Neustadt
Kindheitstraum Busfahrer auf eigene Kosten verwirklicht
Sein Beruf verschlägt Dominik Kober aus Edenkoben fast täglich nach Neustadt. Indes ist er kein Pendler, muss weder mit seinem Auto einen Parkplatz suchen noch braucht er ein Ticket für Bahn oder Bus. Tatsächlich sorgt er dafür, dass andere gut nach Neustadt und wieder zurück kommen. Der 32-Jährige arbeitet als Busfahrer für die Palatina Bus GmbH.
Obwohl ihm dieser Beruf fast in die Wiege gelegt worden war, arbeitete der Südpfälzer nach der Schule zunächst in der Pflege. Dann aber machte er seinen Kindheitstraum doch noch wahr. Wobei, ein Traum war es eigentlich nicht. Denn Dominik Kober wusste ziemlich genau, wie das mit dem Busfahren funktioniert: „Mein Großvater und mein Onkel waren Busfahrer.“ Als Kind durfte er manchmal mit, in den Ferien vor allem.
Fast 10.000 Euro für Führerschein
Um seinen Kindheitstraum wahr zu machen, setzte Kober auf eine Umschulung. An deren Ende hatte er den notwendigen Führerschein und die Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer für die Pfalz abgelegt. Die Kosten hat er selbst übernommen. Damals, vor rund zehn Jahren, sei das aber noch etwas günstiger gewesen als heute, erzählt er. Jetzt koste dieser Weg etwa 10.000 Euro. Die andere Möglichkeit: eine dreijährige Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb, also eine Lehre. „Da kommt dann ein bisschen was in der Werkstatt oder im Bereich Disposition dazu, beim späteren Gehalt gibt es aber keinen Unterschied.“ Dass das Gewerbe stark unter Nachwuchsmangel leidet, ist aus seiner Sicht bei solchen Kosten logisch. Früher seien viele noch bei der Bundeswehr ausgebildet worden, mit der Wehrpflicht sei auch diese Möglichkeit weggefallen.
Dass die bei privaten Unternehmen beschäftigten und gewerkschaftlich organisierten Busfahrer für bessere Arbeitsbedingungen streiken, kann Dominik Kober ebenso nachvollziehen. Er selbst hat als Betriebsratsvorsitzender den Streik mitorganisiert. Gerade aus finanzieller Sicht sei das wichtig gewesen, weil sich die Verhandlungen zwischen den Tarifparteien über Jahre gezogen hätten. Die Bedingungen bei der Palatina Bus GmbH seien allerdings besser als bei manch anderem Busunternehmen. Die Belegschaft sei zufrieden, zum Beispiel deshalb, weil die Pausen schon zuvor bezahlt worden seien.
Technik faszinierend
Dominik Kober ist also gern Busfahrer, er kennt und mag viele seiner Kunden. Etliche seien Stammgäste, säßen meist weit vorn und hielten auch gern mal ein Schwätzchen. Die Fahrten über Land nach Neustadt und zurück mag er ebenso – selbst in den engen Gassen der Weindörfer: „Da gewöhnt man sich dran, irgendwann ist das Routine.“ Was nicht zur Routine wird: „Der Spaß am Fahren und die faszinierende Technik.“
Sein Motto „Sei nett zu Kunden, dann sind sie auch nett zu dir“ hat er bislang ebenso wenig bereut wie die Berufswahl. Freundlichkeit zahle sich aus, „gerade auf dem Land“. Klar gebe es auch mal Ausnahmen. Doch selbst in der mitunter angespannten Stimmung der Pandemie sei er nicht oft enttäuscht worden. Zumal die soziale Kontrolle durch andere Fahrgäste immer wieder funktioniere. „Wenn da zum Beispiel jemand ganz hinten sitzt und meint, dort seine Maske abziehen zu können, sagen ihm seine Nachbarn schon Bescheid.“