Neustadt Im Hintergrund singt die Nachtigall
Die üblichen Verdächtigen in Gestalt von Star, Blau- und Kohlmeise, inzwischen seltener gewordene Arten wie Rebhuhn und Rauchschwalbe, dazu ein unerwarteter, rarer Neuzugang: Eine Vogelstimmenexkursion auf der Streuobstwiese entlang der Schleit bei Meckenheim am Sonntagmorgen förderte wieder einiges Interessantes zutage.
„Wer möchte sich die Goldammer einmal näher anschauen?“, fragt Bernd Hoos mehr als einmal in die Runde. Immer wieder richtet der Mußbacher Vogelexperte sein Spektiv auf Vögel und deren Nester aus, um den 15 Teilnehmern einen besseren Blick auf die heimische Natur zu ermöglichen. Derweil Volker Platz aus Gimmeldingen auf den aus Bäumen, Gebüschen und Röhricht vielstimmig erklingenden Vogelgesang aufmerksam macht. „Das ist eine Klappergrasmücke“, erklärt er gleich zu Beginn der Exkursion, „und im Hintergrund ist eine Nachtigall zu hören.“ Die unscheinbar rostfarbene Art zählt Platz zu den Gewinnern des Klimawandels. In den vergangenen Jahren hat der Nachtigallen-Bestand in der Vorderpfalz stark zugenommen, erklärt der Ornithologe. Und tatsächlich sind während der dreistündigen Tour durchgängig am Graben mehrere Nachtigallenhähne in ihren Revieren zu hören. Zur Überraschung der Vogelkundler wird auch ein Steinschmätzer gesichtet. Der seltene Vogel kommt in Rheinland-Pfalz überwiegend an den Weinbergshängen in Rheinhessen und an der Deutschen Weinstraße, dagegen im Flachland eher weniger vor. Um für die Art auch in Meckenheim optimale Bedingungen zu schaffen, empfehlen Hoos und Platz Ortsbürgermeister Heiner Dopp und Udo Dörr von den „Aktiven Meckenheimern“ die Anlage von Gabionen für die Streuobstwiese. „Steinhaufen sind hier weniger gut geeignet, da sie nicht so scharf umgrenzt sind wie Gabionen und beim Mähen der Wiese nicht so gut gesehen werden“, befindet Hoos. „Mit Heimeldinger und Herrgottsapfel haben wir in Meckenheim zwei pfälzische Apfelsorten stehen, die bereits 1539 im `Kreutterbuch` von Hieronymus Bock erwähnt wurden“, klärt Rainer Rausch, einer der Betreuer der Meckenheimer Streuobstwiese die staunenden Teilnehmer über die gepflanzten Bäume auf. Die Erinnerung an den alten Gewannennamen „Maulbeerschleit“ hält die Gemeinde mit der Pflanzung von fünf Weißen Maulbeeren im vergangenen Jahr wach. Auf Geheiß von Kurfürst Karl Theodor mussten im 18. Jahrhundert überall Maulbeeren zur Gewinnung von Seide angepflanzt werden. Und nicht nur eine Handvoll wie 2015 in Meckenheim: Mutterstadt musste damals 10.000, Oggersheim sogar 50.000 Bäume in seiner Gemarkung setzen. Insgesamt 22 Vogelarten, von Gartenbaumläufer über Girlitz, Graureiher und Stockente bis hin zum Zilpzalp, konnten diesmal registriert werden. Geht es nach den Plänen von Udo Dörr und Heiner Dopp, könnte der Steinschmätzer schon bald zum festen Inventar der Meckenheimer Streuobstwiese gehören. (ain)