Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Interview mit Gartenschau-Geschäftsführern: Positive Stimmung in Neustadt

Von der Dachterrasse ihrer derzeitigen Geschäftsstelle in der Lindenstraße haben die Geschäftsführer der Landesgartenschau-Gesel
Von der Dachterrasse ihrer derzeitigen Geschäftsstelle in der Lindenstraße haben die Geschäftsführer der Landesgartenschau-Gesellschaft, Anne Pieper und Tobias Dreher, nicht nur einen tollen Blick über Neustadt. Sie können auch das Herzstück der Gartenschau sehen, den alten Deponieberg, der auf unserem Foto zwischen den Kirchtürmen wohl nur zu erahnen ist.

In wenigen Wochen beginnen die Bauarbeiten für die Landesgartenschau 2027. Die Geschäftsführer Anne Pieper und Tobias Dreher berichten im Gespräch mit Stefan Fischer, wie sie die Neustadter darüber auf dem Laufenden halten wollen und was in Neustadt anders ist als bei anderen Gartenschau-Projekten.

Frau Pieper, Herr Dreher, Anfang des Jahres sagten Sie, dass Zeitdruck zu einem Projekt wie der Landesgartenschau dazugehöre. Wie ist es mittlerweile? Ist der Zeitdruck schlimmer geworden?
Pieper: Ich glaube, er ist realer geworden, aber nicht beunruhigend. Wir beide haben in den vergangenen zehn Jahren vergleichbare Projekte gehabt und kennen uns mit engen Zeitplänen aus. Es ist alles so, wie es sein soll.

Dreher: Wir kommen natürlich dem Ziel näher, und das kommt bei vielen anderen an, die Fragen stellen, wann dies und das gemacht wird. Bei der Stadtverwaltung, dem Stadtrat und unserem Aufsichtsrat rückt die Landesgartenschau immer stärker ins Bewusstsein. Das ist gut und für das Projekt förderlich.

Sie haben einige öffentliche Präsentationen und Führungen übers Gelände gemacht. Wie reagieren die Leute da auf die Pläne?
Pieper: Ich finde es wirklich immer noch erstaunlich, wie durchweg positiv die Rückmeldungen sind. Bei Führungen mit 80 Leuten haben nur sehr wenige kritische Fragen gestellt. Wir bekommen ein ungewöhnlich positives Feedback, was total schön ist – und total wertschätzend der Planung gegenüber.

Dreher: Das ist man nicht unbedingt gewohnt. Bei solchen Großprojekten gibt es normalerweise immer die Unkenrufe, und es gibt immer Kritik, die oft auch berechtigt ist. Man merkt aber, dass es in der Bevölkerung in Neustadt ein starkes Bedürfnis nach einer Entwicklung gibt – und die Landesgartenschau als solche wahrgenommen und positiv begleitet wird.

Wobei manche Vorstellung von der Landesgartenschau wohl nicht zutreffend ist. Bei einer Präsentation sagten Sie, Herr Dreher, man dürfe sich das nicht wie den Mannheimer Luisenpark vorstellen. Wie sollen wir uns die LGS denn vorstellen?
Dreher: Jede Zeit hat ihre Herausforderungen, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Beim Luisenpark ging es damals in der Nachkriegszeit, der Wiederaufbauphase, darum, Grünanlagen in die Stadt zu bringen – zur Erholung und Freizeitnutzung. Wir haben inzwischen einen viel breiteren Aufgabenbereich, was das Grün erfüllen soll. Da gehört die Freizeitnutzung dazu, aber wir sind auch der Sicherung der natürlichen Ressourcen verpflichtet. Biodiversität und Klimaanpassung sind große Themen. Und dann stehen auch finanzielle Aspekte dahinter. Es ist so teuer geworden, Blumenbeete über das ganze Jahr zu bestücken, dass man es sich nicht mehr leisten kann und überall zurückgefahren wird. Im Luisenpark ist es erhalten geblieben, weil es ein geschlossener Park ist, für den Eintritt verlangt wird.

Bisher haben Sie bei den Führungen den bisherigen Zustand gezeigt. Wann beginnen denn die Arbeiten?
Pieper: Der symbolische Baustart ist am 23. September, die eigentliche Baustelle beginnt Anfang Oktober. Das fängt dann damit an, dass wir Gebäude beim VfL und die Verpanzerungen im Speyerbach zurückbauen. Statt normaler Führungen wird es dann Baustellenführungen geben.

Vor Kurzem wurde bekannt gegeben, dass eine dann sanierte Dr.-Welsch-Terrasse Teil der Gartenschau wird. Wie kam es dazu?
Dreher: In der Bewerbung zur Landesgartenschau war das eine flankierende Maßnahme, die die Stadt in Eigenregie umsetzen wollte. Nach dem Zuschlag haben wir die Dr.-Welsch-Terrasse aber recht schnell zu uns genommen. Das hat organisatorische und wirtschaftliche Vorteile. Aber es ist auch gut für die Landesgartenschau, weil die Terrasse nahe an der Altstadt ist. Wir haben damit eine Dependance und können eine Verbindung in die Innenstadt herstellen. Ich glaube, da lässt sich etwas Tolles draus machen. Und dann haben wir noch gedacht, dass wir durch den Aufbau einer neuen Gesellschaft die personellen Kapazitäten besser schaffen können als dies für die Stadtverwaltung möglich ist. Personalakquise in Zeiten von Fachkräftemangel ist allerdings ein bisschen ein eigenes Thema (lacht).

Gibt es da Probleme?
Pieper: Der Teamaufbau hat schon Zeit und Nerven gekostet, wobei wir jetzt ein tolles Team haben. Wir sind derzeit elf Leute in Voll- und Teilzeit. Es konnte aber nicht jede Stelle zu dem Zeitpunkt besetzt werden, zu dem wir es wollten. Wir mussten ein wenig jonglieren.

Wie weit sind Sie in Sachen Veranstaltungsprogramm zur Landesgartenschau?
Dreher: Wir haben die Veranstaltungsleitung besetzt, die werden wir im Herbst vorstellen. Dann legen wir auch mit der Organisation los. Wir planen 1500 bis 2000 Veranstaltungen, von ganz kleinen bis großen Formaten.

Frau Pieper, Sie haben vorhin gesagt, dass es Baustellenführungen geben wird. Sind weitere Veranstaltungen geplant, um die Bürger zu informieren und mitzunehmen?
Pieper: Wir werden in der kalten Jahreszeit die Reihe „Forum Landesgartenschau“ im Roxy-Kino fortsetzen – zu verschiedenen Themen. Da sich so eine Baustelle aber auch schnell verändert, kann ich mir zusätzlich Führungen in den kalten Monaten vorstellen.

Dreher: Der offizielle Baubeginn am 23. September, zu dem der Ministerpräsident und die Wirtschaftsministerin kommen, ist eine öffentliche Veranstaltung. Sie beginnt um 15 Uhr, wird dann aber auch mit einem offenen Abend verbunden, an dem wir informieren, aber auch unterhalten wollen.

Sowohl von Seiten der Kommunalpolitik wie von den Bürgern heißt es immer wieder, Neustadt solle langfristig von der Landesgartenschau profitieren. Können Sie das garantieren?
Pieper: Ohne Zweifel.

Dreher: Da stimme ich zu. Neustadt ist eine schöne Stadt, die viele Potenziale hat. Und ich glaube, dass die Landesgartenschau da vieles bewegen kann.

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