Neustadt Körperloses Spiel? Nur in der Theorie

Rasmus Denoke (links) und Tim Fleckenstein unterstützen die Haßlocher Gorillas, indem sie auch als Schiedsrichter aktiv sind.
Rasmus Denoke (links) und Tim Fleckenstein unterstützen die Haßlocher Gorillas, indem sie auch als Schiedsrichter aktiv sind.

«Hassloch.» Ein Basketballspiel als Schiedsrichter zu beaufsichtigen, das geht nur im Doppelpack. Basketball, das schnelle Spiel mit einigen technischen Finessen, fordert ein scharfes Auge und einiges an eigener Spielerfahrung. Rasmus Denoke und Tim Fleckenstein von den Haßlocher Gorillas sind selbst Basketballer. „Das ist auch eine Voraussetzung, um überhaupt die Lizenz zu bekommen“, betont Denoke.

Der 17-Jährige spielt seit sechs Jahren Basketball. Seit April darf er selbst mit einem zweiten Schiri Spiele pfeifen. „Ich wollte den Verein unterstützen“, erklärt er, warum er neben seinen Spielen als Aktiver noch weitere Zeit in den Sport investiert. Und Fleckenstein, Vorsitzender der „Haßlocher Gorillas“, pfeift seit vier Jahren. Ein Erlebnis als Spieler prägte seinen Entschluss, die Laufbahn eines Schiedsrichters einzuschlagen. Seine Mannschaft wartete in Ramstein einmal vergeblich auf die Unparteiischen. Eine Stunde Anreise für nichts. Das war für beide Mannschaften frustrierend. Er hat einige kleine Änderungen des Reglements in den vergangenen Jahren erlebt. „Die modernen Regeln zielen darauf, dass das Spiel noch schneller wird.“ Es sind die unterschiedlichen Zeitregeln, die dem Duo mit der Pfeife gehörig Druck machen. In fünf Sekunden muss der Ball beim Einwurf wieder zurück ins Spiel. Nur drei Sekunden darf ein Spieler in der Zone unter dem Korb stehen. Fünf Sekunden lang darf der Ball gehalten werden, wenn der Gegner den Spieler bedrängt. Und ein Angriff muss in 24 Sekunden mit einem Wurf auf den Korb abgeschlossen werden. Danach gibt es beim Ballgewinn der Angreifer nur noch 14 Sekunden Gelegenheit, einen Treffer zu erzielen. „Die ersten Basketballspiele sind früher nur mit wenigen Punkten zu Ende gegangen, seit dem wurde stark auf das Tempo gedrückt, wurden die Regeln verfeinert“, erzählt Fleckenstein. Auch bei den Körperkontakten, dem Blockieren der Gegner, Angriffen auf Ball und Gegner gilt es, genau hinzusehen. „Dass es ein körperloses Spiel sei, gibt es nur in der Theorie“, sagen die beiden Schiedsrichter. Der Körpereinsatz spiele eine große Rolle. Es gelte, den Körper geschickt einzusetzen. Die Entscheidungen der Schiedsrichter müssten vor allem schnell fallen. „Es bleibt keine Zeit, darüber nachzudenken oder sich abzusprechen. Ein Spiel zu pfeifen, ist eine mentale und körperliche Anstrengung“, betont Denoke. Er sieht die Unparteiischen mit ganz anderen Augen, seit er selbst weiß, wie es ist, in einem Spiel zu urteilen. „Ich habe inzwischen viel mehr Respekt. Über eine Fehlentscheidung würde ich mich jetzt nicht mehr beschweren. Und ich wünschte mir, dass das andere Spieler auch so sehen“, sagt Denoke. Richtig Zoff gibt es aber zwischen Referees und Spielern nicht. Fleckenstein sagt: „Ein Schiedsrichter wird in einem Spiel nie alle Entscheidungen richtig fällen. Wir können nicht alles sehen. Deshalb gibt es bei den Profis sogar drei Unparteiische. Bei wichtigen Spielen fällt zwischendurch vielleicht mal ein böses Wort, aber nach der Schlusssirene ist alles vergessen.“ Wichtig für alle Schiedsrichter ist die eigene Erfahrung als Spieler. Sie müssen mindestens zwei Jahre selbst gespielt haben. Dann folgt ein zweitägiger Lehrgang. Einmal im Jahr muss eine Fortbildung absolviert werden. Fleckenstein: „Auch wenn es viele Regeln und Abläufe gibt: Die Erfahrung macht es möglich, dass man gewisse Züge erahnt. Man lernt, ein Spiel zu lesen.“ Die Schiedsrichter müssen bestimmte Positionen einnehmen, um die Situationen überblicken zu können. „Es gilt das Boxing-in-Prinzip. Das heißt, in einem 45 Grad Winkel zu stehen und sich so zu bewegen, dass beide Schiedsrichter möglichst viel sehen. Wir müssen immer in Bewegung sein, immer rennen“, erklärt Fleckenstein. Er hält sich mit Joggen und Besuchen im Sportstudio fit. Denoke trainiert zwei- bis dreimal pro Woche mit seinem Basketballteam. Er hat inzwischen nicht nur Verständnis für die Referees. Er weiß nun auch, dass er als Spieler von seinen Erfahrungen als Unparteiischer profitiert. „Ich suche jetzt mehr den Kontakt zum Gegner, versuche, Freiwürfe herauszubekommen“, verrät er.

Der Basketball muss innerhalb von fünf Sekunden abgespielt, gedribbelt oder in Richtung Korb geworfen werden.
Der Basketball muss innerhalb von fünf Sekunden abgespielt, gedribbelt oder in Richtung Korb geworfen werden.
x