Neustadt Kläranlage stinkt Anwohnern gewaltig
Die Messungen auf der Kläranlage der Verbandsgemeinde Deidesheim in Niederkirchen durch das Ingenieurbüro Müller-BBM wiesen erhöhte Geruchsemissionen auf. Hauptquellen für die wiederholt auftretenden Geruchsbelästigungen in angrenzenden Wohngebieten sind der alte Biofilter und der Klärschlammlagerplatz.
Mit einer neuen Abluftreinigung auf photochemischer Basis (siehe Zur Sache) und dem Bau einer Lagerhalle sollen die Geruchsemissionen abgestellt werden. Die Messergebnisse wurden im Werksausschuss diskutiert. Gemessen wurde in den vergangenen Wochen die Belastung der Abluft an den Klärschlammrottebehältern, dann nach dem Abluftwäscher (Absorber) und bei der Schlammentwässerung, so Andreas Adam von Müller-BBM. Dabei wurde eine Menge an Geruchsemissionen festgestellt. Der Abluftwäscher arbeite gut. Jedoch sei die Konzentration des gesamten Volumenstroms, der am Ende über den alten Biofilter läuft, so hoch, dass dessen Reinigungsleistung nicht ausreiche, um den von der TA Luft geforderten Wert von 500 GE/m³ (Einheit der Geruchsstoffkonzentration) einzuhalten. „Das sind nach dem Biofilter immer noch über 1000 GE/m³“, so Adam. Das soll so nicht bleiben. Verbandsbürgermeister Peter Lubenau verlangt entsprechende Maßnahmen, damit die Kläranlage so bald wie möglich vernünftig arbeite und die jetzige Situation der Bürger schnellstens verbessert werde. 2015 erstellte die Westpfälzische Ver- und Entsorgungs-GmbH Kaiserslautern (WVE) eine Machbarkeitsstudie, die eine Gesamtbewertung der Kläranlage beinhaltete. Projektleiter Jürgen Scherz von der WVE erläuterte die bisher umgesetzten Modernisierungsschritte. Was noch ausstehe sei eine bessere Abluftreinigung sowie die Überdachung der Klärschlammlagerfläche. Bei der Abluftreinigung setzen die Fachleute auf eine Photoionisationsanlage der Firma Neutralox Umwelttechnik GmbH. Rund einen Monat lang soll eine Testanlage mit einem Abluftdurchsatz von 250 m³ pro Stunde an mehreren Stellen der Kläranlage auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft werden. Eventuell könne man sogar auch auf den Abluftwäscher verzichten, so Scherz. Anwohner berichten, dass in der Nacht die Geruchsbelästigung am größten sei. „Gegen 22 Uhr hat die Temperatur in den Rottecontainern ihren Höchststand erreicht“, erklärt Betriebsleiter Andreas Riewe. Das Filtermaterial des Biofilters hätte bereits vor einem Jahr ausgetauscht werden müssen. Aus Kostengründen – der Austausch kostet rund 15.000 Euro – und wegen der anstehenden Umplanung habe man diese Arbeit jedoch hinausgeschoben. In dem Material des Biofilters haben sich Kanäle gebildet, so dass dieser nicht mehr einwandfrei arbeite, so Riewe. Jedoch sprächen mehrere Gründe gegen einen sofortigen Materialaustausch, so der Werksleiter. Der Zeitpunkt kurz vor der Herbstkampagne sei sehr schlecht und der Arbeitsaufwand von rund zwei Wochen enorm. Zudem brauche die Biologie auch mit dem neuen Filtermittel, rund sechs Wochen, bis sie wieder voll arbeite. Die WVE will deshalb prüfen, ob die Firma Neutralox vorübergehend auch größere Testanlage vermiete, die den gesamten Volumenstrom der Anlage verarbeiten kann. Auf jeden Fall solle eine Entscheidung in einer der kommenden Werksausschusssitzungen getroffen werden, so Lubenau. Für die Lagerhalle müsse zudem ein Bauantrag gestellt werden. „Bis Ende nächsten Jahres müsste das Problem gelöst sein“, schätzt der Bürgermeister.