Neustadt „Ihr dürft ruhig ein bisschen schnaufen“

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Deidesheim. „Ihr dürft euch auch austauschen, während wir laufen.“ Die Ansage von Britta Salat, staatlich geprüfte Sport- und Gymnastiklehrerin sowie zertifizierte Kursleiterin für Babymassage, für „Babys in Bewegung“ und seit 2015 Beckenbodentrainerin, lässt vermuten, dass es ein lockerer Kinderwagenlauf wird. Zehn junge Mütter mit ihren Sprösslingen im Wagen folgen Salat.

Von wegen locker: Vom Treffpunkt am Deidesheimer Freibad laufen die Frauen im Sauseschritt einen Wingertsweg hinauf, den Nachwuchs vor sich herschiebend. „Wenn ihr den Wagen mit ausgedrehten Armen schiebt, ist euer Beckenboden angesteuert“, empfiehlt Britta Salat ihren Schützlingen. Eine junge Mutter hat erst vor zehn Wochen Nachwuchs bekommen. Salat zeigt ihr, was sie meint: Sie streckt die Arme zum Wagen, dreht sie so, dass die Handinnenflächen nach oben zeigen und packt den Griff. „Denn so wird der Beckenboden automatisch leicht angespannt“, erklärt die Übungsleiterin. Nach einigen hundert Metern halten alle an und packen die Bälle aus, die Salat vor dem Start verteilt hat. „Geht in Schrittstellung, die Knie hoch und runter“, ordnet die Kursleiterin an. Der Ball wird dabei mit den Handinnenflächen „fest gedrückt“. Und damit Oberarm- und Schultermuskulatur gestärkt werden, bleiben die Ellenbogen stets auf Schulterhöhe. Während die Mamas so stets in Auf- und Abbewegung bleiben, fängt ein kleiner Bub an zu quengeln. „Ach Theo“, entfährt es seiner Mutter Jessica seufzend. Derweil bleiben die Frauen tief im Ausfallschritt, pressen den Ball zusammen. Es geht weiter schnellen Schrittes bergauf. Auch Britta Salat, die diesmal ihre zweijährige Tochter Adele dabei hat, gerät ins Schnaufen. „Ich merke ganz schön ihr Gewicht“, sagt Salat. Denn normalerweise ist Adele vormittags im Kindergarten, so dass Britta Salat einen leeren oder mit Trainingsgeräten gefüllten Wagen schiebt. Auf den Wagen will die Übungsleiterin nicht verzichten, „denn ich will nachfühlen“, wie es den Kursteilnehmerinnen ergeht. Bald wird wieder angehalten, aber nicht um zu pausieren. „Wir schieben die Wagen vor und zurück – macht euch richtig lang“, gibt Salat das Kommando. Dann geht’s weiter bergauf. „Lauft zügig, ihr dürft ruhig ein bisschen schnaufen“, motiviert die Sport- und Gymnastiklehrerin ihre Schützlinge. Oben angekommen, dürfen sich wieder die Arme austoben: Der Ball wird erst vor der Brust, dann über dem Kopf zusammengedrückt. Salat: „Pumpen, so feste drücken, wie ihr könnt.“ Dies sei gut für Schultern und Brustmuskel. Wird der Ball über Kopf gedrückt, drehen alle zusätzlich ihren Oberkörper nach rechts und nach links. Der kleine Theo weint übrigens immer noch. Jessica, seine Mutter, hat ihn inzwischen auf dem Arm. Es folgt auf dem Wingertsweg ein kleines Schnelligkeitstraining. Die Frauen bilden eine lange Schlange und gehen weiter. Immer die hinterste überholt die Schlange und reiht sich vorne ein. „Die, bei denen der Beckenboden wieder fit ist, dürfen auch joggen“, ruft Salat der Gruppe zu. Es folgen ein paar Stabilisationsübungen und Krafttraining für Oberschenkel und Po. „Merkt ihr schon die Oberschenkel?“, fragt Salat in die Runde, während alle mit einem Fuß auf dem Ball, mit dem anderen Fuß auf dem Boden stehen und viele Kniebeugen absolvieren. Salat antwortet selbst: „Ich glaube nicht, ihr jammert gar nicht.“ Jessica steht mit Theo etwas abseits und gibt ihm die Flasche. Jetzt ist der Kleine ruhig. So geht’s gemütlich – und bergab – zurück zum Ausgangspunkt. „Ich bin in der Schwangerschaft schwimmen gegangen und tanzen, aber der Anfang jetzt ist echt hart“, gibt Nadja, Mama des halbjährigen Joshua, zu. Die junge Frau hat ihre frühere Sportlehrerin, Britta Salat, auf der Kerwe getroffen und sich gleich der Gruppe angeschlossen. „Mit der Rückbildungsgymnastik fängt man nach acht Wochen an“, informiert die Mutter. Salat ergänzt: „Joggen sollte man ein Jahr vermeiden.“ Auch Übungen für die geraden Bauchmuskeln dürften nicht sofort absolviert werden. Während der Schwangerschaft dehnt sich, wegen des Wachstums des Kindes, die Bauchdecke. Dabei wird unter anderem auch die gerade Bauchmuskulatur gedehnt. „Die Hebamme kontrolliert, ob da noch ein Spalt vorhanden ist“, sagt Salat. Ansonsten könnten die jungen Mütter zunächst nur schräge Bauchmuskeln trainieren. Inzwischen ist der gefütterte Theo schläfrig und still. Dafür weint nun Charlotte. „Als wir mit drei Monaten die Kinderwagengymnastik angefangen haben, haben die Kleinen durchgeratzt“, erzählt Michaela, Mutter der sieben Monate alten Lotte. Anna, Mutter der zehn Monate alten Nora, ist früher sogar von Ruppertsberg aus zum Kinderwagenlauf nach Deidesheim und wieder zurück gelaufen. „Aber das geht jetzt nicht mehr, Nora will nicht mehr so lange still sitzen“, erklärt die Mama. (sab)

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