Neustadt Innig ineinander verflochten

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Neustadt. Die Posaunisten Eckart und Henning Wiegräbe sind regelmäßige Gäste beim Osterkonzert im Herrenhof Mußbach und sorgen immer wieder für reiche programmatische Spezialitäten und Abwechslung. Heuer gastierten die Brüder mit dem „Capricornus Ensemble Stuttgart“ und einem sehr speziellen Programm für Violinen und Posaunen aus dem Venedig des frühen 17. Jahrhundert.

Auf Spurensuche begab sich das fünfköpfige, von Henning Wiegräbe gegründete Ensemble mit seinem Programm. Ausgehend von Giovanni Gabrieli spürten die Musiker dem nach, was in den 50 Jahren danach in der venezianischen Musik sich entwickelt hat. Zusammen mit den Barockgeigerinnen Katharina Heutjer und Eva Saladin sowie Petra Marianowski, die am Orgelpositiv grundierte, musizierten die Gebrüder Wiegräbe auf ihren Barockposaunen ein erlesenes Raritätenprogramm. Kompositionen mit festen Besetzungsvorgaben waren ebenso darunter wie solche, bei denen dies freigestellt war. Die vokale Qualität dieser Canzonen und Sonaten stellten die Musiker trefflich heraus mit inniger Gesanglichkeit ihres Instrumentalspiels, mit einander zurufenden und antwortenden Linien. Feine Verzierungen brachten die beiden Geigen ins Spiel, deren silbrig zarter Klang und beweglich gestalteten Ornamente sich bestens ergänzten mit dem schlanken Ton der sehr beweglich musizierenden Posaunen. Reicher tänzerischer Elan kam in dieses Spiel hinein. Dann wiederum hörte man auch getragene Stücke wie die „Sonata à 4“ von Giovanni Battista Riccio, das einen Klagegestus mit feinen Nuancen und zarten Empfindungen entwickelte. Innig ineinander verflochtene, echoartige Imitatorik entwarfen die beiden Geigerinnen in Dario Castellos „Sonata quarta à due soprani“: Das wirkte so, als würden zwei Nymphen einander zurufen, sich necken. Bald schmachtend, bald in rasanter Virtuosität davonpreschend. Solch wunderbaren Echowirkungen standen die beiden Posaunisten nicht nach, wenngleich seriöser, mit geistlichem Hintergrund in Paolo Cimas „O sacrum convivium“ „à doi tenori in ecco“: Geschmeidige Linien entlockte Henning Wiegräbe seiner Posaune, worauf sein Bruder aus dem geöffneten Nebenraum ebenso innig antwortete. Reich an Affekten waren die meisten Werke dieses Programms, Gefühle, die man aus Madrigalen oder der Oper kennt, wurden ins Instrumentale übertragen und genauso beredt ausgekostet, als wäre es Vokalmusik. Sehnsüchtiges tönte im Wechsel mit Lustvollem wie in einer Sonata von Scarani oder voller sinnlicher Hingabe wie in Giovanni Cesares „La Fenice“. Tänzerischen Schwung und Heiterkeit erhielten diese Werke im Vortrag dieses trefflichen Ensembles, hörte man lebhaft ausgezierte Läufe, Melodien voll fein jubelnder Heiterkeit und virtuosem Vergnügen. Geschmeidig verzahnte Imitatorik vereinten die Posaunisten in der Canzona „La Diodata“ von Frescobaldi, in samtig dunklen Klang gehüllt ihre schlanken Linien, die wie am Schnürchen ineinander gelegt wurden in elastisch federndem Drive. Die Geigerin Katharina Heutjer beglückte mit Marco Uccelinis „La Luciminia contenta“ („Die zufriedene Libelle“), einem vergnüglich und fein gestalteten Virtuosenstück. Petra Marianowski spielte am Orgelpositiv die „Sonata cromatica“ von Merula, ein apartes Kleinod mit labyrinthisch schlängelnden, tanzenden Geflechten. Reizvoll ineinander gelagerte Figuren, Motive und Echos prägten auch die übrigen Ensemblestücke von Ferre, Castello, Rovetta oder Cavalli: eine Musik voller farbenreicher Virtuosität und Klangsinnlichkeit. Und auch extravagante Stücke waren dabei. Wie eine Sonate von Ferre mit überraschenden Modulationen.

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