Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Internationale Schule nun Besitzerin der einstigen Weinbauschule

Petra Wriedt vom Finanzministerium überreiht Schulleiter Vjeko Kovac (rechts) den symbolischen Schlüssel für das denkmalgeschütz
Petra Wriedt vom Finanzministerium überreiht Schulleiter Vjeko Kovac (rechts) den symbolischen Schlüssel für das denkmalgeschützte Gebäude. Links Jonas Buol vom Schweizer Schulträger.

Elf Jahre lang hat sich die Internationale Schule Neustadt gedulden müssen. Jetzt gehört ihr der historische Gebäudekomplex zwischen Haardter und Maximilianstraße. Wie früher, wird der Bau wieder vollständig als Schule genutzt.

Für Petra Wriedt war die Schlüsselübergabe am Dienstagmorgen ein besonderer Termin. Die heutige Leiterin der Abteilung Landesvermögen im rheinland-pfälzischen Finanzministerium hatte vor elf Jahren ihren ersten Auswärtstermin als stellvertretende Geschäftsführerin des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) in der Internationalen Schule. Der damalige Geschäftsführer habe ihr von einem tollen historischen Gebäude mit 4000 Quadratmetern Nutzfläche vorgeschwärmt, dessen Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft sei. Und gesagt, wie toll es doch wäre, wenn dort wieder eine Schule drin wäre.

Zu dem Zeitpunkt belegte die Internationale Schule (ISN) bereits einige Räume im linken Flügel. Schon damals, 2011, habe die Privatschule gegenüber dem Land Interesse an einem Kauf bekundet, so Wriedt. Das bestätigte Jonas Buol, Mitglied der Geschäftsführung des schweizerischen Trägers SBW Haus des Lernens AG. Doch erst als die anderen Mieter draußen waren, war der Weg frei für die ISN. Bis der Vertrag dann unter Dach und Fach war, mussten jedoch noch viele Gespräche geführt werden, „auch über die normalen Bürozeiten hinaus“, erinnerte sich Buol. „Jahrelang mussten wir die Eltern vertrösten. Es war nicht leicht, ihr Vertrauen aufrechtzuerhalten, dass das mit dem Gebäude irgendwann klappen würde. Jetzt sind wir sehr stolz“, sagte Reto Ammann, Leiter der SBW Haus des Lernens AG. Man sei 2005 gekommen, um zu bleiben.

Früher Weinbauschule

„Dass das Gebäude nun uns gehört, ist ein weiteres Puzzleteil, das es uns erlaubt, unser neues pädagogisches Konzept umzusetzen“, freute sich Schulleiter Vjeko Kovac. Das „Future-Skills“-Konzept („Lernen fürs Leben“) hat Kovac mitentwickelt und setzt auf die individuelle Förderung der Schüler, unter anderem mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz. Also neueste Technik in altem Gemäuer.

Die Geschichte des Gebäudes beginnt 1890, als der zweigeschossige Hauptteil errichtet wurde. Die beiden Seitenflügel entstanden 1909 und 1927. 1910 wurde daraus die Königliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau, kurz: die Weinbauschule, die viele Jahre später nach Mußbach zog. Im Lauf der Zeit zog dort eine Kfz-Werkstatt der Polizei sowie das Weiterbildungszentrum der Generalzolldirektion ein. 2017 fand der LBB ein anderes Gebäude für die Polizei-Werkstatt. Die ISN mit Englisch als Unterrichtssprache investierte daraufhin auf eigene Kosten in den Umbau. Als der Zoll 2020 ankündigte, mit dem Weiterbildungszentrum vom mittleren Teil der alten Weinbauschule ins Telekom-Hochhaus zu ziehen, gab das den Verhandlungen laut Wriedt neuen Schwung.

Schule zahlt rund 2,8 Millionen Euro

Was nun aus dem freigewordenen Gebäudeteil sowie dem großen Gewölbekeller werde, dazu wollte sich Reto Ammann zunächst noch nicht genauer äußern: „Wir müssen das Gebäude zunächst einmal mit Architekten und Planern analysieren.“

Oberbürgermeister Marc Weigel betonte, dass die Stadt nie Zweifel daran gehabt habe, dass die Weiterentwicklung der ISN ein Glücksfall für den Bildungsstandort Neustadt sei. Die Kinder bekämen dort ein Angebot, das sich in staatlichen Einrichtungen nicht umsetzen lasse. Er lobte zudem den LBB, der sich immer auch nach den Interessen der Stadt erkundigt habe. Und verdrückt ein Tränchen über den Wechsel von Wriedt ins Finanzministerium.

Wie das Finanzministerium der RHEINPFALZ im Mai mitgeteilt hatte, hat das Land der SBW Haus des Lernens AG das Gebäude für 2,84 Millionen Euro verkauft. Den Wert habe ein Gutachter ermittelt, der Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags habe zugestimmt. An der Internationalen Schule werden Schülerinnen und Schüler aus 20 Nationen im Alter von vier bis 19 Jahren unterrichtet.

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