Breitensport
Inklusiver Sportabzeichentag in Haßloch: Weitsprung nimmt meiste Zeit ein
„Richtig Spaß gemacht hat das nicht“, sagte Björn Heinz nach seinem gerade beendeten 3000-Meter-Lauf und schnaufte erst einmal durch. Trotz eines Solorennens ohne motivierende Konkurrenz absolvierte der Neustadter seine Ausdauerdisziplin für das Deutschen Sportabzeichen aber in einer sehr guten Zeit. Nicht nur deshalb fiel sein Fazit nach der Teilnahme am inklusiven Sportabzeichentag in Haßloch positiv aus: „Es war richtig cool heute.“
Angesichts der gestiegenen Temperaturen zur Mittagszeit hatten zuvor einige potenzielle Teilnehmer beider Sportabzeichen kurzfristig auf den Start im Langlauf verzichtet und werden ihre noch ausstehenden Anforderungen im Bereich Ausdauer im Schwimmen erfüllen. So neben der Inklusionslotsin Evi Weis auch der Landtagsabgeordnete Claus Schick aus Lachen-Speyerdorf. Er hatte sich kurzfristig für einer Teilnahme entschlossen und zeigte sich im 50-Meter-Lauf sowie im Hochsprung von seinen Leistungen selbst positiv überrascht. „Die Erdanziehung macht sich doch bemerkbar“, kommentierte er dagegen sein Abschneiden im Weitsprung und zog danach die Reißleine: „Die 3000 Meter schaffe ich heute nicht mehr.“
Aufwärmen mit Claudia Reidick
Zusammen mit den anderen Teilnehmern hatte er im Stadion in Haßloch eingangs am gemeinsamen Aufwärmen mit Claudia Reidick teilgenommen. Die Bronzemedaillen-Gewinnerin der Olympischen Spiele 1988 in Seoul mobilisierte die Anwärter auf das Deutsche Sportabzeichen oder Behinderten-Sportabzeichen mit gymnastischen Übungen und Laufspielen. Danach war auch die sportliche Expertise der ehemaligen Spitzen-Hürdenläuferin gefragt, als im Sprint unter den Kampfrichtern kurzfristig etwas Rätselraten über den genauen Startpunkt des 30-Meter-Laufes für Kinder aufkam. Weil am Rand der Bahn die Standorte der Hürden markiert sind, konnte die Frage mit ihrer Hilfe aber schnell geklärt werden. Hilfreiche Hinweise gab sie ebenso an anderen Stationen. „Sie hat uns gesagt, unsere behinderten Sportler sollten auf den Standweitsprung lieber verzichten und mit Anlauf springen“, erzählte die Haßlocherin Annerose Lieberknecht.
Zehn Kampfrichter
Ob ebenfalls die Tipps der vom Engagement vor allem der behinderten Kinder und Jugendlichen beeindruckten Claudia Reidick auf der Laufbahn dann auch erfolgreich umgesetzt wurden, erfuhren die Teilnehmer im Ziel unter anderem von Lothar Wildmoser. Er war neben dem Neustadter Udo Glaser als einer der zehn eingesetzten Kampfrichter mit dem Stoppen der Laufzeiten beschäftigt. „Mir hat heute sehr gut gefallen, wie sich alle Teilnehmer angestrengt haben und trotzdem erkennbar mit Spaß bei der Sache waren“, lautete das Fazit des Allgemeinmediziners aus Schopp, der in seiner langjährigen Tätigkeit öfter Kontakt mit behinderten Menschen pflegt. „Deshalb könnte ich mir durchaus eine solche Veranstaltung bei uns vorstellen. Wir haben mit dem Eichwald-Stadion einen geeigneten Austragungsort, dazu seit einiger Zeit einen Behinderten-Sportpfad und eine eigene Abteilung im SV Schopp“, kündigte er eine entsprechende Initiative in seinem Heimatort an.
Sie habe als Anregung mitgenommen, sich noch etwas stärker in die Anforderungen und Besonderheiten des Behinderten-Sportabzeichens einzuarbeiten, erklärte seine Kampfrichter-Kollegin Heike Zitzer. „Das ist doch manchmal etwas kompliziert mit diesen verschiedenen Wettkampfklassen der unterschiedlichen Behinderungen.“
Zielwerfen als Ausgleichwettbewerb
Nach den Sprints auf der Bahn hatte sich das Geschehen auf die verschiedenen Stationen verlagert, in denen die leichtathletischen Disziplinen abgelegt werden konnten. 13 Punkte sammelte im speziell im Behinderten-Sportabzeichen als Ausgleichwettbewerb angebotenen Zielwerfen Elisa Lieberknecht. Die demnächst 29-Jährige aus Haßloch strebte ihr zweites Sportabzeichen an, nachdem sie im Vorjahr in Deidesheim die Auszeichnung in Silber erreicht hatte. Wie die meisten anderen Mitglieder der wieder am stärksten vertretenen Inklusionsgruppe des LC Haßloch nahm sie anschließend auch am Weitsprung teil, der wie bei vielen Leichtathletikveranstaltungen die meiste Zeit einnahm. Geduld aufbringen musste daher auch Andreas Hartkorn aus dem Wohnhaus Böhl der Lebenshilfe Ludwigshafen, der mehrere Versuche zur Ermittlung der besten Anlauflänge benötigte. „Das Brett zu treffen, ist ganz schön schwer“, urteilte der 58-Jährige nach seinen drei Versuchen. „Das hätte ich besser machen können.“
Tonleu erobert die Herzen
Alle Anstrengungen hatte er aber schnell vergessen, als bei einem gemeinsamen Abschlusstreffen alle Teilnehmer Urkunden und Pins der deutschen Paralympic-Mannschaft erhielten. Die Ausgabe übernahm der nach seiner Anreise aus Andernach noch rechtzeitig eingetroffene deutsche Sitzvolleyball-Nationalspieler Francis Tonleu, der über seine Erlebnisse bei den Paralympics in Paris berichtete und die Herzen mit seiner offenen Art im Sturm eroberte. „Ich hätte eigentlich heute einen anderen wichtigen Termin gehabt, aber das Treffen mit euch bei dieser so wertvollen Veranstaltung war mir wichtiger“, sagte Tonleu, der abschließend noch vier Souvenirs von den Spielen in Paris verloste. Elisa Lieberknecht, Samuel Rust, Aurelie Wilhelm und Judith Berlin waren die Gewinner. Und ein Autogramm auf das gewonnene T-Shirt der deutschen Paralympic-Mannschaft machte das Glück perfekt.