Neustadt Kein Sport für Hasenfüße oder Hasardeure

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Deidesheim. Der 16-jährige Deidesheimer Nick Willner beendet die Mountainbike-Saison 2016 auf Rang neun der deutschen Rangliste der Altersklasse U19. Mit Platz fünf im letzten Saisonrennen in Thale/Harz holte er Mitte September auch seine beste Platzierung im internationalen „German Downhill-Cup.“

Wenn Nick Willner oben am Start steht, sieht der Radsportler aus wie ein moderner Ritter. Vollvisierhelm, Handschuhe, Rücken-, Brust- und Ellbogenprotektoren sowie Knieschützer sollen ihn bei seiner rasenden Fahrt abwärts vor Verletzungen bewahren. Sein „Pferd“ ist ein hoch technisiertes Mountainbike. Das Spezialrad kostet 3500 Euro, die Schutzkleidung rund 1000 Euro. Die Finger liegen an den Bremshebeln und der Schaltung, doch gleichzeitig sind die Füße auf den Pedalen bereit, bei der geringsten Möglichkeit zu beschleunigen. 400 Höhenmeter verteilt auf einer Distanz von ungefähr 2000 bis 2500 Meter rast er abwärts. Ähnlich wie bei Skirennfahrern geht es in der Endabrechnung dabei um Sekundenbruchteile. Die Abläufe sind automatisiert, im Kopf ist kein Raum für zaghafte Gedanken. Das ist kein Sport für Hasenfüße, aber auch kein Sport für wilde Hasardeure. Risiko, Mut und Vorsicht müssen abgewogen werden, um im Rennen gegen dutzende Starter eines Wettbewerbes am Ende auf dem Treppchen zu landen. „Es ist immer eine gewisse Anspannung da, es gilt ,Augen zu’, sich zu überwinden, die Passagen mutig zu bewältigen. Gleichzeitig muss man auch Respekt vor der Strecke haben und das Risiko richtig einschätzen“, erklärt Willner. Doch auch wenn er keine Fahrfehler macht, kann es zu einem Sturz kommen. So war es zu Saisonbeginn 2015 in Winterberg, als er einen „Abflug“ über den Lenker machte. Er sei auf einen Sprung zugerast und habe noch beschleunigen wollen, doch die Kette verhakte sich, er habe ins Leere getreten, erinnert er sich. Während der bangen Sekunden des Fluges dachte er: „Oh Gott, tot.“ Doch die Ausrüstung und sein Schutzengel bewahrten ihn vor schlimmen Verletzungen. Neben einem Mittelhandbruch, Prellungen und Stauchungen ging der Sturz noch einmal einigermaßen glimpflich aus. „Ich denke, dass mein Nackenschutz viel abgehalten hat“, sagt er heute. Nach drei Monaten Zwangspause fuhren zunächst noch Angst und Vorsicht mit. „Doch dann wollte ich mich wieder an meine Teamkollegen hängen und einfach dranbleiben“, erklärt Nick Willner. So wurde 2016 für den 16-jährigen Deidesheimer, der in Neustadt die elfte Jahrgangsstufe des Kurfürst-Ruprecht-Gymnasiums besucht, zu seiner erfolgreichsten Saison. Im Vorjahr belegte er beim IXS-Rockie-Cup nach fünf Wettkämpfen in der Altersklasse U17 den vierten Gesamtrang. In diesem Jahr war es bereits Platz zwei, diesmal in der Altersklasse U19. Bei den Läufen um den stärker besetzten „IXS German Downhill Cup“ steigerte sich Willner von Rennen zu Rennen. Nach Rang 27 zum Auftakt an Pfingsten in Winterberg folgte Platz zehn bei den deutschen Meisterschaften in Tabarz. Im dritten Lauf landete er in Ilmenau auf Rang neun. Sein Ziel waren die Top Ten. Als Vorbereitung auf das Finale in Thale beteiligte er sich daher Anfang September beim Finale des IXS Rockie-Cups in Schönried bei Gstaad. „Eigentlich hatte ich diese Serie nicht im Fokus, aber ich wollte noch einmal ein Rennen bestreiten“, so Willner. Trotz einer brenzligen Situation im Vorlauf siegte er mit 1,919 Sekunden Vorsprung vor dem Schweizer Joel Amman. Das bedeutete den ersten Tagessieg für den Pfälzer in einer internationalen Rennserie und gleichzeitig Rang zwei in der Gesamtwertung dieses Cups. Noch ist der Schüler stark auf die Unterstützung seiner Eltern angewiesen, wenn es um die Anreise zu Training oder Wettbewerben geht. Meist ist es „Taxi Mama“, das ihn hoch auf einen Pfälzerwald-Gipfel zu einem offiziellen Trail abseits der Wanderwege oder zu den Trainingsgebieten im Schwarzwald und zu den Wettkämpfen befördert. Sein Vater Jochen Willner, selbst begeisterter Marathonläufer, ist an den Wochenenden oft als Sportmitarbeiter für die RHEINPFALZ im Einsatz. Nick, der im Dezember 17 Jahre wird, nimmt bereits Fahrstunden, um möglichst früh mit dem „Führerschein auf Probe“ Fahrpraxis ab 17 zu sammeln. Technische Hilfe gibt es für Nick Willner von Christian Höfler und Nico Grünebaum vom Radladen „Velo Veritas“ und ab 2017 von seinem neuen Team „IK-Pivot-Cycles“. Willner ist mit einer Lizenz des Vereins RV Schwalbe Trier unterwegs. Trainiert wird fast täglich. „Wir suchen uns anspruchsvolle Strecken, um uns stetig zu verbessern, benutzen aber selbstverständlich keine Wanderwege, sondern nur erlaubte Strecken“, betont er. Er ist froh, über einen Freund zu dieser Sportart gefunden zu haben. Vorher probierte er auch Handball aus, denn sein 19-jähriger Bruder Jan war zunächst sein Vorbild. „Ich fand damals einfach die Ausrüstung cool“, erinnert er sich, wieso er vor fünf Jahren einen Freund beim Radtraining begleitet hat. Jetzt lässt sich Nick nicht mehr bremsen und setzt auf 2017. Dann soll es von dem jetzigen Ranglistenplatz neun noch viel weiter nach vorne gehen. |kle

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