Neustadt Kirche von unten

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Am 2. August 1818 wurde mit einem feierlichen Zug in die Stiftskirche in Kaiserslautern die Unionssynode eröffnet. Daher feiern Pfälzer Protestanten das zweihundertjährige Jubiläum der Vereinigung von Lutheranern und Reformierten. In erstaunlich kurzer Zeit einigten sich die Unionsväter in Kaiserslautern auf eine Urkunde für die gemeinsame Kirche. Das würde heute vermutlich Jahre dauern. Eine zweite Besonderheit damals war die starke Beteiligung der pfälzischen Bevölkerung an dieser Einigung. Schon bei dem Zug am 2. August war halb Kaiserslautern auf den Beinen. Es war keine Kirchenvereinigung von oben, es war eine Bewegung von unten, mit großer Begeisterung und flammenden Reden. In Gemeinden wie Lambrecht oder Edenkoben war es schon vorher zu örtlichen Übereinkünften gekommen. Der bayrische König ordnete eine Volksabstimmung an, um bei der Vereinigung keinen Gewissenszwang auszuüben. Diese Abstimmung gehört zu den frühen Zeugnissen demokratischer Beteiligung in der Pfalz, auch wenn hauptsächlich nur Männer abstimmen durften. 40.167 Personen stimmten für die Kirchenvereinigung, nur 541 sprachen sich dagegen aus. Der Widerstand in Haßloch oder Neustadt der reformierten Gemeinden gegen die Vereinigung entsprang oft der Sorge um das Kirchenvermögen, das nun mit den ärmeren Lutheranern geteilt werden sollte. Die Verankerung der Kirche vor Ort, die Beteiligung vieler Frauen und Männer sind auch heute noch eine wichtige Grundlage der evangelischen Gemeinden. Manchmal sind diese demokratischen Prozesse anstrengend, weil viele mitreden und es nicht ohne Streit geht. Aber die Beteiligung vieler gehört zum Protestantismus dazu und hält die Gemeinden lebendig. Solche Prozesse erdet unsere Kirche. Am Abend des 1. September wollen wir in Haßloch eine Menschenkette zwischen der Lutherkirche und der Christuskirche bilden, um an die Kirchenvereinigung zu erinnern. Wenn wir so an den Händen verbunden stehen, legen wir als Protestanten Zeugnis ab vom Herrn dieser Kirche, Jesus Christus. So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, erbaut auf dem Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein. (Epheser 2,19-20). Wir freuen uns, wenn auch Christen anderer Konfessionen an diesem Tag mit uns verbunden sind. Der Autor Dr. Friedrich Schmidt-Roscher ist Pfarrer in Haßloch

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