Ebertsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Jazzsommer: Auftakt nach Maß mit dem Duo Voltige

In direktem Austausch: Kerstin Haberecht und Lukas Roos.
In direktem Austausch: Kerstin Haberecht und Lukas Roos.

Was für ein Auftakt: Im ausverkauften Klangraum 21 hat das Duo Voltige ein Konzert gegeben, das gleichzeitig intime Kammermusik und freie Jazz-Expedition war.

Das Duo von Saxofonistin Kerstin Haberecht und Gitarrist Lukas Roos steht für eine Musik zwischen erzählender Melodik und klanglicher Offenheit. Die Künstler, die einander beim Jazzstudium in Mainz begegnet sind und seit acht Jahren zusammenspielen, hatten Stücke ihres Debütalbums „Maiden Flight“ (Jungfernflug) dabei. Darin loten sie eine Klangsprache aus, die sowohl jazztypische Interaktion als auch suggestive Inszenierung von Stimmungen und Farben kennt.

Ganz entspannt – und frei von Schlagzeug und Bass – setzte das Duo zu seinem musikalischen Jungfernflug an und bewies einen geschärften Blick für Details. Lukas Roos’ Gitarre, zwischen lyrischen Linien, jazzigen Akkord-Figurationen und dezenten rockigen Koloraturen changierend, fand in Kerstin Haberechts warmem, artikuliertem Alt-Saxofon eine kongeniale Partnerin. Die beiden komponieren abwechselnd einzeln („Further Notes“ von Roos), gemeinsam („Danse de Prisoniers“) oder wechselseitig, im Ping-Pong-Verfahren. Gekoppelte Loopstations dienten nicht als bloße Effektschicht, sondern als „dritte Stimme“ im Duo: Rhythmische Pattern, wiederkehrende Motive und atmosphärische Flächen legten einen Teppich, auf dem sich melodische Figuren organisch entwickelten. Besonders in Stücken wie „Life Outside“ – eine Roos-Komposition – und „Notre Beau Soleil Intérieur“ von Haberecht geriet dieser Dialog zu einer Art musikalischem Spaziergang zwischen Impressionismus und swingender Poesie.

Zwischen Pfalz und Paris

Und dann jene zarten Momente, in denen das Duo an französischen Jazz und Chanson erinnerte – etwa in „Merci Beaucoup“, das mehr Ballade als Bekenntnis ist: ein warmes, fast gesungenes Alt-Saxofon, ein Gitarrenbogen, der sich wie ein Versprechen in den Raum legt. In solchen Passagen schien es, als ob Voltige jenen jazzigen „Savoir-vivre“ atmet, der in europäischen Klanglandschaften zwischen Paris und Pfalz gleichermaßen zu Hause ist. Zwischendurch gab es freie Versionen klassischer Jazzstandards wie „A Taste of honey“ (nach Jim Hall und Paul Desmond), in Bebop übersetzten französischen Jazz sowie ein zu einer Lukas-Roos-Melodie in bester Latin-Tradition groovendes Saxofon.

Konzertabende wie dieser leben vom sichtbaren Wagnis der Musiker. Ohne Schlagzeug, ohne Bass, stehen Haberecht und Roos in direktem Austausch – und genau diese Verletzbarkeit macht ihre Musik so fesselnd. In den leisen Momenten spricht sie von Nähe, in den gespannten von Aufbruch und Neugier. Die Loops, klug arrangiert, verdichten das klangliche Spektrum, ohne den Moment der Improvisation zu ersticken.

Drei Konzerte beim Jazzsommer

So endete der erste Abend des Ebertsheimer Jazz-Sommers im Bewusstsein, dass das Duo Voltige mit seinem „Maiden Flight“ nicht nur ein Album präsentierte, sondern ein Repertoire, das live in überraschende Richtungen fliegt – melodisch, atmosphärisch, stets im Dialog. Ihre Zugabe, eine zärtlich versonnene Interpretation des Zwanziger-Jahre-Schlagers „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines Stückchen Glück“, war eine Reverenz an das aktuelle Kultursommermotto „Die goldenen Zwanziger. Es war ein Auftakt, der in Erinnerung bleiben wird.

Mit dem Ebertsheimer Jazz-Sommer biete die Kulturinitiative Alte Papierfabrik, gefördert durch den Kultursommer Rheinland-Pfalz, bereits im sechsten Jahr „nachhaltige Kultur, die Bestand hat“ , sagte der Ortsbürgermeister Bernd Findt. Der Abend war Start einer dreiteiligen Reihe, die am Tag darauf von einer Matinee mit Broadway-Classics fortgeführt wurde. Zum Abschluss am Samstag, 13. Juni, gibt es an gleicher Stelle ein Konzert mit der vierköpfigen Jazz-Formation Onto.

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