Neustadt „Ihr macht mich happy“
Neustadt-Mussbach. Der Auftritt des US-Sängers und -Gitarristen Leburn Maddox am Samstag im Kelterhaus des Weinlands Meckenheim wurde überschattet von einer schlechten Nachricht, die der Sprecher des veranstaltenden Kulturvereins „Wespennest“ den Gästen zu überbringen hatte: Das zweite von den „Wespen“ hier veranstaltende Konzert wird nämlich auch das letzte sein. Sowohl dem Verein, als auch dem privaten Veranstalter Christoph Schmid, der die Konzertreihe im Kelterhaus ins Leben gerufen hat, ist nämlich gekündigt worden.
Das Weinland sehe sich außerstande, die von der Stadt bei Konzerten geforderten Brandschutzmaßnahmen zu erfüllen, lautete die offizielle Begründung, die den Promotern von Geschäftsführer Gerhard Brauer mitgeteilt worden sei. Das nächste, bereits vorangekündigte und von Schmid organisierte Konzert mit Elliott Murphy und Band am 16. April, wird aber – mit erteilter Sondergenehmigung der Stadt Neustadt – auf alle Fälle noch an gleicher Stelle ausgetragen werden. Von alledem wusste Leburn Maddox nichts. Der 60-Jährige enterte an diesem Abend mit seiner Version des Stephen-Stills-Titels „Love The One You’re With“ gut gelaunt die Bühne und versprach seinen Zuhörern einen schönen Abend mit einer musikalischen Mischung aus Soul, Blues, Funk und Reggae. „Clap your hands and make some noise“, forderte er auf und alle machten mit. Dass Maddox ein außergewöhnlicher Musiker ist, war denen, die gekommen waren, schon im Voraus klar gewesen, dass er aber auch ein hervorragender Entertainer ist, der auf der Bühne nichts tut, ohne sein Publikum in irgendeiner Form mit einzubeziehen, dürfte den meisten doch eher neu gewesen sein. Maddox’ großes Vorbild ist neben John Lee Hooker vor allem Jimi Hendrix. In Mußbach war der Musiker im Hendrix-Stil gekleidet und brachte im Laufe des Abends nicht nur dessen Klassiker „Hey Joe“ und „Fire“ zu Gehör, sondern würzte auch viele seiner Soli mit Hendrix-Zitaten, darunter auch mit den berühmten Riffs von „Purple Haze“ und „Voodoo Child“. „Ich sehe heute aus wie ein alter schwarzer Hendrix“, lachte er, „das zeigt aber, dass er mein Leben total verändert hat“. Zum Dank widmete er ihm, aber auch den zahlreichen Musikern, die in jüngerer Zeit von uns gehen mussten, den Song „Stratus“. Wie Hendrix trat auch Maddox in Trioformation auf. Mitgebracht hatte er als musikalische Mitstreiter den Bassisten Renato Marcianó und den Schlagzeuger Jacopo Coretti, zwei sehr talentierte Sessionmusiker, die beide aus Italien stammen. Mit ihnen spielte er sich, wie angekündigt, durch ein Repertoire, das keine Stilgrenzen zu kennen schien, meistens aber vom Funk geprägt war, was sicher damit zu tun hat, dass Maddox zu Beginn seiner Karriere in der bekannten Funk-Formation „Jimmy Castor Bunch“ als Gitarrist tätig war. Die Liste der Musiker und Bands, für die er sein Instrument ausgepackt hat, ist lang. Besonders stolz ist er aber, dass er einmal die Bekanntschaft von John Lee Hooker machen durfte, von dem er auch von der Stelle weg für ein paar Konzerte engagiert wurde, die dann aber leider nicht stattfanden, weil der Großmeister des Blues zwei Tage vor Tourbeginn verstorben war. Zu einem Höhepunkt des Konzertes wurde eine Version des Songs „You Can Leave Your Hat On“. „Joe Cocker hat das Lied für den Film „9 ½ Wochen“ eingesungen, zehn Jahre später hat es Tom Jones noch einmal aufgegriffen, und nun stehe ich hier in Mußbach, „to fuck it up“, scherzte der in England lebende und dort einen Pub betreibende Musiker, bevor er das Stück wiederum in einer so noch nie gehörten funky Version interpretierte. Jetzt wurde vor der Bühne getanzt und in den hinteren Reihen lauthals mitgesungen. „Ich wurde gebucht, um euch glücklich zu machen, und nun macht ihr mich ganz happy“, quittierte Maddox diese Aktionen und ließ gleich ein weiteres Highlight folgen: „Exodus“, im Original von Bob Marley und den „Wailers“, für die der Amerikaner auch schon in die Saiten gegriffen hat. Nicht ganz jugendfrei ging es dann in seiner Eigenkomposition „Rollin’ Over For Love“ zu, einer angeblich wahren Geschichte, in der eine Frau einen Mann mit einem Strap-On-Dildo traktiert. „Ich war das nicht“, beteuerte Maddox im Gespräch abseits der Bühne mit Unschuldsmiene, „wenn die Story tatsächlich so geschehen sein sollte, ist sie einem Freund von mir passiert.“ Wer auch immer der Ärmste tatsächlich war, angekommen ist der frivole Song im Kelterhaus auf alle Fälle sehr gut. Als Zugabe brachte das „Leburn Maddox Trio“ noch die Hymne der Funk-Fans schlechthin, „Sex Machine“ von Mister James Brown.