Neustadt Jünger und auf neuen Pfaden

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Neustadt. „Wir werden jünger, und wir entwickeln die Spielorte weiter, die wir in diesem Jahr eingeführt haben“ – so umschreibt der Kulturdezernent und Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer (CDU) das Konzept für die städtische Kulturpolitik 2016 in Neustadt. In diesen Kontext passen auch seine Aussagen zu einem denkbaren Jugendkulturzentrum in der ehemaligen Bahnhofskantine, die er jetzt präzisierte.

Auch die finanziell und logistisch anspruchsvollste Sonderveranstaltung des Jahres richtet sich an die Jugend: das Jugendkulturfestival „Querfälltein“, das im Mai 2016 im Herrenhof stattfinden soll (wir berichteten). Allein die Technik für das große Open-Air-Konzert der Staatsphilharmonie und der Teilnehmer des Meisterstreicherkurses werde rund 10.000 Euro kosten, so Röthlingshöfer. Zum zweiten Teil seiner Analyse wiederum passt das Open-Air-Event, das im August in der Wallgasse geplant ist und das an die diesjährige „Kultur am Bach“ anknüpfen soll, auch wenn es mit Sicherheit nicht deren Dimensionen erreichen werde. Auch die „Sonderveranstaltungen mit gehobener moderner Musik“ im Mußbacher „Metallwerk“ sollen fortgesetzt werden. Anknüpfend an die Premiere Anfang Dezember mit Kosho plane man für 2016 zwei weitere Konzerte – eines im Frühjahr vor und eines im Herbst nach der Weinfest-Saison. Weiter gepflegt werden solle auch das Label „Neustadter Kultursommer“, das von Vereinen und anderen Veranstaltern sehr gut angenommen werde, so der Bürgermeister. Die Stadt selbst plant in diesem Rahmen zwei eigene Konzerte im Park der Villa Böhm: eine kubanische Nacht mit der von Bad Dürkheim aus gemanagten „Grupo Andaré“ am 15. Juli und das „Palatia Jazz“-Konzert am 16. Juli. Ein großes Projekt, das aber noch ein gutes Stück davon entfernt ist, spruchreif zu sein, ist nach Röthlingshöfers Worten der Aufbau eines städtischen Jugendkulturzentrums in der ehemaligen Bahnhofskantine. Die Idee knüpfe an das Konzept der selbstverwalteten Kulturzentren der 80er Jahre an und sei bei vielen Vertretern der jungen regionalen Kulturszene auf großes Interesse gestoßen. Bevor man aber ans Konzepte-Machen gehen könne, müsse erst einmal die städtische Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) wie geplant zum Kauf des Gebäudes schreiten. Fortschritte gibt es nach Röthlingshöfers Worten auch beim Bestreben, Neustadts NS-Vergangenheit wissenschaftlich fundiert aufzuarbeiten. Hierzu sei Ende Januar/Anfang Februar ein Workshop mit namhaften externen Experten und historisch interessanten Kräften aus Neustadt geplant, bei dem man ergebnisoffen über die beste Vorgehensweise beraten wolle. Unabhängig davon sei bereits ein Honorarauftrag zur Verschlagwortung der lokalen Pressebestände des Stadtarchivs aus der Zeit 1925 bis 1945 erteilt worden. Dies gilt als wichtige Voraussetzung, um die Aufarbeitung dieses dunklen Teils der Stadtgeschichte voranzubringen. Pläne gibt es schließlich auch für die Stadtbücherei, die, wie berichtet, gerne ihr Engagement in der Leseförderung weiter ausbauen sowie Bücherkisten für Flüchtlinge in den jeweiligen Landessprachen zusammenstellen möchte. Dies setze aber auch eine personelle Aufstockung voraus, so Röthlingshöfer. Die Rede ist von zwei Viertelstellen. Ob es dazu kommt, entscheidet der Stadtrat schon heute Abend in der letzten Sitzung des Jahres. Ein wesentlicher Bestandteil der städtischen Kultur sind natürlich auch die drei Abo-Reihen im Saalbau. Hier freue er sich persönlich besonders auf die Stücke „Terror“ von Ferdinand von Schirach und „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, eine Adaption des Bestsellers von Jonas Jonasson, die am 25. Oktober und 17. November in der Schauspiel-Reihe zu sehen sind, sagt der Kulturdezernent. (hpö)

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