Neustadt Keine halben Sachen
«Deidesheim». Seit einem Monat hat in Deidesheim die „Galerie Backhaus“ geöffnet und erfreut sich seitdem ohne große Werbung eines unverhofft großen Publikumsinteresses. Was wohl nicht nur am Inhalt der ersten Ausstellung liegt. Inhaberin Christa Wessa zeigt unter dem Titel „Homelandscape“ spektakuläre Landschafts-Porträts des für „Stern“, „Merian“, „Zeit“ und „National Geographic“ tätigen, preisgekrönten Frankenthaler Fotografen Hardy Müller (die RHEINPFALZ berichtete) – und zwar in einem Rahmen, nach dem sich manch andere Galerie die Finger lecken würde.
Nein, Christa Wessa macht keine halben Sachen, wenn es darum geht, Kunst im bestmöglichen Ambiente zu präsentieren. Das hat wirklich Hand und Fuß. Mit dem „Backhaus“ hat Wessa für ihre Galerie ein Gebäude gefunden, das die Aura einer anderen Zeit atmet und dabei ebenso aufwendig wie liebevoll renoviert wurde – man merkt, da hat jemand ganz viel Herzblut in die Räumlichkeiten der ehemaligen Bäckerei gesteckt. Wessa ist es gemeinsam mit einer Freundin, der Innenarchitektin Petra Harth, gelungen, in den insgesamt drei Ausstellungsräumen eine optisch ansprechende Symbiose zwischen Tradition und Moderne zu gestalten. Der geschliffene Betonboden kontrastiert aufs Feinste mit der im Originalzustand belassenen, kalkverputzen Decke, deren Altersspuren man bewusst sichtbar ließ. Beim Gang in einen anderen Raum knarzt ein dunkler Dielenboden. Alles wirkt unprätentiös, dabei stilsicher, mit Auge fürs Detail und, was mindestens ebenso wichtig ist, ohne dabei von der ausgestellten Kunst abzulenken. Müllers Fotografien werden durch eine ebenso unaufdringliche wie prägnante Lichtgestaltung in Szene gesetzt. „Gute Kunst braucht gute Beleuchtung“, stellt Wessa unmissverständlich klar und hatte dafür einen der Besten seiner Zunft an ihrer Seite. Günter Jäckle, ist nicht nur der langjährige Lichtdesigner von Udo Lindenberg, sondern auch der Lebensgefährte von Harth und hat sich darum gekümmert, die „Backhaus“-Exponate im besten Licht erscheinen zu lassen. Zum Zeitpunkt der Galerie-Eröffnung war er mit Lindenberg gerade auf Tour, hat dafür aber gemeinsam mit Udo ein launiges Video an Wessa geschickt, in dem ihr der Sänger alles Gute für das „große, bunte Abenteuer“ wünschte und außerdem (wie soll´s auch anders sein) „keine Panik“. Panik braucht Wessa nach den ersten Wochen ihrer Galerie wohl nicht zu haben. Allein während des RHEINPFALZ-Gesprächs kommen rund 20 Interessierte vorbei, besichtigen die Ausstellung, das Backhaus und auf Wunsch auch die beiden darüber liegenden Ferienwohnungen, die – ähnlich geschmackvoll eingerichtet wie die Galerie übrigens – auch gemietet werden können. Und so unprätentiös wie das Ambiente präsentiert sich auch die Galeristin selbst. Wessa hat sich mit dem „Backhaus“ einen langgehegten Traum erfüllt. Als langjährige Inhaberin der in Neustadt ansässigen Werbeagentur „BFW Tailormade Communication“ hat sie nach dem Tod ihres Mannes und der Übergabe der Firma an den gemeinsamen Sohn bewusst diesen Weg eingeschlagen: „Mir war klar, dass ich noch mal sowas machen will, ich wollte ursprünglich Grafikdesign studieren, hab’ selbst gemalt, mich permanent mit Kunst befasst und als ich es mir leisten konnte, auch Kunst gekauft.“ In Berlin war sie viel unterwegs, hat dort Bekanntschaften mit Künstlern unterschiedlichster Couleur gemacht. Als dann ihre Freundin Petra Harth zusammen mit ihrem Lebensgefährten Günter Jäckle ein Anwesen mit einem alten Backhaus mitten in Deidesheim kaufte, „da bin ich zu ihr hin und sagte: ,Mir gibscht es Unnergschoß’, erinnert sich Wessa im schönsten Pfälzisch. Fast ein ganzes Jahr wurde in der alten Bäckerei renoviert. Jetzt soll dort „alle sechs Wochen eine neue Ausstellung gezeigt werden“, erklärt Wessa den geplanten Turnus. Die nächsten Projekte sind schon terminiert: Ab 24. Juni wird der Berliner Maler, Bildhauer und Performance-Künstler Volker Nikel das Haus beehren, danach folgen über den Sommer Exponate der Neustadter Galerie Upart, die zusätzlich ein vierwöchiges Malstudio im begrünten Innenhof des „Backhauses“ einrichten wird. Für Wessa ist klar, dass sie sich beim Inhalt der Ausstellungen keinerlei „stilistische Grenzen gesetzt hat“. Von Malerei bis Bildhauerei oder Objektkunst und natürlich Fotografie soll im „Backhaus“ alles vertreten sein, sowohl im regionalen als auch im nationalen Spektrum. Was die Fotografie angehe, sei die erste Ausstellung mit Hardy Müller „natürlich ein absoluter Glücksfall gewesen“. Nicht nur deshalb zieht sie ein positives Fazit der ersten viereinhalb Wochen: „Die Arbeit im Hintergrund ist natürlich sehr aufwendig, aber die Leute, die in der Galerie vorbeischauen, sind sehr nett und interessiert. Der Austausch mit den Besuchern – egal ob die was kaufen oder nicht– macht ungeheuren Spaß.“ Noch Fragen? Die Galerie „Backhaus“ liegt in der Heumarktstraße 5 in Deidesheim und hat immer freitags bis sonntags von 14–18 Uhr geöffnet. Die Ausstellung „Homeland-scape“ mit Fotos von Hardy Müller läuft noch bis 15. Juni.