Neustadt „Jetzt ist einfach Attacke angesagt“

Hassloch. Am Sonntag ab 15 Uhr fällt die Entscheidung, welche Kegel-Frauenmannschaft der Regionalliga in die Zweite Bundesliga aufsteigt: die Post SG Kaiserslautern oder die TSG Haßloch. Das Spiel wird auf den Bahnen in Großkarlbach ausgetragen. „Jetzt ist einfach Attacke angesagt“, betont TSG-Trainerin Christa Schmitt.
„Das sind Bahnen, auf denen wir in der Liga nicht gespielt haben – für beide Mannschaften sind es fremde Bahnen“, betonen die Haßlocherinnen. Denn wie entscheidend ein Heimvorteil ist, haben sie vor einer Woche im allerletzten Ligaspiel bei besagter SG Kaiserslautern erfahren. Hätte Haßloch gewonnen, wäre der Zweitliga-Aufstieg bereits gesichert, das Relegationsspiel überflüssig. Doch unterlag der Spitzenreiter aus Haßloch in der Westpfalz mit 2570:2690. Nun sind beide Teams punktgleich an der Tabellenspitze. „Die Lauterer haben auf ihren Heimbahnen gespielt – die wissen genau, wie sie dort werfen müssen“, erklärt Christa Schmitt. Im Hinspiel hatte Haßloch im eigenen TSG-Sportzentrum mit 83 Holz die Nase vorn. „Die Lauterer hatten allerdings auch die besseren Nerven“, gibt Jutta Uhrich nach dem verlorenen Rückspiel zu. „Die waren auf die Vollen und im Abräumen stärker, die waren in allem überlegen.“ Die „Vollen“ bedeutet, dass der Kegler 25-mal auf alle neun Hölzer wirft. Beim Abräumen bleibt stehen, was der Kegler vorher nicht abgeräumt, also umgeworfen hat. Auch hier gibt’s 25 Würfe. Dann geht’s auf die zweite Bahn, auf der die zweimal 25 Wurf wiederholt werden. Das TSG-Regionalliga-Team hatte sich den Aufstieg als Saisonziel gesetzt. Doch stehen die Haßlocherinnen noch aus einem ganz anderen Grund unter Leistungsdruck: Die Zweite Frauenmannschaft ist Meister der Landesliga. Sie kann aber nur in die Regionalliga aufsteigen, wenn die TSG Haßloch I von dort in die 2. Liga klettert. „Die Zweite wartet, dass die Erste aufsteigt“, weiß Jutta Uhrich. Sechs Keglerinnen plus zwei Ersatzspielerinnen treten maximal pro Team an. Immer eine Spielerin der eigenen Mannschaft und des Gegners kegeln gegeneinander. „Du darfst dich nicht ablenken lassen von dem auf der anderen Bahn“, erzählt Regina Reiland. Zumal jeder für 50 Wurf nur 20 Minuten Zeit hat. „Wenn die Zeit herum ist und man hätte noch fünf Wurf, geht nichts mehr.“ Dass der Gegner mit Absicht versuche, einen aus dem Konzept zu bringen, komme selten vor, sagt Anita Reichenbach. Dass der Gegner beispielsweise gerade die Kugel hole, wenn man selbst zum Wurf anlaufe, wäre ein unfaires Verhalten. Die Spieler selbst dürfen auf der Bahn nicht reden. Dem Betreuer, der hinter der Bahn auf einem Stuhl sitze, sei es aber erlaubt, Ratschläge geben. „Die Mannschaftskollegen dürfen etwas zurufen, aber der Spieler darf nicht antworten“, erklären die Haßlocherinnen einige Wettkampfregeln. Reichenbach schränkt allerdings ein: „Aber genau genommen darf der Schiedsrichter die Betreuung aus der zweiten Reihe unterbinden.“ Sportwartin Bianca Gerbes nennt vor jedem Wettkampf Mannschaftsführerin Tanja Röther acht Spielerinnen. Röther stellt daraus die Mannschaft auf mit einem Start-, Mittel- und Schlusspaar. „Das Schlusspaar braucht gute Nerven, wenn der Spielstand knapp ist“, weiß sie. Im TSG-Team stünden Stefanie Gebhard und Gabi Kleinod „im Prinzip“ als Schlusspaar fest. Röther: „Die sind beide sehr ruhig.“ Und Gebhard führt zudem die Liste der Topspielerinnen in dieser Saison mit einem Gesamtschnitt von 447,3 Holz aus 16 Begegnungen an. Kleinod nimmt als zweitbeste Haßlocherin Platz neun mit 431,6 Holz ein. Dass Stefanie Gebhard auch noch Kampfgeist hat, hat sie bei der Niederlage in Kaiserslautern gezeigt. Dort rutschte sie beim fünften Wurf aus, fiel auf Knie und Arm. „Sie hat fünf Minuten Verletzungspause bekommen, hat dann weitergemacht und das beste Haßlocher Ergebnis gespielt“, erzählt Jutta Uhrich. Das Knie ist nun komplett blau und grün. Die TSG-Keglerinnen sind zwischen 14 und 65 Jahre alt. „Es gibt Kegler in der Runde, die um die 70 sind“, berichtet Anita Reichenbach. Man sei nie zu alt, mit Kegeln zu beginnen. TSG-Nesthäkchen ist die 14-jährige Saskia Uhrich. Sie gehört dem U18-B-Nationalkader an. Im Juni tritt sie als Gastspielerin für Dellfeld in Lampertheim bei der deutschen Mannschaftsmeisterschaft an. Für die nationalen Einzelmeisterschaften müsse sie sich noch bei den Landesmeisterschaften qualifizieren, erzählt sie. Sie hat die jüngsten drei Spiele bei der TSG I mitgemacht, „weil sie so gute Ergebnisse in der Zweiten Mannschaft hatte“, betont Christa Schmitt. Am Sonntag, erzählt Saskia Uhrich, hoffe sie, „dass die Spielerinnen der Zweiten Mannschaften mit nach Großkarlbach fahren“. Mit dabei ist auf jeden Fall Stefanie Gebhard, trotz der Knieverletzung. Ein gutes Omen. „Stefanie kegelt immer am besten, wenn sie was hat“, sagt Anita Reichenbach schmunzelnd. (sab)