Neustadt Kein Platz mehr für junge Tüftler

Sergej Buragin sendet SOS: In einer E-Mail an Freunde, Eltern und Unterstützer sowie an Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer beschreibt er, wie schwer es sei, für seine große Jugend-forscht-Gruppe geeignete Werkräume zu finden.
Buragin hat mit den Jugendlichen in den vergangenen zwei Jahren bereits an vielen Wettbewerben teilgenommen. Für ihre technischen Tüfteleien und Forschungen erhielten sie mehrere Preise. Derzeit bereitet sich Buragin mit einem Forscherteam auf eine Reise zur World-Robot-Olympiade nach Neu Delhi in Indien vor. Die schulübergreifende Neustadter Arbeitsgemeinschaft (AG) siegte beim Deutschland-Entscheid mit einem komplizierten, aber effektiven Roboter, der Kunststoff-Leergut von verschmutzten Stränden einsammeln kann. Doch zuerst muss Buragin das Raumproblem lösen. Weil die Volkshochschule (VHS) den Werkraum für ihre laufenden Kurse benötigt, muss die Gruppe ihre dort abgestellten Geräte entfernen. Auch im Leibniz-Gymnasium, wo angedacht war, einen Raum zur Verfügung zu stellen, sei es eng geworden, so Buragin. Zum jetzigen Zeitpunkt sei man quasi obdachlos. Aktuelle Vorbereitungen würden eingestellt, die AG stehe vor der Auflösung. Bürgermeister Röthlingshöfer reagierte: „Ich habe den zuständigen Fachbereichsleiter gebeten, zügig eine Lösung zu finden. Mittlerweile bin ich für die Schulen nicht mehr zuständig, aber ich weiß, dass die Schulgebäude fast voll belegt sind. Die einzige Option wäre, wenn das Mehrgenerationenhaus vom momentanen Standort am Alten Viehberg wieder in die Von-Hartmann-Straße zurückverlegt wird, dass dann dort in den Räumen am Viehberg etwas frei ist.“ Die erfolgreichen Aktivitäten mit den sehr engagierten Jugendlichen erforderten auf jeden Fall eine intensive Prüfung eines geeigneten Standorts. Dagmar Fries, stellvertretende VHS-Leiterin, erklärt: „Der Werkraum war nur für eine Übergangszeit zur Verfügung gestellt worden. Es war klar, dass dieser Raum für die laufenden Kurse gebraucht wird.“ Für Buragin wäre aber gerade dieser Kellerraum besonders gut geeignet. „Die Jugendlichen kommen mit der Bahn, manche von Edenkoben oder Speyer. Dort gibt es eine Werkbank, und die VHS ist gut vom Bahnhof zu erreichen“, so Buragin. Ein weiteres Problem ist für die Gruppe, dass die Geräte nicht immer wieder weggeräumt werden können, wenn an ihnen gearbeitet wurde. Schließlich sollte die Arbeit an den folgenden Tagen nahtlos weitergehen. Auch in der Berufsbildenden Schule nutzt Buragin als angehender Fachlehrer einen Raum. „Dort kommt man mir sehr entgegen. Doch auch dort reicht der Platz nicht aus, zumal es nur ein Klassensaal und kein Werkraum ist“, sagt er. Das Besondere an Buragins Aktivitäten ist, dass er sie schulübergreifend anbietet: Für Projekte kommen Schüler aus allen vier Neustadter Gymnasien zusammen, dazu Schüler aus Edenkoben, Haßloch und Speyer. Aktuell interessieren sich 30 Jugendliche und viele Betreuer für diese Zusammenarbeit. Gearbeitet wird derzeit an 20 Projekten. Mittlerweile sind auf Buragins SOS-Ruf auch erste Reaktionen der Eltern und Förderer mit Vorschlägen eingegangen. Betont wird dabei vor allem, dass diese Art der AG einzigartig ist und tolle Resultate hervorbringt. Mit der VHS und dem Leibniz-Gymnasium steht Buragin nach seinem Hilferuf erneut in Kontakt, um zumindest weiterhin provisorisch noch unterzukommen. Denkbar sei aber auch, dass sich private Unterstützer finden, die vielleicht größere Werkräume oder ungenutzte Werkstätten in zentraler Lage zur Verfügung stellen. |kle