Neustadt „Im ersten Jahr muss man erst einmal unten durch“

Placeholder-Image

Neustadt. Nico Müller vom Team Rosberg aus Neustadt hat die Motorsportsaison in der DTM auf Platz 19 unter 22 Fahrern beendet. Es war die erste DTM-Saison des Thuners. RHEINPFALZ-Mitarbeiter Klaus-Eckhardt Jost sprach mit dem Neuling über die vergangene Saison.

Herr Müller, Sie haben Ihre Rookiesaison auf Platz 19 mit zehn Punkten beendet. Sind Sie damit zufrieden?

Grundsätzlich war ich mit der Saison zufrieden. Was die reine Pace anging, war ich gut. Das hätte ich nicht gedacht. Weniger gut waren die Ergebnisse, die wurden mir aus den Händen gerissen. Aber wahrscheinlich muss man im ersten Jahr erst einmal unten durch. Das ist charakterbildend. Wahrscheinlich. So kann man es auch sehen. An welche Rennen denken Sie speziell, wenn Sie davon sprechen, dass Ihnen Rennen aus den Händen gerissen wurden? Ein Beispiel ist sicherlich Budapest. Da wären ganz gute Punkte drin gewesen. Bis zum Zwischenfall mit Timo Glock in der letzten Runde. Auf den weichen Reifen war ich deutlich schneller als er. Trotzdem ist er mir ins Auto gefahren. Das war meines Erachtens unnötig. Aber es ist passiert. Am Norisring gab es auch so einen Zwischenfall, der mehr als überflüssig war, als ich mit Joey Hand in der siebten Runde unverschuldet einen Kontakt hatte. Leider war dieser Zwischenfall von der Rennleitung gar nicht gesehen worden. Auch da ging das Rennen verloren, ohne dass wir etwas dafür konnten. Solche Vorfälle gab es leider zu viele. Im Gegensatz dazu war der fünfte Platz beim Rennen in Moskau sicher der Höhepunkt Ihrer Saison? Es hat gut getan, endlich mal ein zählbares Resultat zu haben. Daran konnte ich mich aufbauen. Obwohl das Rennen auch nicht ganz unproblematisch ablief und mich ein besseres Resultat gekostet hat. Die Pace war auf alle Fälle da. Im Training auf Platz drei zu kommen, war für mich ein größerer Höhepunkt als der fünfte Platz im Rennen. Das größte Highlight war für mich jedoch das Rennen in Zandvoort, weil ich die Strecke nicht kannte und trotzdem von Anfang an schnell war. Und im Rennen habe ich meine für mich persönlich beste Leistung gezeigt, konnte mich in der ersten Runde durchsetzen und war lange auf Podiumskurs. Bis dann zum Schluss das Safetycar kam und unsere Strategie und mir damit das Rennen kaputt gemacht hat. Wie hat Ihnen die Zusammenarbeit als DTM-Neuling mit dem erfahrenen Jamie Green gefallen? Die Konstellation fand ich gut, auch wie ich vom Team Rosberg aufgenommen wurde. Von mir aus besteht eigentlich kein Grund, etwas zu ändern. Aber das ist eine Entscheidung von Audi und Motorsportchef Wolfgang Ullrich. Was konnten Sie von Jamie Green abschauen? Schon sehr viel. Für mich war schön zu sehen, dass unsere Zusammenarbeit wirklich gut funktioniert hat. Wir haben versucht, das Team und uns zu pushen. Und wir waren sehr offen miteinander, haben über alles geredet. Das hat mir sehr geholfen. Ich konnte mir von ihm abschauen, wie er so ein Rennwochenende angegangen ist, wie er versuchte, sein Auto in so kurzer Zeit abzustimmen, wie er die eine oder andere Kurve gefahren ist. Das waren Punkte, die man als Rookie von Anfang an gar nicht beherrschen kann. Welche Abstimmung bevorzugen Sie? Ehrlich gesagt kann ich mich sehr gut anpassen. Grundsätzlich aber mag ich starkes Untersteuern gar nicht, eher schon etwas Übersteuern. Die DTM ist eine sehr professionelle Serie. Was hat Sie am meisten im Umfeld der DTM überrascht? Ich wurde relativ gut auf die DTM vorbereitet. Von wem? Von meinem Teamkollegen. Jamie hat mir sehr früh klar gemacht, was mich erwartet und auf was ich mich einzustellen habe. Diese Vorbereitung abseits der Rennstrecke wurde sehr früh eingeleitet. Trotzdem war es für mich sehr happig, an einem Wochenende alles auf die Reihe zu bekommen. Das muss aber sein, wenn man ganz vorne mitfahren will. Ich hatte gedacht, dass es schwieriger ist, auf Pace zu kommen, also schneller zu sein. Im Gegensatz dazu dachte ich, dass es leichter ist, ein Resultat einzufahren, wenn man mal die Pace hat. Da musste ich einsehen, dass es unheimlich viele Faktoren gibt, die zusammenspielen müssen. Marco Wittmann war in der vergangenen Saison Rookie, hat bereits in seiner zweiten Saison den Titel gewonnen. Ist es für Sie ein Ansporn, ihm nachzueifern? Man muss das ein bisschen relativieren. Klar war er Rookie, hatte davor aber eine Saison als Testfahrer. Das hat ihm sicher geholfen, weil er die Abläufe schon mal hautnah mitbekommen hat. Er hat gezeigt, dass es geht. Deshalb versuche ich, ihm nachzueifern. Aber ob das im zweiten, dritten oder erst im vierten Jahr geht, ist schwer zu sagen. Mein Ziel ist es natürlich, in der DTM so früh wie möglich um den Titel fahren zu können. Marco ist der Beweis, dass man sich als junger Fahrer rasch in der DTM etablieren kann. Ich versuche einfach, sobald es geht um Siege zu fahren. Die Strecke in Zandvoort kannten Sie nicht, sind aber trotzdem gleich gut zurechtgekommen. Ist Streckenkenntnis doch nicht so wichtig? Es ist sicher ein Vorteil, wenn man die Strecken kennt. In Zandvoort hat mir das Auto, so wie es dastand, von Anfang an gelegen, es hat funktioniert. Aber das ist nicht immer der Fall. Wenn man aber ein Auto hat, das nur zu 90 Prozent stimmt und dann die Charakteristik einer Strecke nicht kennt und nicht weiß, worauf es ankommt, dann wird das sehr, sehr schwierig. Welche der neun Rennstrecken aus dem DTM-Kalender gefällt Ihnen denn am besten? Der Hungaroring bei Budapest gefällt mir schon sehr lange, weil es eine sehr technische Strecke ist. Und Budapest selbst ist einfach eine coole Stadt. Sie haben einige Termine abseits der Rennstrecke. Welcher hat Sie am meisten und nachhaltigsten beeindruckt? Dieses Jahr waren alle Aktivitäten sehr cool, die wir machen durften. Für mich war das Quadfahren am Lausitzring ein echtes Highlight. Aber auch in Zandvoort war das Strandsegeln unheimlich cool, weil wir das als ganzes Team gemacht haben und quasi das Rennwochenende verlängert haben. In Hockenheim hat das letzte DTM-Rennen der Saison 2014 stattgefunden. Ist damit Ihr Arbeitsjahr zu Ende? Die Rennsaison ist wieder mal viel zu früh zu Ende. Der Winter wird lang. Aber nach dem letzten Rennen beginnt schon sehr bald die Vorbereitung auf die kommende Saison. Wie oft sind Sie beim Team Rosberg in Neustadt? Gezählt habe ich es nicht. Aber ich war immer vor und nach den Rennen dort. Und wenn die Pause sehr lange ist, fahre ich auch mal hoch, um zu schauen. Es ist schon wichtig und auch cool, seine Zeit mit den Mechanikern zu verbringen, die für einen sehr viel opfern. Was machen Sie über den Winter? Fitnesstraining steht auf alle Fälle ganz oben. Skilanglauf ist über den Winter meine Lieblingsbeschäftigung. Vielleicht dürfen wir ja auch den einen oder anderen Test fahren. Das Team Rosberg ist in Neustadt an der Weinstraße beheimatet. Sind Sie schon ein passionierter Weintrinker? Nein, eigentlich nicht. Bis es soweit ist, muss ich vielleicht noch ein paar Jahre bei Rosberg bleiben.

x