Neustadt Jawort in drei Sprachen

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Eine Trauung der nicht alltäglichen Art ging am Dienstag im Neustadter Standesamt über die Bühne. Mit Unterstützung von drei Dolmetschern gaben sich eine junge Albanerin und ein junger Syrer das Ja-Wort. Die interkulturelle Hochzeit wurde anschließend im „Casi“ gefeiert.

Fremdländische Klänge in ohrenbetäubender Lautstärke empfangen die Besucher am Dienstagnachmittag schon am Eingang des Casimirianums. Eine Reihe tanzender Männer bewegt sich rhythmisch in der Saalmitte zu traditionellen syrisch-kurdischen Melodien. Sie gehören zur Hochzeitsgesellschaft von Suela Amuli und Abdulaziz Othman. Ein Büffet aus hauptsächlich süßen syrisch-kurdischen Spezialitäten, von den Gästen bestückt, lädt zum Probieren ein. Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer gratuliert dem Brautpaar im Namen der Stadt mit Blumen. Die Trauung hat kurz zuvor stattgefunden – begleitet von Dolmetschern für Deutsch, Albanisch und Syrisch. Die Albanerin Suela Amuli und der Syrer Abdulaziz Othman hatten sich im Flüchtlingsheim in Haardt kennen- und lieben gelernt. Und diese Liebe half, viele Hindernisse zu überwinden, wozu aber auch der Neustadter Arbeitskreis Humanitäre Hilfe für Asylbewerber sein Scherflein beitrug. Außerdem organisierte er die Feier im Casimirianum, weil eine solche Feier nun mal zu einer Hochzeit gehört, wie Ulrike Gauglitz sagt. Mit ihren Eltern und Geschwistern war Suela Amuli Ende 2014 aus Albanien nach Neustadt gekommen. Gleich am ersten Abend in Haardt lernte sie ihren künftigen Ehemann kennen. „Als wir ankamen, hatten wir ja nichts, und ich klopfte an die Tür von Abdulaziz’ Zimmer gegenüber, um nach Geschirr zu fragen und wie wir uns etwas zu essen machen können“, erzählt die Braut. Abdulaziz und sein Mitbewohner Ali Mousa boten den Neuankömmlingen zu essen an und so entwickelte sich in den Tagen danach eine Art interkulturelles kulinarisches Geben und Nehmen. Auch als beide nicht mehr Tür an Tür wohnten, sondern sie in der Amalien- und er in der Landauer Straße, sahen sie sich häufig. Zum Beispiel in der von Flüchtlingen gegründeten Theatergruppe. Beide lernten Deutsch, um sich verständigen zu können. Schon bald waren sie sich sicher, dass sie ihren künftigen Lebensweg gemeinsam gehen wollen. „Da habe ich, wie es in unserer Kultur üblich ist, bei ihren Eltern um Suelas Hand angehalten und war froh, dass sie einverstanden waren“ erzählt der 25-jährige Bräutigam. Dann begann allerdings der Kampf mit Behörden und Botschaften, um die für eine Eheschließung in Deutschland erforderlichen Papiere zu beschaffen. Nur der glückliche Zufall, dass ein Neustadter Gastronom gerade aus familiären Gründen in die albanische Hauptstadt Tirana flog und dort bei der deutschen Botschaft das letzte erforderliche Dokument besorgen und mitbringen konnte, machte es möglich, dass die standesamtliche Trauung am Dienstag stattfand. Eine religiöse Hochzeitszeremonie in muslimischer Tradition war schon im Sommer in der Gemeinschaftsunterkunft in Haardt vorausgegangen. Als Albanerin hat Suela Amuli nahezu keine Chance auf Anerkennung als Flüchtling oder Asylant. Um nicht ausgewiesen zu werden, was eine dreijährige Wiedereinreisesperre mit sich bringen würde, wird sie wohl in absehbarer Zeit freiwillig in ihre Heimat zurückkehren. Sie geht in der Hoffnung, dass dadurch eine Familienzusammenführung mit ihrem Ehemann, der als Flüchtling anerkannt ist, gelingen wird.

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