Neustadt Im Wettbewerb

Das Leibniz-Gymnasium auf der Hambacher Höhe.
Das Leibniz-Gymnasium auf der Hambacher Höhe.

Schuldezernentin Waltraud Blarr ist nicht überrascht, dass es für ein Ganztagesangebot am Leibniz-Gymnasium zu wenig Anmeldungen gibt. Die Schule mache sich selbst Konkurrenz mit der flexiblen Betreuung.

Nur 23 Schüler von fünften Klassen sind für ein verpflichtendes Ganztagesangebot am Leibniz-Gymnasium ab Sommer angemeldet worden – 54 müssten es sein, um vom Land dafür unterstützt zu werden, sodass zum Beispiel von den Eltern nur noch die Essenskosten übernommen werden müssen (wir berichteten). Gleichzeitig gibt es aber auch über 20 Anmeldungen für die flexible Nachmittagsbetreuung, die von einem Förderverein organisiert wird und bei der Eltern sich die Anzahl der Betreuungstage in der Woche aussuchen können. „Ich habe dieses Ergebnis befürchtet und vergeblich versucht, im Vorfeld auf die Schule Einfluss zu nehmen“, sagt dazu Schuldezernentin Waltraud Blarr (Grüne). Es gebe eben immer Eltern und Schüler, denen die Verpflichtung, von Montag bis Donnerstag über das Schuljahr am Nachmittag anwesend sein zu müssen, nicht behage und denen auch die höheren Kosten nichts ausmachen würden. Blarr bedauert, dass es nicht gelungen sei, dass die drei Neustadter Gymnasien sich besser voneinander absetzen. „Das Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium bietet nachmittags viele Arbeitsgemeinschaften, das Käthe-Kollwitz hätte sich auf seine neue flexible Nachmittagsbetreuung konzentrieren können und das Leibniz auf das verpflichtende Ganztagesangebot in Angebotsform, also nicht verpflichtend für alle Schüler“, so Blarr. Da sie die Grundhaltung habe, nicht gegen Schulleitung und Kollegium zu agieren, müsse nun überlegt werden, wie es weitergehe. Sie werde auch noch einmal das Gespräch mit der Schulaufsicht suchen. Warum das Leibniz-Gymnasium nicht auf das freiwillige Nachmittagsangebot durch den Förderverein verzichten wollte, erklärt Schulleiter Rudolf Eyckmann. „Da das Käthe-Kollwitz-Gymnasium neu ein solches Angebot auch macht, hätten wir bestimmt bis zu 20 Schüler an diese Schule verloren. Das wollten wir einfach verhindern.“ Eyckmann bedauert, dass sich nicht mehr Schüler gemeldet haben. „An der Werbung hat es bestimmt nicht gelegen, es gab mehrere Info-Abend und wir haben die Eltern aller Grundschulen in der Umgebung angeschrieben“, so der Schulleiter. Er habe den Eindruck, dass das freiwillige Angebot, das viele Eltern ja auch von der Grundschule her kennen würden, beliebter sei. Wie es jetzt weitergehe, müsse im Kollegium besprochen werden. Die Landtagsabgeordnete Giorgina Kazungu-Haß (SPD) hat gestern angekündigt, Gespräche mit der Schule, dem Ministerium und der Schulaufsicht zu führen. „Wir dürfen jetzt noch nicht aufgeben. Es gibt noch keine Ablehnung des Antrags durch die Aufsichtsbehörde, das hat mir Staatssekretär Hans Beckmann bestätigt. Neustadt braucht ein Ganztagesgymnasium.“ Sie schlägt vor, bei den sechsten, siebten und achten Klassen des Leibniz-Gymnasiums verstärkt zu werben. Schulleiter Eyckmann betont, dies bei der heutigen fünften – und nach den Sommerferien sechsten – Jahrgangsstufe getan zu haben. In den Klassenstufen sieben und acht sehe er keinen Bedarf mehr, weil die Kinder schon viel selbstständiger seien und zu Hause alleine zu recht kämen. Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) sieht nur noch wenig Chancen, das Ganztagesangebot zum Sommer umzusetzen. Mittelfristig müsse es aber gelingen, die Profile der drei Gymnasium mehr zu differenzieren, auch um das Wettbewerbsdenken bei der Schulentwicklung zur Seite zu schieben.

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