Neustadt „Könnten mehr Flüchtlinge verkraften“

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„Engagierte Jugend Neustadt“ ist der Arbeitstitel, den sich Jugendliche aus Neustadt und Umgebung gegeben haben. Unter diesem Motto luden die Initiatoren Lars Felder und seine Schulkollegen vom Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium (KRG) interessierte Jugendliche am Donnerstagabend in die „Bürgerecke“ in der Schlachthofstraße ein. 18 junge Menschen kamen, darunter vier Jugendliche aus anderen Schulen.

Felder und seine Mitstreiter stellten zunächst das Konzept vor, mit dem sich die „Arbeitsgemeinschaft Integration und Soziales“ am KRG konstituiert hat. Er sei selbst überrascht über die tolle Resonanz gewesen: Zur ersten Versammlung hätten sich rund 60 Schüler eingefunden. Daraus sei ein harter Kern von rund 20 Personen geworden, die sich seit März 2016 primär um junge Flüchtlinge gekümmert hätten. Farina Becker ergänzte, man wolle nun ein grundsätzliches Engagement junger Leute in Neustadt voranbringen, das sich über alle interessanten Themen und nicht nur auf die Asylproblematik erstrecke. Über das erste Treffen wolle man entsprechende neue Kontakte knüpfen. Dass das erste Ziel, engagierte Jugendliche zu gewinnen, erreicht wurde, zeigte die Vorstellungsrunde am Donnerstag. So war mit Joel Hankiewicz (Käthe-Kollwitz-Gymnasium) ein Mitglied der Landesschülervertretung dabei. Vom Leibniz-Gymnasium nahm Marco Wolf teil. Aus Edenkoben kam Hannah Ludwig. Sie erklärte: „An unserem Gymnasium gibt es noch keine Arbeitsgemeinschaft, die sich um diese Themen kümmert. Wir haben aber bei der Protestdemo gegen die AfD auf dem Hambacher Schloss Leute von euch kennengelernt und waren begeistert, wie das bei euch funktioniert. Jetzt wollen wir wissen, wie wir so etwas an unserer Schule voranbringen können.“ Von Martin Lüneburg, ehemaliger Schülersprecher am KRG und Organisator mehrerer Schülerevents, erhielt sie den Tipp: „Unbedingt die Schülervertretung einbinden, mit den Lehrern reden und bei allen Treffen Protokoll führen.“ Lüneburg teilte auch Erfahrungen mit, die er bei der Organisation von Schülerpartys mit mehreren hundert Teilnehmern gemacht hat. Für ihn ist es wichtig, dass sich die Jugendlichen zu einer starken Gruppe zusammenfinden: „So haben wir mehr Einfluss. Als im Stadtrat das Thema ,Abiturfeiern im Saalbau’ behandelt wurde, das ich angestoßen hatte, konnte ich nur stumm dabei sitzen und mich nicht dazu äußern, weil wir kein Recht dazu hatten.“ Die Schüler des KRG betonten, dass ihnen an ihrer Schule großes Vertrauen entgegen gebracht werde und sie beispielsweise für ihre Veranstaltungen sämtliche Schlüssel erhielten, um eigenverantwortlich zu agieren. „Das ist leider nicht an allen Schulen der Fall“, bedauerte Joel Hankiewicz. Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion zu diesen Themen, und die Jugendlichen brachten viele Ideen für eine bessere Vernetzung. Besonders interessiert zeigten sich die Schüler, die ausnahmslos von Gymnasien kamen, an der Entwicklung der Schullandschaft bezüglich der Aufnahme von jungen Asylanten. „Schade, dass heute keine Vertreter der Realschule anwesend sind. Denn dort werden die meisten Flüchtlinge im Unterricht ,geparkt’, was wir bedauern. Wir finden, die Gymnasien könnten mehr Flüchtlinge in den Klassen verkraften, weil wir uns um jeden Einzelnen kümmern würden“, betonten Schülervertreter des KRG. Im Mittelpunkt standen Überlegungen, wie man in den jeweiligen Schulen eine Erhöhung der Quote bei der Aufnahme der Asylanten erreichen könnte. Dietmar Walter, der als Kommunalpolitiker der SPD, „aber völlig überparteilich“, bei dem Treffen war, informierte, dass die Verteilung der jugendlichen Flüchtlinge auf die Schulen bestimmten organisatorischen und inhaltlichen Zwängen unterliege und dass hier zunächst die übergeordneten Behörden gefragt seien, nicht die einzelnen Schulen. Die Organisatoren wollen jetzt auch Jugendvertreter aller örtlichen Parteien zum nächsten Treffen einladen und noch stärker Werbung machen, um weitere Jugendliche auch der Realschulen plus und der Schubertschule zu erreichen. „Ziel ist eine möglichst breite Altersstruktur, damit auch nach dem Schulabschluss immer wieder Personen dabei sind, die sich über die Organisation und unsere Ziele auskennen“, betonte Felder. Der Termin für das nächste Treffen wurde auf Donnerstag, 1. Dezember, 19 Uhr, wieder in der „Bürgerecke“ festgelegt. |kle

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