Neustadt
Interview: Ex-Biathletin Kati Wilhelm über Wein, Maikammer und ihre Karriere
Am Donnerstag eröffnet die ehemalige Biathletin Kati Wilhelm um 11 Uhr das Maifest in Maikammer. Die 42-Jährige ist eine weitere „Beute“ des umtriebigen Maikammerer Ortsbürgermeisters Karl Schäfer, der auch zum 47. Maifest ein bekanntes Gesicht als Ehrengast präsentiert.
Frau Wilhelm, was verbindet Sie denn mit Maikammer?
Eigentlich gar nichts. Aber Bürgermeister Karl Schäfer hat mich angeschrieben und eingeladen. Er hat mich dann auch mit seiner Frau in Steinbach-Hallenberg besucht, dabei haben wir alles besprochen. Es war sehr nett, dass er den Weg zu mir auf sich genommen hat, denn ich hätte es zeitlich schwer einrichten können, dass wir uns woanders treffen. Ich bin mit meiner Familie und meinem Lokal schon ziemlich eingespannt.
Sie haben ein eigenes Restaurant. Kochen Sie selbst?
Nein, in der Küche bin ich nicht, aber am Tresen, im Service oder beim Putzen.
Das kann sehr anstrengend sein. Wäre das also Ihre neue „Sportart“?
Manchmal schon, zumindest ist es mein sehr zeitintensives Hobby.
Und was machen Sie noch als „richtigen“ Sport?
Mit unseren zwei Kindern, fünf und sieben Jahre alt, gehen wir jetzt im Sommer oft Radfahren. Ansonsten komme ich neben Familie, Lokal und Vortragsterminen fast gar nicht zum Sport. Nächste Woche bin ich in Altenburg, dort werde ich als Ehrengast auch einen Volkslauf über 13 Kilometer machen. Da müsste ich jetzt auch mal noch etwas trainieren. Aber ich laufe nicht regelmäßig.
Wollen Sie als ehemalige Leistungssportlerin Ihre Kinder auch einmal beim Leistungssport sehen?
Das Wichtigste ist, dass sie Spaß haben und sich für etwas begeistern können. Meinetwegen kann es auch etwas anderes sein, vielleicht auch Musik. Es muss wirklich nicht unbedingt Leistungssport sein. Aber wir versuchen, viel mit ihnen in die Natur zu gehen und ihnen den Spaß an der Bewegung vorzuleben.
Wie sehen Sie selbst Ihre Karriere im Rückblick?
Es gab Höhen und Tiefen, das prägt einen als Mensch und als Sportler. Es macht ja auch den Leistungssport aus, dass man auch auf schlechte Ergebnisse reagiert. Sein Ziel zu verfolgen, dafür zu kämpfen. Für den Traum einer Olympiamedaille habe ich mit fast 23 Jahren sogar den Schritt vom Langlauf zum Biathlon gewagt. Meine Eltern haben mich immer unterstützt, aber sie haben mich nie zum Sport getrieben. Mein Karriereende kam dann genau zum richtigen Zeitpunkt. Mir war klar, dass nach dem Sport noch etwas anderes kommt. Ich war ja noch nicht zu alt für Familie, einen Expertenjob beim Fernsehen, oder neue Projekte.
Wissen Sie denn, was Sie genau am Mittwochabend und Donnerstag in Maikammer erwartet?
Eine gute Frage. Nein, ich weiß es noch nicht genau im Detail. Ich bin sehr spontan, ich muss das gar nicht alles im Voraus wissen. Als Gastronomin bin ich natürlich auch am Wein interessiert, auch wenn ich gestehen muss, dass wir unseren Wein wegen der räumlichen Nähe bisher aus Franken beziehen. Aber ich habe natürlich Wein aus Maikammer mitgebracht bekommen.
Zur Person
Kati Wilhelm gewann 2002 in Salt Lake City eine Goldmedaille im Sprint und wurde auch mit der Staffel Olympiasiegerin. In der Verfolgung gab es Silber. 2006 bei den Olympischen Winterspielen in Turin holte die Biathletin, deren Markenzeichen die feuerroten Haare geworden sind, Gold in der Verfolgung sowie zwei weitere Silbermedaillen im Massenstart und mit der Staffel. Vier Jahre später gab es in Vancouver noch einmal Bronze mit der Staffel. Zu ihrer Titelsammlung gehören auch fünf Weltmeistertitel sowie viele weitere Medaillen bei Weltmeisterschaften. Sie lebt im thüringischen Steinbach-Hallenberg und ist Inhaberin des Lokals „Heimatlon“. Ihre Karriere als Biathletin beendete sie 2010. Ihre ersten Olympischen Winterspiele absolvierte sie noch als Langläuferin und belegte 1998 in Nagano den fünften Platz mit der Langlauf-Staffel.