Neustadt Keine Spekulation über Qualität

Prall und reif: Die meisten Winzer der Region müssen ihre Trauben früher als sonst lesen.
Prall und reif: Die meisten Winzer der Region müssen ihre Trauben früher als sonst lesen.

„Einige Trauben haben sicher Schäden wie Sonnenbrand. Oder sie sind nicht so reif, wie sie sein sollten“, prophezeit Christine Lucas vom Weingut Lucashof in Forst. Das könne durchaus zu Einbußen führen. Oder die Trauben seien zwar süß, hätten dafür aber kein Aroma. „Dann müssten wir die Ernte doch noch rauszögern“, so Lucas. Genau wissen wird sie es Ende des Monats. Dann wird die Winzerin mit ihrer Familie die Trauben der Sorten Sauvignon blanc und einiger Rotweine lesen – zwei bis drei Wochen früher als sonst. Denn die Früchte sind dieses Jahr wetterbedingt viel früher reif. Ähnlich sieht es in Deidesheim aus. „Wir werden mindestens zehn Tage früher und damit noch vor dem Erlebnistag Deutsche Weinstraße am 26. August beginnen“, sagt Franz Arnold vom Weingut Kimich in Deidesheim. Die Rebsorte Regent müsse noch früher gelesen werden, denn diese Trauben seien schon jetzt reif. Das Weingut Markus Schwaab in Kirrweiler beginnt etwa um den 20. August herum mit der Weinlese. „Vergangenes Jahr haben wir erst im September angefangen und bis in den Oktober hinein geerntet“, berichtet Andrea Schwaab vom Weingut. Winzer, die neuen Wein anbauten, müssten teilweise jetzt schon mit der Lese beginnen. Auch Steffen Mugler vom Bio-Weingut Schädler in Maikammer wird am 20. August mit der Ernte beginnen. Seine Trauben stünden wegen der biodynamischen Vorgehensweise verstärkt unter „Konkurrenz“ zur Begrünung im Weinberg, die Insekten anlocken soll. Er setzt im Sinne der Artenvielfalt auf Blumen und Pflanzen im Wingert. Diese benötigen aber ebenso Wasser und Nährstoffe wie die Trauben. Diese Konkurrenz bewertet Mugler als durchaus positiv. Als Winzer müsse er eben entsprechend reagieren – und in diesem Fall früher mit der Lese loslegen. Mugler hofft, dass es bis zur Lese kein Unwetter, keinen Hagel oder Starkregen mehr gibt. Im Endspurt sei das Wetter immer entscheidend, weiß Christine Lucas aus Forst. „Wenn es jetzt regnet, ist das okay. Aber Mitte/Ende August kann Regenwasser die Trauben faulen lassen.“ Denn das Wasser schieße dann direkt in die Frucht. Sollte es so kommen, müssten die Winzer flexibel reagieren, die geschädigten Trauben in Handarbeit entfernen. Wie sich das Wetter auf die Qualität auswirkt, darüber will noch keiner der Winzer spekulieren. „Das können wir erst sagen, wenn die Trauben im Keller sind“, erklärt Andrea Schwaab aus Kirrweiler. „Wenn die Trauben über der Schwelle des Kelterhauses sind, sage ich Ihnen, was draus wird“, sagt auch Mugler. Der Bio-Winzer versucht angesichts des Wetters entspannt zu bleiben. Und setzt mit einem Augenzwinkern auf den Spruch eines alten Winzers: „Wenn alles zu Hause ist, kann man den Schoppen immer noch umschmeißen.“ Eines eint wohl alle Winzer: Die Hoffnung, dass am Ende alles gut und der Jahrgang 2018 ein guter wird. Christine Lucas vom Forster Lucashof ist sich sicher: „Die diesjährige Ernte wird uns Winzern eine Menge Fingerspitzengefühl und alles an Erfahrung abverlangen.“

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