Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Jahn Kemper, 13 Jahre: Auf dem Weg zum Profi

Jahn Kemper verfolgt seinen Berufswunsch zum Profi-Musiker.
Jahn Kemper verfolgt seinen Berufswunsch zum Profi-Musiker.

Der erst 13-jährige Jahn Kemper gab im „Theater in der Kurve“ ein Konzert mit selbst komponierten Liedern und eigenen Texten. Sogar die Vermarktung übernimmt er selbst: neben CDs, produziert im eigenen Home-Studio, vertreibt er Merchandising Produkte.

Jahn – das ist sein Künstlername, benannt nach der Straße in der er in St. Martin wohnt, sein richtiger Name ist Simon, verfolgt zielstrebig seinen Weg Profi-Musiker zu werden. Er möchte in Mannheim an der Pop-Akademie studieren.

Eigentlich könnte man meinen er „spielt“ bereits Pop-Star: Er befindet sich auf „Luna-Tournee“, benannt nach seiner CD und seinem Lieblingslied, vertreibt Merchandising Produkte in Form eines T-Shirts, wirbt für sich im eigenen Youtube Kanal sowie auf Instagram, Spotify und auf seiner Homepage. Auch das Spiel mit dem Publikum beherrscht der sympathische Junge mit dem verträumten Blick. Er animiert die Zuschauer mitzuklatschen, bittet um Verzeihung, dass er nun seinen „alten Song“, damit meint er zwei Jahre, zum letzten Mal spielt – da er nicht mehr so hoch komme – er befinde sich gerade im Stimmbruch.

Melancholische Texte

Berührend sein Live-Überraschungs-Anruf bei einer Freundin, die gerade Geburtstag hat. Ihr wollte er zum Geburtstag gratulieren – aus dem Konzertraum. Leider nahm sie das Telefon nicht ab, die Zuschauer sangen dann auf Anrufbeantworter Happy Birthday. Mutig, so eine Live-Schalte. Neben dieser Coolness, wirkt er dennoch zerbrechlich, schüchtern, zart – und für sein Alter ernst.

Die Texte seiner Songs sind durchweg melancholisch. Sie tragen Titel wie „Nachdenken“, „Zerbrochen“, „letzter Pfad“, „schwarze Sterne“. Die Stimme ist zwar tief, aber auch sanft, der Gesang geht Richtung Sprechgesang. Aber nicht rhythmisch, auch nicht kämpferisch, sondern verträumt-traurig wehklagend. Die Gitarren – er spielt drei verschiedene – sind überlaut, ganz so als wollte er sich hinter ihnen verstecken. Das macht die Texte schwer verständlich, prägt seinen Stil und unterstreicht die Stimmung.

Lieder von einer zerbrechlichen Welt

Ernst, überhaupt nicht verspielt jugendlich ist auch seine Message: er empfindet die Welt als zerbrechlich, daher seine tiefsinnigen, manchmal auch rätselhaften Texte, die „einfach so aus ihm herauskommen“. Er denkt in Tönen, und textet dann dazu. Hoffnungslos sei er aber nicht, angesprochen auf das Thema „Klima-Angst“, das viele Jugendliche seiner „Generation Z“ bewegt und durchaus manche mutlos macht. Das Melancholische sei „einfach so“ eine Stimmung, die in ihm sei.

Das junge Alter ist auch Gespräch im Publikum. Eine Zuschauerin beneidet ihn, dass er oder seine Generation nicht mehr eine Anti-Haltung gegen die Eltern einnehmen müsse, sondern von ihnen unterstützt werde. Sie bestärkt Simon im Gespräch mit ihm seinen eigenen Weg zu gehen, umzusetzen, was in ihm stecke und nannte als Beispiel ihren Neffen, der auch in Tönen dachte, und nun tatsächlich an der Popakademie studiert habe und Produzent sei. Beeindruckend findet sie, dass Simon bereits einen eigenen Stil entwickelt habe, den er sich bewahren solle. Er müsse sich nicht am Musikgeschmack seiner Mitschüler orientieren, der eher Richtung Hip Hop ginge. Tatsächlich arbeitet er bereits hart an seiner Entwicklung: er hat Geigen-, Gitarren-, Gesangs- und Caronne-Unterricht, von jeweils einem Lehrer. Fast täglich nimmt er Unterricht, daneben übt er.

Wunsch nach eigener Band

In die Bedienung seiner Loop Station hat er sich selbst eingearbeitet. Diese ermöglicht ihm, auch seine eigene Band zu sein. Wobei er sich perspektivisch vorstellen kann, eine reale Band zu haben, besonders ein Schlagzeug sei sinnvoll. Das spielt er momentan noch in seinem neusten Song mittels der Loop Station ein.

Simon ist zu wünschen, dass er auf seinem Weg erfolgreich sein wird – und dass er ein Stück weit seine Melancholie überwindet. Man wünscht sich ja irgendwie doch, dass die Jugend unbeschwert und glücklich ist, sich überschwänglich auslebt. Dennoch ist es eine Stärke, dieses Gefühl ausdrücken zu können. Es gibt großartige Musiker, die von tiefer Traurigkeit geprägt sind – und etwas an ihn erinnern, wie Leonard Cohen, Thom Yorke mit „Suspirium“, Nick Brakes „Pink Moon“ oder Elliott Smith. Jahn selbst hat Månesquin zum Vorbild. Da er noch in der Entwicklung ist, was Stil, Stimme und Persönlichkeit angeht, darf man gespannt sein. Die nötige Unterstützung hat er: seine Eltern, sein Geigen-, Gitarren- und Caronnelehrer, sie alle waren am Abend anwesend.

Info:

Jahnkemper.com

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