Handball RHEINPFALZ Plus Artikel „Kampflastiges Derby“ TSG Haßloch gegen VTV Mundenheim

Was tun gegen die starke VTV-Abwehr? TSG-Kapitänin Lucie Krein (links) sucht nach einer Teamkollegin, die sie anspielen kann.
Was tun gegen die starke VTV-Abwehr? TSG-Kapitänin Lucie Krein (links) sucht nach einer Teamkollegin, die sie anspielen kann.

Die Oberliga-Frauen der TSG Haßloch haben erstmals einen Hallensprecher. Ein gutes Omen im Derby gegen die VTV Mundenheim? Seine Ansagen aber können die Zuschauer kaum hören. Ein schlechtes Vorzeichen?

Am Samstagmorgen noch hätten sie Mikrofon und Lautsprecher für den Hallensprecher getestet– die Technik habe funktioniert, erzählt Peter Wingerter, Sportlicher Leiter der Oberliga-Handballerinnen in der TSG Haßloch. Thomas Dill-Korter hat sich als Hallensprecher im Derby gegen die VTV Mundenheim zur Verfügung gestellt. Doch schon das Vorstellen der Spielerinnen können die rund 100 Zuschauer im TSG-Sportzentrum kaum hören. Dies soll im Heimspiel aber nur ein kleines Problem der Haßlocherinnen sein.

Für die Gastgeberinnen sieht es in den ersten 30 Minuten gut aus, auch wenn die Gäste bis zum 5:5 mithalten (12.), zwischendurch sogar mit 2:1 (3.) und 4:3 (9.) vorne liegen. Dann aber setzt sich Haßloch durch, profitiert von seinem schnellen Kurzpassspiel, bis eine Spielerin frei zum Wurf kommt: Katharina Schmitt auf Linksaußen zum 6:5 (12.), Rechtsaußen Cornelia Langenberg per Heber zum 7:5 (14.). Auf Zack ist Ina Bühl, als die Gäste bei einer Zeitstrafe von Fabienne Michel in Unterzahl sind und dafür während des eigenen Angriffs Torfrau Selina Hofmann für eine sechste Feldspielerin auf die Bank holen: Nach einem Fehlpass von Annalena Scheib erobert Bühl den Ball und wirft ihn aus der eigenen Abwehr ins leere gegnerische Tor: 9:6 (19.). Sehenswert das Rückhandanspiel von Katharina Scheid auf Linksaußen Imke Paul, die auf 11:8 erhöht (25.).

Fans aus Mundenheim

Nur rund 30 Fans der Mundenheimerinnen sind mit nach Haßloch gekommen. Die VTV-Männer spielten zeitgleich ihr Derby in der Oberliga gegen die HSG Eckbachtal, verrät VTV-Coach Andre Rebholz. „Sonst hätten wir den einen oder anderen Besucher mehr gehabt.“ Doch der Mundenheimer Anhang in Haßloch lässt sich selbst vom 9:13-Rückstand zur Pause nicht aus der Ruhe bringen. „Wir halten gut mit“, sagt Ayleen Michel, Zwillingsschwester von Kreisläuferin Fabienne Michel, optimistisch. „Es sind nur vier Tore. Vier Tore sind im Handball nichts.“

Sie soll Recht behalten, auch wenn die Haßlocherinnen nach dem Seitenwechsel erst einmal nach einem Schlagwurf von Lucie Krein auf 14:9 erhöhen und die für Selina Henrich zwischen die Pfosten gewechselte Lisa-Marie Herzig mit dem linken Fuß den Wurf von Rechtsaußen Nele Graf pariert (34.), zudem dazu beiträgt, dass Sabine Mayer einen Strafwurf am TSG-Gehäuse vorbeiwirft (35.).

Haßlocher Fehler

Dann bringt die TSG mit ihren Fehlern die Gäste zurück ins Spiel: Vollkommen frei vergibt Rechtsaußen Langenberg (36.). Bühl scheitert an der starken und ebenfalls zur Pause ins Tor gewechselten VTV-Keeperin Stefanie Pfau. „Steffi ist rein und hat das Tor zugemacht“, lobt Rebholz sie. „Sie hat vor nichts Angst, wirft sich in jeden Ball rein – sie hat den Funken auf die Abwehr rübergebracht.“ TSG-Mannschaftführerin Krein leistet sich einen Fehlpass, erkämpft sich zwar den Ball zurück, wirft aber am VTV-Tor vorbei (41.). Kurze Zeit später trifft sie nur die Latte. Mona Illy scheitert im linken Rückraum ebenfalls an Pfau. In halbrechter Position setzt sie sich durch, ist vollkommen frei, wirft vorbei (48.). Die aggressive VTV-Abwehr sorgt für immer mehr Fehler im TSG-Angriff. Längst beklatschen die Mundenheimer Auswechselspielerinnen jede gelungene Aktion, jeden Ballgewinn, jedes Tor, feuern ihre Kolleginnen auf dem Feld an. Ruhig ist es dagegen auf Haßlocher Seite.

Das Derby ist kein schönes Spiel, „ein bisschen kampflastig“, merkt Rebholz an. „Aber das gehört zu einem Derby dazu.“ Seine Haßlocher Kollegen probieren viel, um die drohende Niederlage abzuwenden, ordnen schon rund sechs Minuten vor dem Schlusspfiff bei einem 18:21-Rückstand Manndeckung an. Doch die bringt die Haßlocherinnen erst recht auf die Verliererstraße. Fast ohne Gegenwehr der TSG feiern die VTV Mundenheim überhaupt nicht unverdient einen 27:20-Sieg im TSG-Sportzentrum. In der vergangenen Runden hätten sie beide Spiele gegen Haßloch verloren, erinnert sich Kreisläuferin Fabienne Michel, die vor über einem Jahr noch das TSG-Trikot getragen hat. „Jetzt relativ hoch und dominant zu gewinnen, fühlt sich gut an.“

Kopflose Haßlocherinnen

„Wir mussten was probieren“, erklärt Benedikt Hettich, mit Robin Eisel Trainer der Haßlocherinnen, die taktischen Entscheidungen. Die Spielerinnen seien in der zweiten Hälfte „ohne Kopf“ unterwegs gewesen. Eine kurze schlechte Phase habe dazu ausgereicht. Sie könnten kämpfen, „aber sobald es nicht läuft, hören sie auf“, ergänzt ein enttäuschter Eisel. „Mit den Fehlwürfen kommt die Unsicherheit.“ Haßloch habe viele freie Würfe vergeben. In den zweiten 30 Minuten sind den Gastgeberinnen gerade einmal sieben Treffer geglückt.

Peter Wingerter indes fühlt sich an die Derbyniederlage Ende Oktober gegen die Südpfalz Tiger erinnert. Auch damals hat die TSG keinen Kampfgeist gezeigt. „Man kann verlieren“, betont der Sportliche Leiter. „Aber nicht so. Das ist inakzeptabel.“

Die Mundenheimerinnen und Trainer Andre Rebholz bedanken sich bei ihren mit nach Haßloch gefahrenen Fans und feiern ihren Sieg.
Die Mundenheimerinnen und Trainer Andre Rebholz bedanken sich bei ihren mit nach Haßloch gefahrenen Fans und feiern ihren Sieg.
Noch enttäuscht von der Heimniederlage, bedanken sich die TSG-Spielerinnen bei ihren Fans.
Noch enttäuscht von der Heimniederlage, bedanken sich die TSG-Spielerinnen bei ihren Fans.
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