Neustadt Kampf gegen Becher-Müllberge

Gute Erfahrungen mit dem Mehrwegbecher hat das Hetzelstift-Café gemacht. Hier mit Leiterin Angelika Nicklis-Lachmann.
Gute Erfahrungen mit dem Mehrwegbecher hat das Hetzelstift-Café gemacht. Hier mit Leiterin Angelika Nicklis-Lachmann.

Die Müllberge aus Wegwerfbechern, die sich allein im Hetzelstift-Café wöchentlich ansammeln, waren der Grund für das Hetzelstift, auf ein Mehrwegsystem umzusteigen: das Recup-System, das im März eingeführt wurde (wir berichteten). Bereits seit Anfang des Jahres arbeiten Günther Scherer von den Grünen, Umweltdezernentin Waltraud Blarr (Grüne) sowie Claudia Reh, Pressesprecherin des Hetzelstifts und ebenfalls bei den Grünen engagiert, an einer großflächigen Einführung eines solchen Mehrwegbechersystems. Beim jüngsten Treffen des Kreises stießen noch Ralf Birk, Präsident des Lions Clubs Neustadt, sowie die neuen Klimaschutzmanager der Stadt, Christopher Blaut und Marcel Schwill, zu der Runde. Im Krankenhaus sei das neue System gut angenommen worden, informierte Reh: „Die Mitarbeiter stehen voll dahinter.“ Zu Beginn haben sie 50 Becher pro Tag ausgegeben, inzwischen seien es hundert. Ein potenzielles Hindernis für Kunden, einen Recup-Becher zu kaufen, sei die Frage, wo sie den Becher wieder abgeben können, erläuterte Angelika Nicklis-Lachmann, Leiterin des Hetzelstift-Cafés. Deshalb sei ein Netzwerk in der Stadt so wichtig, so Scherer: „Einen Kaffeebecher, den man am Bahnhof kauft, muss man 300 Meter weiter in der Hauptstraße wieder abgeben können.“ Recup habe sogar eine App, mit der man die Abgabestellen angezeigt bekomme, fügte Scherer hinzu. Aber dafür müssten eben noch mehr Cafés und Bäckereien in Neustadt mitmachen. Besonders Ehrat’s Backhaus am Bahnhof sei ein wichtiger Standort, weil dieses wohl die meisten „Coffee-to-go“ ausgebe, schätzt er. Nicklis-Lachmann verwies auf einen der Vorteile des Systems: „Die Leute geben ihren Becher ab und nehmen doch direkt etwas Neues mit.“ Dennoch bedeute das Recup-System einen höheren Aufwand für die Teilnehmer, sagte Blarr: „Diesen scheuen Cafés und Bäcker.“ Den meisten Skeptikern sei das System nicht wirtschaftlich genug, bestätigte auch Scherer: „Viele sind von der Idee des Systems überzeugt, aber wenn’s zum Schwur kommt, machen sie einen Rückzieher.“ Das Kaffeehaus „La Macchina“ am Marktplatz beispielsweise will den Mehrwegbecher nicht anbieten. „Wir müssten monatlich eine Gebühr bezahlen und zusätzlich den Kunden einen Preisnachlass geben, das würde ein Verlustgeschäft für uns bedeuten“, erklärte Regina Schehl, Mitbetreiberin des Hauses. Sie sehe in dem Projekt mehr Nachteile als Vorteile. Da den Kaffeehaus-Betreibern aber dennoch die Umwelt wichtig sei, würden seit kurzer Zeit Porzellanbecher mit Silikondeckeln verkauft. Das Café Winzig war nach dem Hetzelstift-Café das zweite, das Recupbecher in sein Sortiment aufnahm. Auf Getränke, die in dem umweltfreundlichen Becher verkauft werden, gibt es dort zehn Cent Rabatt. „Das System wird gemischt aufgenommen, aber viele Leute sind ihm zugeneigt“, berichtete Mitinhaberin Saskia Mai. „Der Pfälzer kennt das Konzept durch’s Schorleglas“, fügte sie hinzu, „trotzdem braucht es Gewöhnung.“ Die Bäckerei Liebenstein sowie das Café Sixt stehen laut Scherer schon in den „Startlöchern“. Ganz frisch sei eine Zusage der Bäckerkette Görtz, so Scherer. Görtz bestelle hundert Becher für seine Filiale in der Hauptstraße, um das Recup-System auszuprobieren. „Görtz ist ein großer Gewinn“, sagte Birk und ist sich sicher, dass die große Bäckerkette auch andere mitzieht. Dennoch erinnerte die Umweltdezernentin daran, dass die Zeit dränge. Es müsse schnell etwas getan werden, um die Bürger von dem System zu überzeugen. Was hat der „Initiativkreis“ also für Ideen? Scherer schlägt vor, Starterpakete zur Einführung des Recup-Systems zu verteilen. Damit würden die ersten hundert Becher sowie 50 Deckel finanziert. Kostenpunkt: 150 Euro pro Paket, bei zehn Paketen 1500 Euro. Wie der Betrag finanziert werden kann, ist noch offen. Die Stadt hat bereits abgelehnt, der Lions Club ebenfalls. Eine Wirtschaftsförderung entspreche nicht dem Zweck eines Service-Clubs, erklärt Lions-Club-Präsident Birk. Dennoch ist er zuversichtlich, dass die benötigte Summe durch Spenden gestemmt werden kann. Birk will das Projekt bei der Umweltstiftung der Allianz „Blauer Adler“ vorstellen, um eine Förderung zu erhalten. Reh kündigt an, mit dem Förderverein des Klinikums über eine mögliche Spende zu sprechen. Es stelle sich allerdings die Frage, ob dann Unternehmen, die sich schon für das Recup-System angemeldet haben, entschädigt werden sollten. Eine weitere Idee ist eine „Image-Kampagne“ – Birk schlägt vor, die Unternehmensvertretung Willkomm nach Unterstützung zu fragen. So könnten beispielsweise Geschäfte dafür Werbung machen oder sich bereit erklären, als Abgabestelle für die Mehrwegbecher zu dienen. Eine finanzielle Unterstützung habe die Gemeinschaft bereits ausgeschlossen, so Scherer. „Aber moralische Unterstützung wäre auch viel wert.“ Kommentar

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