Bundestagswahl
Johannes Steiniger: Abschalten am heimischen Herd
An den 24. September 2013 erinnert sich Johannes Steiniger noch gut. Es war sein erster Arbeitstag als Abgeordneter: „Ich bin mit Norbert Schindler zur ersten Fraktionssitzung nach Berlin geflogen. Das war schon aufregend, ein bisschen wie der erste Tag an der Uni.“ Damals war er als Landesvorsitzender der Jungen Union über die Landesliste ins Parlament gekommen, vier Jahre später holte er das Direktmandat. Der 34-Jährige zählt zwar immer noch zu den jungen Abgeordneten, ist aber an seinen Aufgaben in Berlin gewachsen: höflich, gewinnend, klar, streitbar in seinen Ansichten, doch stets professionell.
Dabei wollte Steiniger eigentlich Gymnasiallehrer werden, hat parallel zu seinen ersten Jahren im Bundestag nach abgeschlossenem Mathematik- und Politikstudium noch sein Referendariat absolviert. „Natürlich kann ich mir vorstellen, an einer Schule zu unterrichten. Ich werde mit Sicherheit keine 40 Jahre im Bundestag sitzen“, betont er.
Tätigkeit auf Zeit
Politiker sei für ihn kein Beruf, sondern vielmehr eine Tätigkeit auf Zeit. „Die durchschnittliche Verweildauer eines Abgeordneten im Bundestag beträgt acht Jahre, pro Legislatur wird ein Drittel der Abgeordneten ausgetauscht“, erklärt Steiniger, der kommunalpolitisch im Dürkheimer Stadtrat und im Kreistag Bad Dürkheim sitzt.
Daran, dass er gerne noch länger in Berlin bleiben würde, lässt er aber keinen Zweifel. Etwa, wenn er über seine Arbeit im Finanzausschuss berichtet. Als Mathematiklehrer habe er naturgemäß einen Bezug zu Zahlen. Vor allem sei der Finanzausschuss aber ein Ort, an dem „weniger gequatscht“ und stattdessen Gesetze beraten würden, die das Leben der Menschen änderten. Der direkte Kontakt mit den Leuten sei es auch, der ihm wegen der Pandemie gefehlt habe.
Gern Bolognese-Soße
Mehr als die Hälfte des Jahres verbringt er in der Pfalz, suchte auf Weinfesten oder in Pfälzerwald-Verein-Hütten den Kontakt mit den Wählern, ehe Corona das unmöglich machte. Allerdings dürfe man auch die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation etwa über Facebook oder Instagram nicht unterschätzen, sagt der Dürkheimer. Sein Smartphone schaltet Steiniger nur selten aus. Dennoch gelinge es ihm gut, vom Politikbetrieb abzuschalten: etwa beim Kochen eines Riesentopfs Bolognese-Soße, beim Lesen oder Radfahren.
In der Diskussion um den Kanzlerkandidaten der Union hat sich Steiniger zunächst für Friedrich Merz und später für Markus Söder ausgesprochen – das sagt viel darüber aus, wo er innerhalb der CDU steht. Mit Norbert Schindler, dem langjährigen Abgeordneten aus Bobenheim am Berg, telefoniert er regelmäßig.
Eher konservativ
Sich selbst sieht Steiniger im konservativen Lager der Union, mit Tendenz zur Mitte. Wichtig sei ihm etwa das Thema Sicherheit und die Wertschätzung für Rettungskräfte. Im Kampf gegen die Klimakrise müsse Deutschland eine Vorreiterrolle übernehmen. „Wir müssen den Beweis antreten, dass es möglich ist, klimaneutral zu werden und Industrieland zu bleiben. Nur dann werden andere Staaten dem Beispiel folgen“, betont Steiniger.
Finanzpolitisch ist er ein Verfechter der schwarzen Null: „Das Geld, das wir ausgeben, muss erst verdient werden.“ Das schließt aber ein soziales Denken nicht aus. „Innerhalb einer Gesellschaft muss ein Bewusstsein dafür bestehen, dass es Menschen gibt, denen es nicht so gut geht“, sagt der CDU-Mann, der Vorsitzender der Dürkheimer Lebenshilfe-Stiftung ist und als Vorsitzender des Freundes- und Förderkreises Omega aktiv Hospiz- und Palliativarbeit unterstützt. Steiniger war in die Fußstapfen seines 2015 verstorbenen Vaters getreten, als es darum ging, die Pläne für das Dürkheimer Hospiz umzusetzen. 2019 eröffnete das Haus.
Wer ist ein Vorbild?
Geprägt habe ihn auch die Zeit als Fußballer und Jugendtrainer seines Heimatvereins Rot-Weiss Seebach. Noch heute nennt er seinen früheren Jugendtrainer Volker Renz ein „Vorbild, weil er das Ehrenamt par excellence“ lebt. Im Sport habe er gelernt, was Teamgeist bedeute – und dass es zuweilen hart zur Sache gehen kann. Wie in der Politik auch.
Johannes Steiniger kurz gefragt:
Wenn ich das Mandat gewinne, werde ich zuerst ...:
... meinen vielen Unterstützern bei einer Rieslingschorle danken und mich dann wieder an die Arbeit machen.
Ich würde mich gerne mal zum Abendessen treffen mit ...:
... Harald Schmidt
Mein Berufswunsch als Kind ...:
... war Sportreporter
Mein liebstes Urlaubsziel ...:
... ist Südtirol
Die Pandemie hat mich gelehrt, dass ...:
... wir eine bessere Krisenvorsorge brauchen und solide Finanzen die Grundlage für die Bekämpfung von Krisen sind.
Die Serie
Zehn Kandidaten bewerben sich am 26. September im Bundestagswahlkreis Neustadt-Speyer, der die beiden kreisfreien Städte, den Kreis Bad Dürkheim und Teile des Rhein-Pfalz-Kreises umfasst, um das Direktmandat. Die RHEINPFALZ stellt sie vor.