Neustadt Im Austausch

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Seit gestern ist das Netzwerk um ein Mitglied gewachsen: Manfred Dörr, Präsident des deutschen Cittaslow-Ablegers und Vizepräsident der internationalen Vereinigung, überreichte dem Michelstadter Bürgermeister Stephan Kelbert eine Urkunde und eine Fahne mit dem Cittaslow-Logo darauf, eine Schnecke. Damit sind nun 21 Städte und Gemeinden Mitglied in dem Kreis, der sich der „langsamen Stadt“ verschrieben hat. Der Name setzt sich zusammen aus dem italienischen „citta“ für Stadt und aus dem englischen „slow“ für langsam. Sie alle wollen sowohl hinsichtlich der Ortsentwicklung als auch des Tourismus’ auf Qualität statt Quantität setzen und auf Massentourismus verzichten. „Denn Einheimische und Touristen sollen sich gleichermaßen wohlfühlen“, so Dörr. Rund 20 Vertreter aus 15 Städten waren nun in Maikammer zu Gast, darunter auch die Heidekönigin Sarah Winkelmann, die das Team aus Schneverdingen in der Lüneburger Heide begleitete. „Solche Treffen zeigen immer wieder, wie viele gemeinsame, aber auch unterschiedliche Themen die Städte und Gemeinden bearbeiten“, fasste Dörr nach zwei Tagen intensiven Austauschs gestern Nachmittag zusammen. „Wir alle profitieren von dem Netzwerk“, sagte Gastgeber und Maikammers Ortsbürgermeister Karl Schäfer. Ideen müssten nicht neu erfunden werden, jede Kommune könne das Passende für sich nutzen. Denn alle Gemeinden stünden vor den gleichen Herausforderungen wie etwa Barrierefreiheit. Und Touristen suchten ihre Reiseziele teilweise auch anhand von Zertifizierungen aus. Schäfer habe festgestellt, dass – nach einem Jahr Mitgliedschaft – im Maikammerer Gemeinderat immer wieder die Frage aufgeworfen werde, ob eine gewisse Entscheidung auch im Sinne von Cittaslow sei. „Daran merke ich, dass viele das Leitbild schon verinnerlicht haben“, so Schäfer. Über das Nachrichtenblatt halte die Gemeinde zu Cittaslow-Projekte auf dem Laufenden. Entsprechend dem Schwerpunktthema dieser Herbsttagung, Biodiversität, sei die Gemeinde mit ihrem Eh-da-Projekt auf dem richtigen Weg, sagte Schäfer. Bei dem Projekt werden Streuobstwiesen und andere Grünflächen wieder hergerichtet beziehungsweise angelegt, um die Artenvielfalt zu stärken und zum Beispiel Wildbienen Lebensräume zu schaffen. Aktuell stehe die Gemeinde in Gesprächen mit Schafhaltern, weil sie die Flächen zwischen Weinanbaugebiet und Pfälzerwald von den Tieren natürlich beweiden lassen möchte. Auch die Stadt Deidesheim, seit neun Jahren Mitglied im Netzwerk, richtet derzeit nach und nach die Grünflächen her. Ein weiterer Punkt auf der Tagungsagenda waren Überlegungen, wie die Rezertifizierung gestaltet werden soll. Alle fünf Jahre soll nun neu überprüft werden, ob eine Cittaslow-Gemeinde das Leitbild noch immer verbreitet und ihre Projekte danach ausrichtet. Seit gestern ist laut Dörr die neue Cittaslow-Internetseite freigeschaltet. Nächstes Jahr werden mit Schwetzingen und Bad Wimpfen voraussichtlich zwei weitere Städte dazustoßen, teilte Dörr mit. Interessiert an einer Aufnahme in die Vereinigung seien Homberg (Efze) in Hessen und Selfkant im Dreiländereck Deutschland-Niederlande-Belgien. Ob sie aufgenommen werden, entscheide die internationale Geschäftsstelle im italienischen Orvieto. Als Abschiedsgeschenk gab es für alle – ganz im Zeichen der Gemeinde Maikammer – eine Flasche Wein aus dem historischen Weinberg mit einem Klappmeter daran.

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