Neustadt IGS-Antrag für Realschule plus mit eigener Oberstufe

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Der Stadtrat hat gestern Abend für die Realschule plus im Böbig einen Antrag beim Land beschlossen, der eine Umwandlung zur Integrierten Gesamtschule (IGS) mit einer eigenen gymnasialen Oberstufe vorsieht.

Der im Dezember ursprünglich verabschiedete Antrag sah für die Oberstufe die Kooperation mit einem Neustadter Gymnasium vor. Kultusministerium und Schulaufsicht hatten der Schuldezernentin Waltraud Blarr (Grüne) allerdings signalisiert, dass nur ein Antrag mit einer eigenständigen Oberstufe eine Chance auf Bewilligung habe. Daraufhin hatte die Stadt die Autoren des Schulentwicklungsplans, das Bonner Beratungsbüro Bildung und Region (Biregio), beauftragt, diesen Nachweis mit einem weiteren Gutachten zu erbringen. Bis auf Dirk Herber (CDU) stimmten alle Ratsmitglieder für den Antrag. Der Landtagsabgeordnete begründete seine Enthaltung damit, dass er im Wahlkampf eine IGS für Lambrecht gefordert habe und nach wie vor der Meinung sei, dass der Standort geeigneter wäre. Marc Weigel (FWG) ist „gespannt, ob die Zahlen von Biregio in Mainz Bestand haben“. Er habe Zweifel. Die Gutachter von Biregio begründen den schulischen Bedarf für eine Gesamtschule mit der hohen Stabilität der Schülerzahlen für die drei Neustadter Gymnasien und den rückläufigen Schülerzahlen für die Realschule plus im Böbig. Das liege auch am Trend zu höheren Bildungsabschlüssen. Vor zehn Jahren gab es 4000 Schüler in Neustadt in der Sekundarstufe I (5. bis 10. Klasse) und knapp 1000 in der Sekundarstufe II (11. bis 13. Klasse). Heute reichen 3000 Schüler im Mittelbau, um ebenfalls auf knapp 1000 Oberstufenschüler zu kommen. Hinzu kommt, dass Biregio wegen der zahlreichen geplanten Wohnprojekte in Branchweiler (Ibag-Gelände, Raab-Karcher-Gelände, Sulo-Gelände) und damit im Umfeld des Böbigs von steigenden Schülerzahlen ausgeht. Neustadt biete selbst langfristig ein Potenzial von mindestens 425 Jugendlichen für einen Oberstufenjahrgang. Biregio hat ermittelt, dass Rückläufer von Gymnasien meist an die Realschule plus Maikammer/Hambach und Lambrecht wechseln. Eine IGS-Neugründung würde dies vermutlich ändern, meinen die Gutachter. Diese Schulform lasse nämlich den direkten Weg zum Abitur offen. Die angesetzte Prognose geht davon aus, dass eine IGS ab Klasse 7 eine Zunahme von zehn Prozent zu verzeichnen habe. Das Land fordert für IGS-Anträge einen Nachweis darüber, dass die Schülerzahlen auch ohne Einpendlereffekte erreicht werden können. Dennoch wird in einer Ergänzung auf den Einpendlereffekt verwiesen, der zu einem deutlichen Nachfrageüberhang bei einer vierzügigen IGS führen werde. In der Summe kommt Biregio auf Grund der beschriebenen Effekte mittelfristig auf jeweils 80 Schüler pro Oberstufen-Jahrgang und 62 Schüler für eine Neustadter IGS „in einem Minimaljahr – konservativ gerechnet“, wie die Gutachter anmerken. Biregio lässt offen, ob eine IGS in Neustadt Auswirkungen auf die Berufsbildende Schule, insbesondere das Technische Gymnasium, haben könnte. Die Neustadter BBS habe eine sehr heterogene Schülerschaft aus einem großen Einzugsbereich. Von den 119 Aufnahmen für das berufliche Gymnasium seien 2015 sechs Schüler vorher auf einem Neustadter Gymnasium gewesen, ebenfalls sechs auf der Realschule plus in Lambrecht, 21 auf der Realschule plus im Böbig und 24 auf der Realschule plus Maikammer/Hambach. Abschließend schreiben die Gutachter: Eine IGS in Neustadt füge keiner Schule im Umland, also auch keiner aus den beiden benachbarten Landkreisen, einen Schaden zu. Vielmehr werde das Angebot in der Region gestärkt.

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