Neustadt
Kita-Neubau St. Pius: Warum Stadt und Kirche profitieren
Hauptausschuss und Stadtrat haben in den vergangenen Tagen endgültig die Weichen für den Kita-Neubau auf der Hambacher Höhe gestellt. Das Projekt soll insgesamt 4,3 Millionen Euro kosten. Das Besondere an dem Vorhaben: Die Stadt braucht die Kita-Plätze. Daher stemmt sie die dafür nötigen Mittel in Höhe von 4,3 Millionen Euro, während die Kirchenstiftung St. Pius den Bau in Angriff nimmt.
Von einer klugen Zusammenarbeit sprechen Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) und Bürgermeister Stefan Ulrich (CDU). Auch Patrick Henigin (CDU) lobt den Neubau, sprach im Hauptausschuss aber auch von einer „Bankrotterklärung“, da die Kirche Bauträger bleibe, obwohl die Stadt so viel Geld investiere. Trifft dieser Vorwurf zu? Von Bürgermeister Ulrich und von Wolfgang Rühle aus dem Verwaltungsrat von St. Pius kommt dazu ein klares: Nein. „Wir machen das für die Stadt, denn diese hat den Bedarf an Kita-Plätzen“, sagt Rühle. Er ergänzt: „Die Kirche übernimmt diese Aufgabe nur, weil die Stadt bereit ist, die Mittel aufzubringen und so eine Möglichkeit hat, die Kita zeitnah zu bauen und nicht erst in fünf Jahren.“
Auflagen des Bistums
Rühle verweist zudem auf die besondere Konstellation auf der Hambacher Höhe: Zum einen habe es die Kirchengemeinde mit einem stark sanierungsbedürftigen Gebäude zu tun und müsse zum anderen laut einer Bistumsauflage möglichst viel Pfarrfläche reduzieren. Ferner muss die Stadt ausreichend Kita-Betreuungsplätze zur Verfügung stellen. Auf dieser Basis wurden erste Gespräche geführt. Es ergab sich folgende Lösung: Das Pfarrheim, das im Obergeschoss des Kita-Gebäudes unterbracht ist, zieht in die Unterkirche um. Damit erfüllt die Gemeinde die Bistumsauflage, die Pfarrfläche zu verkleinern. Für den Umbau der Unterkirche müssen noch 260.000 Euro investiert werden. Da das aktuelle Kita-Gebäude ziemlich marode ist, kann es dank des Pfarrheim-Umzugs nun abgerissen und neu gebaut werden. Wodurch dann wiederum eine Vergrößerung der Kita von drei auf fünf Gruppen (110 Plätze) möglich ist.
Die Kirche trete mit dem Bau „in Vorleistung“, sagt Rühle, „da die Stadt erst in vier bis sechs Jahren bauen könnte“. Gebaut werden soll ab Anfang 2022. Läuft alles wie geplant, ist die neue Kita Ende 2022 fertig. Rühle spricht von einer „Win-win-Situation“: „Wir haben die Flexibilität, das in Eigenregie zu machen und entlasten so die Stadt.“ Die Stadt wiederum habe auch Sicherheiten: „Im Rahmenvertrag haben wir uns verpflichtet, die Kita 30 Jahre lang zu betreiben.“ Und die Kirche hat für die Kita-Kinder für die Zeit der Bauphase auch ein Ausweichquartier in Hambach gefunden. Zur Kritik Henigins meint Rühle: „Diese ist nicht berechtigt, die Stadt hat alles aktiv gefördert. Wir kommen so nur schneller zu einer Lösung.“ Laut Rühle wird die neue Kita mit Holz und damit in „ökologischer Bauweise“ errichtet. Da man zudem auf ein energieeffizientes System setze, könnten weitere Fördermittel beantragt werden.
Stadt wird entlastet
Auch Bürgermeister Ulrich verweist auf die intensiven Gespräche, die mit den Kirchenvertretern geführt worden seien. Als eine Option stand auch im Raum, „dass die Stadt dort eine Kita errichtet“. Aber auf der Liste der Stadt stünden schon etliche Großprojekte aus den Bereichen Kita und Schule sowie der Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses. Daher müsse man sich klar eingestehen, „dass wir aktuell selbst nicht tätig werden könnten“. Somit sei es um das „gemeinsame Ziel“ gegangen, die Kita-Plätze auf der Hambacher Höhe zu erhalten beziehungsweise sogar auszubauen. Die Zuwendung der Stadt sei konkret an den Betrieb der Kita für 30 Jahre gebunden. „Wir sind Pfarrei und Kirche dankbar, dass sie sich bewusst dafür entschieden haben, weiterhin Kita-Träger zu sein“, betont Ulrich. Die Kirche hätte sich ja auch dafür entscheiden können, ihre Fläche für Wohnbebauung zu vermarkten, und die Stadt verfüge auf der Hambacher Höhe über kein eigenes Areal zum Bau einer Kita.
Ulrich erinnert zudem an das Subsidiaritätsprinzip, laut dem freie Träger beim Betrieb von Kitas den Vorrang haben sollten, um Vielfalt zu gewährleisten. „Hinzu kommt die wirtschaftliche Komponente: Für die Stadt ist diese Lösung günstiger. Wir werden da entlastet, zumal wir es so schnell nicht hätten realisieren können und auch die Unterbringung der Kinder während der Bauphase nicht so einfach hätten bewerkstelligen können.“
