Neustadt Individuelle Variationen über eine Stimmlage
«Neustadt.» „Die 12 Tenöre“ – junge Männer, die zurzeit aus Europa, Australien und Kolumbien kommen, präsentieren im zwölften Jahr des Bestehens der Formation aus immer wieder wechselnden Sängern ihre „Best of Tour“ – eine geschickt ausgewählte Zusammenstellung berühmter Melodien verschiedener Genres. Am Samstag machten sie Station im Saalbau.
„Music was my first love“ vom britischen Musiker John Miles ist ein Welthit und das am eindrucksvollsten vorgetragene Musikstück. Der Song, der davon handelt, dass Musik eine Welt voller Sorgen erträglicher macht, könnte das Motto des Abends sein, da er sowohl die augenscheinliche Musikbegeisterung der Sänger und Musiker, wie auch der Besucher des ausverkauften Saalbaus bestens darzustellen scheint. Salopp stellen sich die Sänger vor. Nicht nur dem Briten Matt wird mit seiner wunderbar vollen und ausdrucksstark klaren Stimme die Möglichkeit zum Solo gegeben. Da ergänzen sich Aran und Shane aus Großbritannien ebenso im Duett, wie der Australier Andy bei einem gefühlvollen „Perhaps love“ von einem warmen, voluminösen Backgroundchor der übrigen Sänger umschmeichelt wird. Martin und insbesondere Alexander aus Deutschland moderieren humorig-charmant zwischen den Gesängen und weisen auf den Benefizgedanken zugunsten der Deutschen Kinderhospiz und Familienstiftung (DKFS) hin, der die Künstler als Botschafter wieder Spenden weiterleiten wollen – am Ende des Abends werden 1370 Euro zusammengekommen sein. Auf der Bühne stehen zwölf Profis, die nichts dem Zufall überlassen. Sie repräsentieren zwar die gemeinsame Stimmlage „Tenor“, doch sind ihre Stimmen so unterschiedlich im Ausdruck, dass sie individuell wie Fingerabdrücke wirken. Der Expressivität eines Daniele und der Energie eines Jordan steht der italienische Schmelz eines Julian gegenüber. So kann ein vielfältiges Programm entstehen, das nicht nur Klassik in Ausschnitten mit beispielsweise dem „Torerolied“ aus der Oper Carmen oder „Nessun Dorma“ aus der Oper Turandot auf die Bühne bringt. Auch die Beatles sind mit „Yesterday“ und „Hey Jude“ zu Gast, zwölf Männer wiegen sich geschmeidig zum Michael-Jackson-Medley, und Musical-Erfolge wie „Can you feel the love tonight“ berühren die Besucherherzen. Zwar ist die Bühnenpräsenz des Paradiesvogels Freddie Mercury als Frontmann der Rockband „Queen“ unerreicht, doch mit einem Medley aus „Somebody to love“, „Don’t stop me now“ und „We are the Champions“ hält es nur noch wenige Saalbaubesucher ruhig auf ihren Sitzen. Mit Leichtigkeit entfachen die zwölf Herren, von denen mehr als einer die Kriterien eines Dressman erfüllen könnte, weitere Begeisterungsstürme. Ganze Arbeit haben auch die Musiker Matt am Keyboard und Stephen am Schlagzeug unter der Leitung von James Harrison am Piano in einer perfekten Mischung aus Gefühl und Präzision geleistet. Schließlich verabschiedet sich das Künstlerteam mit einem ruhigen „Time to say goodbye“.