Neustadt Kartoffeln als Schnäppchen

Kartoffeln auf dem Neustadter Wochenmarkt sind fast 30 Prozent billiger als vor einem Jahr. Der Cappuccino auf dem Marktplatz kostet neun Prozent mehr im Vergleich zum September 2013.
Vor einen Jahr haben wir zum ersten Mal einen Neustadter Warenkorb mit typischen Lebensmitteln der Pfalz gefüllt, um zu untersuchen, wie die Preisentwicklung in Neustadt im Vergleich zu Deutschland oder Rheinland-Pfalz ist. Ergänzt wird unser Mini-Warenkorb von den regional ermittelten Preisen für Energie und Treibstoff. Bundesweit fiel die Inflationsrate laut Statistischem Bundesamt im August 2014 mit 0,8 Prozent auf den niedrigsten Wert seit 2010. Für Rheinland-Pfalz meldet das Statistische Landesamt in Bad Ems einen Preisanstieg von 0,9 Prozent und damit eine ähnlich moderate Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahr. Viele Menschen können sich jedoch kaum vorstellen, dass diese statistischen Zahlen ihrer täglichen Einkaufswirklichkeit entsprechen, sie haben, vor allem seit Einführung des Euro, eine andere Wahrnehmung. Ohne Anspruch auf repräsentative Ergebnisse, nur um sich einmal anzuschauen, ob das individuelle Gefühl trügt und die Statistiker recht haben, befüllten wir im laufenden September unseren Neustadter Warenkorb wieder mit den selben Zutaten wie im Vorjahr und prüften die Preise. Preisanstiege müssen wir in Neustadt feststellen beim Brot um sechs Prozent, bei Wein und Butter um zwei Prozent und bei einem kleinen Cappuccino in einem Café am Marktplatz um neun Prozent. Billiger geworden sind bei den Lebensmitteln nur die Pfälzer Kartoffeln, und zwar um knapp 30 Prozent. Bei den sonstigen Lebensmitteln gab es im Vergleich zum Vorjahr keine preislichen Veränderungen. Was auch in Neustadt, ebenso wie in Bund und Land, zu der insgesamt geringen Preissteigerungsrate führt, sind die zum Teil deutlichen Kostenreduzierungen bei den Mineralölprodukten. So ist zum Beispiel Heizöl trotz der weltweiten Krisensituationen im Moment sehr günstig zu haben (neun Prozent günstiger als im Vorjahres-September) und Benzin schlägt im Durchschnitt ebenfalls mit vier Prozent weniger als im September 2013 zu Buche. Bei Strom und Erdgas blieben in Neustadt die Preise unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Eine Gesamt-Inflationsrate speziell für Neustadt lässt sich aus diesem Überblick nicht errechnen, dazu wären viel umfangreichere Preisermittlungen und auch eine entsprechende Gewichtung der einzelnen Produkte erforderlich. Aber zumindest bestätigt die Tabelle die offiziellen statistischen Zahlen und lässt somit nur den Schluss zu, dass es mit der Inflationsrate ähnlich ist wie mit dem Wetter: Die gefühlte Teuerung ist nicht die tatsächliche Teuerung.