Neustadt Kauffreude bleibt gering
Unter der neuen Leitung von Werner Werling präsentierten sich die Mineralientage im Bürgerhaus in Maikammer mit weniger Ständen und Standflächen ohne den Terrassen- und Kellerbereich, sonst aber nach dem Konzept der Vorjahre. Einige Mineralstein-Händler beklagten die geringe Kauffreude. Die Auswahl an Schmuck und Mineralien war groß, Fossilien fanden sich nur an wenigen Ständen.
Werling, der auch einen Stand betrieb, hatte neben den regionalen Anbietern wieder Standbetreiber aus Idar-Oberstein, verschiedenen Bundesländern, Tschechien und Holland gewonnen. Freundliche, fachkundige Erklärungen gab es an vielen Ständen. So auch bei Helmut Seufert aus Höpfingen, an dessen Stand es gleich mehrfach „eingeschlagen“ hatte. „Meine Meteoriten sind 4,6 Milliarden Jahre alte, unglaublich schnell auf die Erde gefallene, verglühte Steinfragmente aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter“, erzählte er und hatte sie als Scheibe bearbeitet und angeätzt in der Auslage. Dank des Ätzverfahrens waren auf ihnen die Widmanstätten-Strukturen (feine, nur im All entstehende Linienmuster) erkennbar. Meteoriteneinschläge hatten auch Tektite (Geschmolzenes) wie Libysches Glas durch geschmolzenen Quarzsand hervorgebracht, das bereits im alten Ägypten für Pharaonenschmuck beliebt gewesen war. Oder Moldavit durch Verdampfen und Abregnen des Glasmaterials im Moldaugebiet. Außerdem lagen in Seuferts Auslage bizarre Fulgurite, wie Meteoriten von großer Hitze geformt, Gesteinsglasröhrchen durch Blitzeinschläge. Verkauft wurde auch Fachliteratur, wie etwa ein ungewöhnliches Fundstellenbuch von Erik Huigen aus Holland. Er hatte es selbst in höherer Stückzahl aufgelegt und beschreibt anhand von Farbfotos und Texten nicht nur seine Fundstätten, sondern gibt auch deren Koordinaten im Osnabrücker Bergland und Münsterland preis. „Ich sammle dort seit 45 Jahren“, sagte Huigen. Sein Vater habe ihm die Orte gezeigt. Von über 300 Sammelplätzen seien heute noch 110 frei zugänglich. Jedes Mal, wenn Ackerland umgegraben werde, träten Fundstücke wie versteinerte Seeigel zu Tage. Nicht frei zugänglich war dagegen Werner Kepplingers Sugilith-Fundstätte in Südafrika. „Eine der letzten Minen überhaupt“, meinte er begeistert, denn das Mineral, das auch Krebskranke als Heilstein zur Verbesserung ihres Gesamtbefindens schätzen, wurde violett leuchtend zum Verkauf gewogen. Fünf Euro kostete das Gramm seltenen Minerals aus staatlich kontrollierter Mine. So lag ein über faustgroßer Stein bei 2500 Euro. Auf der Empore hatte Gemmologe und Sammler Kai Amos seinen Infostand, während gegenüber Andreas Peter Haag aus Idar-Oberstein von der aussterbenden Kunst des Edelsteinschleifens in dritter und letzter Generation erzählte – die meisten Steine würden mittlerweile im Ausland geschliffen. Ob Einkäufer auf der Danziger Messe oder Sammler in den Alpen, mit Begeisterung hatten viele ihre Standschätze besorgt, Paul Zimmer seine Septarien sogar bei Motorradritten durch marokkanischen Wüstensand.