirkte, nicht an die Wand gespielt werden wird. Auf dieses Stück freut sich der Comedian und Theaterleiter aber auch deshalb besonders, weil es mit seiner Mischung aus Komik und Sozialkritik ein bisschen Abwechslung zum „Klamauk“ biete, dem er sonst verpflichtet ist. Das sieht offensichtlich auch das Publikum so, denn die Premiere ist schon jetzt ausverkauft. Es gibt aber zeitnahe Zusatztermine. Davor stehen aber noch zwei spannende Gastspiele an: So kommt am 12. Oktober das SWR3 Lyrix-Team auf seiner Live-Tour ins Boulevardtheater, das mit seinen 106 Plätzen eigentlich viel zu klein ist, um mit so einem Event bedacht zu werden. Stijelja aber verfügt durch seine Auftritte über Kontakte zum Sender. Ben Streubel, Alexandra Kamp und Ronald Spiess bieten dabei auf der Bühne genau das, was SWR3-Hörer auch vom Radio her kennen: deutsche Interpretationen von fremdsprachigen Popmusikstücken, vorgetragen von professionellen Sprechern und unterlegt mit instrumentalen Passagen des Originaltitels. Bei der Liveshow kommen noch über 40 Kostümwechsel dazu, und allein für den Aufbau der Technik braucht es neun Stunden. Die Schauspieler Alexandra Kamp und Ronald Spiess, beide aus dem Fernsehen bekannt, kommen im Anschluss auch am 24. Januar nochmals nach Deidesheim: dann mit dem Stück „Gut gegen Nordwind“ nach dem Bestseller von Daniel Glattauer. Die Berliner Polit-Kabarettistin Helene Mierscheid, schon einmal 2016 in Deidesheim zu Gast, mit ihren Programm „Wenn das der Wähler wüsste“ am 18. Oktober, die Speyerer Komikerin Jutta Hinderberger alias Kättl Feierdaach mit einem Best-of am 10. Januar und eine komödiantische Improtheater-Nacht mit einer Truppe um den Mannheimer Comedy-Slammer Jens Wienand am 27. Januar sind weitere markante Gastspiele in den kommenden Monaten. Die Reihe setzt sich im Frühjahr fort, wenn der bekannte fränkische Comedian Martin Rassau am 26. März noch vor der Aufzeichnung durch den BR mit seinem brandneuen Programm „Lou mer mei Rouh“ im Boulevardtheater vorbeischaut. Auch dies ist ein Freundschaftsdienst, denn Boris Stijelja spielte mit Rassau und dessen Partner Volker Heißmann schon in deren Haustheater, der Comödie Fürth. „Lou mer mei Rouh“ wird beschrieben als „Kur-Programm“, in dem Rassau an der Seite von Bernhard Ottinger die Sehnsüchte und Wehwehchen Revue passieren lässt, die Männer mittleren Alters so plagen. Fürs junge Publikum steht am 2. Dezember um 15 Uhr wieder eine Premiere des „Wunschtheaters“, der von Eva Berlejung geleiteten Kindertheater-Sparte des Boulevardtheater, an: das Märchenstück „Dornröschen“. Eine weitere Eigenproduktion ist für das erste Halbjahr 2019 fest eingeplant - was genau, steht nach Stijeljas Worten aber noch nicht fest: „Ich habe mehrere Stücke im Auge, aber ich will erst noch ein bisschen austesten, was beim Publikum am besten ankommt.“ Das Urteil des Publikums ist für seine freie Bühne, die gänzlich ohne jede Subvention auskommt, schließlich existenziell. Umso mehr freut er sich über den stetig wachsenden Zuspruch, so dass viele der 128 Vorstellungen, die das Boulevardtheater 2017 in Deidesheim gab, ausverkauft waren. Aktuell hat das Theater noch acht ältere Stücke auf dem Spielplan und bespielt ab und zu zusätzlich die benachbarte Stadthalle, so etwa am 9. März 2019 mit dem Comedian und Musiker Sven Hieronymus. Kein Wunder, dass manche Kommune das muntere Theater da gerne abwerben würde. Stijeja betont aber: „Wir bleiben in Deidesheim. Wir fühlen uns hier super-wohl.“ Noch Fragen? Alle Veranstaltungen finden im Boulevardtheater in der Deidesheimer Stadthalle statt und beginnen in der Regel um 20 Uhr. Karten bei Brillen-Bott in Deidesheim, unter Hotline 0172-4008201 oder www.boulevard-deidesheim.de.

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