Wasserball
Kalte Cola in der Pause: SC Neustadt im Viertelfinale
Mit einer grandiosen Mannschaftsleistung zieht der SC Neustadt ins Viertelfinale um den deutschen Wasserball-Pokal ein. Gegner Esslingen, Liga-Konkurrent in der 2. Bundesliga, war nur in der ersten Hälfte auf Tuchfühlung. Beim 16:13 (3:2, 6:5, 6:1, 1:5)-Erfolg des SCN stimmte von Beginn an die Körpersprache aller.
Im ersten Viertel gelangen noch nicht alle Torschüsse, Esslingens Keeper Dennis Wildner machte sein Tor dicht. „Wir waren in den ersten Minuten nicht geduldig genug im Angriff“, kommentierte SCN-Coach Milos Sekulic. Doch es war die starke Verteidigung des SCN, mit der Fehler im Angriff wieder ausgewetzt wurden. Torhüter Konstantin Wolgin glänzte von Beginn an, seine Vorderleute blockten zahlreiche Versuche der Gäste. Mit hohem Einsatz, der an die körperlichen Grenzen ging, wurden die Esslinger immer wieder aus dem Konzept gebracht. Sekulic wechselte ständig, um seinen Männern Verschnaufpausen zu geben.
Verteidigung In Unterzahl stark
Schwierig war es, die vielen Hinausstellungen zu kompensieren. Aber gerade in diesen 18 Sekunden Unterzahl machte die Defensive meist alles richtig. Bei 15 Zeitstrafen gegen den SCN konnten die Gäste nur sechs Versuche in einen Treffer ummünzen. Die beiden Schiedsrichter aus Nordrhein-Westfalen hatten die körperbetonte Abwehr der Neustadter streng im Blick. Auf der Gegenseite gab es nur vier Zeitstrafen. Cheftrainer Sekulic empfand die Entscheidung der Schiris als korrekt, auch wenn im letzten Viertel einige Angriffe des SCN unfair gestoppt wurden und nicht zu einem Pfiff führten. Cotrainer Peter Jacqué: „Die Schiris waren strenger gegen uns und am Schluss etwas einseitig.“
Die erste Spielhälfte war hart umkämpft, so der Treffer zum 8:5 von Matthias Held in der letzten Sekunde der 28-Sekunden-Angriffszeit. Das Stadionbad brodelte, die Anhänger sahen zum ersten Mal eine Führung von drei Toren. Nach der 10:13-Hinspielniederlage des Aufsteigers in die 2. Bundesliga zum Saisonauftakt gegen Esslingen war dies bereits ein Ausrufezeichen. Zumal die Gäste diesmal nicht die Beton-Abwehrtaktik aus dem Rundenspiel ins Becken brachten. Sie verzichteten bei SCN-Angriffen darauf, zusätzlich zum Keeper zwei Spieler an die Pfosten zur Blockabwehr zu beordern.
Vorentscheidung
Mit zwei Toren Vorsprung ging es zum Seitenwechsel. Sekulic brauchte eine kalte Cola in der Pause, um sich zu pushen. Es schien im dritten Viertel, als hätte von dem Kalorien-Koffein-Schub das gesamte Team profitiert. Der SCN zog auf 15:8 davon, Esslingen gelang in diesen acht Minuten nur ein Treffer.
Der Spielfluss ging verloren, nachdem die Schiris den Treffer zum 17:9 nach einer feinen Einzelleistung von Michail Wolgin nicht gaben. Die Pfiffe wurden in den letzten acht Minuten einseitiger, die harte Manndeckung der Esslinger wurde bei unfairem Einsatz nicht geahndet. Doch der Einseitigkeit zum Trotz parierte im SCN-Gehäuse Keeper Konstantin Wolgin auch einen Fünfmeter. Die Gäste kamen zwar noch auf drei Tore heran, doch am Ende jubelte der SCN.
Matteo Ananias: „Waren einfach stärker“
Dort spielen gleich drei Geschwisterpaare, neben den Brüdern Wolgin sind auch die Zwillinge Tim und Lukas Schwarzkopf und die Brüder Matteo und Luis Ananias im Einsatz. Matteo musste allerdings in den letzten Minuten zuschauen. Er erlitt eine Verletzung am Daumen. Die dicke Schwellung kühlte er mit Eis. „Eigentlich hätte ich am Sonntag eine Partie mit der zweiten Mannschaft in der 3. Liga. Aber wenn es kein Wunder gibt, kann ich nicht spielen und muss zum Arzt“, erklärte er. Zur Verletzung kam es, als er einen Schuss eines Esslingers blockte. „Immerhin gab es dadurch keinen Treffer“, freute er sich.
Matteo war einer der Spieler, die bei jeder Auszeit und jedem Viertelbeginn das Team versammelten, um mit einem lauten „SC Neustadt“ noch einmal den Zusammenhalt zu beschwören. Er betont: „Das letzte Viertel zeigt nicht das wahre Ergebnis. Wir waren einfach stärker.“
Trainer sehr zufrieden
Fair gratulierte Gästetrainer Miklos Barothy: „Glückwunsch an den SCN. Das Spiel hatte ein hohes Niveau. Bei solch einem Niveau wird eine Partie entschieden, wie ein Team die Fehler der anderen Mannschaft ausnutzt. Wir werden uns entsprechend vorbereiten, wenn der SCN zum nächsten Rundenspiel nach Esslingen kommt.“
SCN-Coach Milos Sekulic, der in Esslingen lebt, ist sogar Mitglied bei den Süddeutschen. Doch während des Spiels ruhte die Freundschaft. Er war sehr zufrieden: „Nach den ersten Fehlern am Anfang spielten wir mit mehr Übersicht. Konstantin war sehr stark im Tor. Unsere Verteidigung war sehr diszipliniert.“ Cotrainer Jacqué betonte: „Unsere Abwehrarbeit in Unterzahl war sehr gut. Das war der Schlüssel zum Erfolg.“ Auch Kapitän Matthias Held war mit der Partie zufrieden. „Der Spielstand nach dem dritten Viertel, 15:8, zeigt, wie überlegen wir waren. Man sieht, wie die neuen Mechanismen greifen. Wir haben uns zum ersten Spiel gegen Esslingen enorm weiter entwickelt.“