Neustadt Im Kreislauf der Kunst

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Deidesheim. Lotte Reimers feiert morgen ihren 85. Geburtstag. Die Keramikerin hat indes nur einen Wunsch: Sie hofft, dass sich ihre gesundheitlichen Probleme reduzieren, vor allem der Schwindel, wegen dem sie in den vergangenen Wochen in stationärer Behandlung war.

Jetzt ist Reimers froh, wieder zu Hause in Deidesheim zu sein, umsorgt von guten Freunden, die aufpassen, dass sie sich Ruhe, Essen sowie Schlaf gönnt und die Hände von der Arbeit lässt. Denn an ihrem morgigen Ehrentag wird es anstrengend genug werden. Dann wird sie nicht nur geehrt, sondern auch ihre Sammlung von über 70 Objekten von 28 Künstlern offiziell dauerhaft auf Schloss Ludwigshöhe übergeben. Den Wert der Plastiken, Grafiken und Gemälde könne sie nicht beziffern. Sie habe sich immer von guter Kunst begeistern lassen und davon angetrieben die Objekte gekauft, die ihr besonders aufgefallen seien. „Wenn der Preis bezahlt war, dann war der Fall abgeschlossen“, erzählt sie. Manche Bilder hingen in ihrer Wohnung, oder in der Werkstatt, die Plastiken ergänzten in dezenter Weise ihre Einrichtung. Andere Objekte lagerte sie in Mappen und Schubladen. Jetzt ist sie froh, dass die Werke angemessenen ausgestellt werden können. Dass sie gleichzeitig noch mit dem Kunst-Ehrenpreis der „Ike und Berthold Roland-Stiftung“ ausgezeichnet werden soll, war ihr eigentlich gar nicht recht. Bescheiden wie Reimers ist, wollte sie ihr Wirken und ihre Schenkung nicht mit einer Honorierung verbunden wissen. Ihr zähes Verhandeln brachte dann einen Kompromiss. Die Ehrung, die mit 2500 Euro dotiert ist, darf als Teilfinanzierung des Ausstellungskatalogs verwendet werden. „So muss es sein. Das ist ein guter Kreislauf. Wenn solch ein Preis wieder zurück zur Kunst fließen kann“, freut sie sich. Ein bisschen graut ihr vor der Feierstunde, denn sie fürchtet, dass diese zu langen Reden genutzt werden könnte. „Ich stehe unter Beobachtung meiner zwei Freundinnen. Wenn sie merken, es wird zu viel, dann packen sie mich und fahren mich nach Hause“, erklärt Reimers. Die zarte, großgewachsene Frau möchte nicht über ihre Krankheiten sprechen. „Ich habe zu viele Baustellen“, sagt sie. Der Schwindel, der sie momentan besonders beeinträchtige, sei eine Folge davon. Daher könne sie jetzt auf keinen Fall selbst aktiv mit Ton arbeiten, bedauert Reimers. Doch sie hat für die Kunstfreunde auch eine gute Nachricht. Für die „Jahresernte“, ihre Verkaufsausstellung, die sie regelmäßig im September in ihrem Anwesen in Deidesheim präsentiert, hat sie die Arbeiten abgeschlossen. Die 43 Objekte warten nur noch darauf, dass sie fotografisch dokumentiert werden und der Katalog dazu in Druck gehen kann. „Ich bin sehr froh, dass meine Arbeiten fertig sind. Sonst wäre ich im Krankenhaus noch verrückter geworden“, erklärt sie. Reimers schafft es seit vielen Jahren immer wieder, zur Herbst-Ausstellung neue Formen, überraschende Ideen und besondere Glasuren zu schaffen. Sie experimentiert mit diversen Brenndauern im Ofen, mit verschiedenen Aschen und überlegt sich Jahr für Jahr andere Objekte. Ihre Schöpfungen sind begehrt unter den Sammlern, deren Bestreben es ist, aus jedem Jahrgang eine Form zu ergattern. So passt Reimers mit ihrer Werkstatt auch im höchsten Maße nach Deidesheim, hat doch die Keramik in dieser edlen Form so wunderbar viel gemeinsam mit kunstvoll ausgebauten Weinen von Spitzenjahrgängen und großen Weingütern. Nicht wenige der Sammler kombinieren daher ihren Besuch bei Reimers mit einer Weinprobe bei einem der vielen renommierten Winzer. Noch immer steht Reimers ein bisschen unter Schock, dass ihr Körper gestreikt hat. Aber sie überlege doch, sobald sie stabiler sei, wieder selbst Tonmasse in die Hand zu nehmen. Fast ein bisschen trotzig sagt sie: „Dann mache ich eben nur noch Miniaturen.“ Denn ihre Ärzte haben ihr immerhin bescheinigt, dass die Kunst, also ihre Arbeit, eine gewisse Therapie sei. Eine Belebung nicht nur für den Kopf, sondern auch für den Körper. Kultur

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