Neustadt Keine schnelle Lösung
„Ich könnte mir vorstellen, dass wir bei den Schulsporthallen so vorgehen wie bei den Kreisstraßen“, sagte Landrat Dietmar Seefeldt (CDU) am Montag im Kreisausschuss. In Absprache mit den Schulen soll eine Prioritätenliste aufgestellt werden, in welcher Reihenfolge die Sanierung der Sporthallen erfolgen soll. Bei den Kreisstraßen wird seit Jahren nach diesem Prinzip verfahren. Wie berichtet, waren die Dusch- und Waschräume in der Gymnastikhalle des Staufer-Schulzentrums in Annweiler wegen zu hoher Legionellen-Befunde komplett geschlossen worden, um eine Gefährdung der Öffentlichkeit auszuschließen. Zu viele Bakterien wurden auch im Warmwasser in folgenden Hallen entdeckt: Dreifeldsporthalle des Staufer-Schulzentrums, Gymnastikhalle und Dreifeldsporthalle des Alfred-Grosser-Schulzentrums in Bad Bergzabern sowie Kleinsporthalle und Dreifeldsporthalle des Pamina-Schulzentrums Herxheim. Stark sanierungsbedürftig sind zudem die Dreifeldsporthalle und die Zweifeldsporthalle in Edenkoben. Von den neun Sporthallen in der Trägerschaft des Kreises ist nur die 2006 eröffnete Halle am Gymnasium Edenkoben nicht betroffen. Seefeldt hatte Anett Schall, Leiterin des Gesundheitsamtes, und Hygieneinspektor Peter Urschel sowie von der Bauabteilung der Kreisverwaltung Günter Jung und Peter Hust mit in den Ausschuss gebracht, um die Problematik von Expertenseite schildern zu lassen. Entdeckt worden waren die Legionellen bei Routineuntersuchungen des Gesundheitsamts. Ob es solche Untersuchungen denn nicht schon früher gegeben habe, wollte Olaf Gouasé (CDU) wissen. „2014 hat sich die Trinkwasserverordnung geändert“, sagte Urschel. Seither wird mehr untersucht. Er sei nach einer Prioritätenliste vorgegangen, so Urschel. Er habe zunächst Krankenhäuser, dann Altenheime, Kitas, Schulen und dann erst die Schulsporthallen kontrolliert. Dass es so lange gedauert habe, habe an mangelnden Kapazitäten gelegen. „Wir hatten eine gewisse Fluktuation in der Hygieneinspektion, teilweise war ich allein“, erzählte Urschel. Seit 2016/2017 habe sich die Situation aber verbessert. Ob nur die Hallen in der Zuständigkeit des Kreises kontrolliert würden oder auch andere, wollte der Ausschuss wissen. „Auch die Hallen in der Trägerschaft von Verbands- oder Ortsgemeinden werden untersucht, irgendwann komme ich vorbei“, kündigte Urschel an. Anett Schall betonte, dass es das Legionellen-Problem nicht nur an der Südlichen Weinstraße gebe. „Glauben Sie mir, das gibt es auch anderswo. Nur damit geht halt niemand hausieren“, sagte sie. Das Hauptproblem bei den Duschen ist, dass sie zu selten genutzt werden. Die betroffenen Sporthallen wurden zwischen 1963 und 1980 gebaut. Für die Behebung der Probleme reicht es nicht aus, ein paar Wasserleitungen oder Duschköpfe auszutauschen. „Betroffen ist nicht nur die Sanitär-, sondern auch die Heizungs- und Lüftungstechnik“, betonte Peter Hust. „Und wenn wir anfangen zu sanieren, dann kommt auch der Brandschutz ins Spiel. Der entspricht nirgends den heutigen Vorgaben.“ Folglich müssten alle Hallen generalsaniert werden. Ulrich Teichmann (Grüne) erinnerte daran, dass die große Sporthalle in Bad Bergzabern auch von den Regionalliga-Basketballern genutzt wird. „Die Spieler müssen duschen können. Es kann nicht sein, dass es dort jahrelang nur kaltes Wasser gibt“, sagte Teichmann. „Wir brauchen eine schnelle Lösung.“ Auch Hans-Günter Gerstle (AfD) plädierte für eine schnelle Ersatzlösung. Am Dienstag hat Gerstle im Namen der AfD-Kreistagsfraktion einen Brief an Landrat Seefeldt geschrieben, in dem er seinen Vorschlag untermauerte. „Ich habe mit Henning Adam, dem Gesundheitsinspektor des Gesundheitsamtes Saarlouis telefoniert“, sagte Gerstle im RHEINPFALZ-Gespräch. Adam empfehle zur schnellen Lösung den Einsatz von Filtern direkt in der Leitung beziehungsweise der Entnahmestelle. „Alten Duschkopf abschrauben, neuen Duschkopf aufschrauben – fertig!“, so Gerstle. Im Saarland werde bei betroffenen Sporthallen so vorgegangen. „Man hat mir versichert, dass es funktioniert, das Wasser sei legionellenfrei“, sagte Gerstle. Der Kreisausschuss verständigte sich darauf, dass mit im Haushalt 2019 für kleinere Sanierungsmaßnahmen vorgesehenen Mitteln am Beispiel der Sporthallen des Pamina-Schulzentrums eine Vorplanung für die Generalsanierung gemacht wird. Die dort gewonnen Erkenntnisse sollen bei den anderen Hallen verwendet werden. In seiner nächsten Sitzung am 18. März will der Ausschuss über die weitere Vorgehensweise und Sofortmaßnahmen entscheiden.