Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Hotels öffnen wieder: Urlaub mit Abstand

Während der Pandemie sind Doris und Walter Radeck nur mit dem Wohnmobil unterwegs.
Während der Pandemie sind Doris und Walter Radeck nur mit dem Wohnmobil unterwegs.

Der Tourismus in der Region kommt so langsam wieder in Gang. Ab Montag gelten wegen der geringen Fallzahlen sogar weitere Lockerungen in Neustadt und im Landkreis Bad Dürkheim. Doch nicht jedes Hotel ist wieder offen.

„Der Urlaub in der Pandemie ist schon anders als sonst“, sagt Doris Radeck aus Troisdorf bei Köln. Sie und ihr Ehemann Walter waren schon öfter mit dem Wohnmobil in der Pfalz unterwegs und halten gerade auf einem Stellplatz in Neustadt. „Es gefällt uns hier an der Weinstraße sehr gut, wir wandern gerne.“ Eine Sache fehlt aber in diesem Jahr noch: „Normalerweise gehen wir fast jeden Abend essen, jetzt öffnet ja die Gastronomie erst allmählich“, sagt sie. Ansonsten sei der Urlaub mit dem Wohnmobil aber „sehr coronakonform“. Man könne unter sich bleiben und Abstand von anderen halten – anders als im Hotel oder in der Pension.

Dort kommen in diesen Tagen auch wieder die ersten Buchungen von Urlaubern an. „Es geht wieder los“, freut sich Christian Glas, der ein Gästehaus in Diedesfeld betreibt. „Wir hoffen aber, dass die Inzidenz unter 50 bleibt, damit wir ab der nächsten Woche wieder Innengastronomie anbieten können“, sagt Glas weiter. Mit den beiden Familien, die über die Pfingstfeiertage bleiben, habe man sich arrangiert, was das Frühstück auf dem Zimmer angeht: Eine Gruppe nutzt wie im Normalbetrieb auch den Frühstücksraum, die andere frühstückt bei Freunden.

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„Jeder von uns steht in den Startlöchern, sitzt auf glühenden Kohlen“, sagt Susanne Sehnke. Sie ist die Vorsitzende des Vereins „Ihre freundlichen Gastgeber“, des Gastgeber-Verbunds in Neustadt. Sehnke selbst hat eine Ferienwohnung, die sie seit Anfang des Monats auch für Touristen wieder öffnen darf, Stichwort kontaktarmer Urlaub. „Wir durften die Wohnung ja aber auch schon vorher an Geschäftsreisende vermieten.“ Für die Touristen putze und desinfiziere sie die Räume so gewissenhaft wie sonst auch.

Möglichst kontaktfreier Urlaub

Die große Veränderung betreffe vor allem Hotels und Gasthäuser, die Mahlzeiten wie Frühstück anbieten: „Allein wegen der Einkäufe ist es für sie weit schwieriger zu planen, ähnlich wie bei Restaurants.“ Und dann gibt es in Hotels und Gasthäusern ja auch noch die Corona-Testpflicht vor der Ankunft und und bei mehrtägigen Aufenthalten alle 48 Stunden. Davon sind Besucher etwa von Ferienwohnungen, Campingplätzen und Wohnmobilstellplätzen ausgenommen, da dort weniger Kontakte zu anderen Menschen bestehen. „Wir können bei uns alles kontaktlos machen, mit Schlüsselkasten und Überweisung im Voraus“, so Sehnke.

„So umgehen wir das ganze Theater“

Das Neustadter Hotel Palatina hat dagegen seit Freitag zum ersten Mal in diesem Jahr wieder komplett geschlossen – sowohl für Geschäftsreisende als auch für Urlauber. Das Problem sei vor allem die Regel, dass Gäste entweder auf dem Zimmer oder im Freien frühstücken müssen. „Dafür sind unsere Zimmer nicht ausgelegt“, sagt Gesellschafter Florian Wiedemann. Schon in den vergangenen Wochen hätte die Regel für Geschäftsreisende gegolten und sei nicht gut angekommen. „Business-Gäste, die zwischen sechs und acht Uhr frühstücken, setzen sich dazu nicht nach draußen“, sagt Wiedemann. Auch der Personalaufwand, um im voll belegten Hotel rund 70 Essen auf die 38 Zimmer zu bringen, sei zu groß. Bis Anfang Juni bleibt das Hotel Palatina also geschlossen. „So umgehen wir das ganze Theater“, sagt Wiedemann. Für die erste Juniwoche sei man schon komplett ausgebucht.

Auch das Gästehaus Klohr in Mußbach hat sich „schweren Herzens“ dagegen entschieden, über Pfingsten schon zu öffnen, auch wenn schon einige Anfragen von Touristen kamen. „Wir möchten den Leuten nicht einfach das Frühstück vors Zimmer stellen“, sagt Inhaberin Christel Klohr. Unter den Gästen seien oft größere Freundeskreise, die zusammen wegfahren. „Die wollen dann eben auch gemeinsam frühstücken.“ Deshalb wolle man abwarten, bis die Regeln lockerer werden. Klohr hofft nun darauf, dass sich die Pandemie-Situation in der zweiten Jahreshälfte entspannt, sodass sich noch einige Urlauber für eine Fahrt in die Pfalz entscheiden.

Was Camper beachten müssen

Den umgebauten Bulli oder Van voll packen, das Wohnwageninnere abstauben oder das Wohnmobil tanken: Das steht all jenen bevor, die am liebsten auf Rädern reisen, und die es nun wieder in die Ferne – oder auch gar nicht so weit weg – zieht. Auch die rund 30 Wohnmobilstellplätze in Neustadt sind für Touristen wieder geöffnet. Jedoch unter der Voraussetzung, dass die „Wohneinheiten“ jeweils über eigene sanitäre Einrichtungen verfügen, so verlangt es die aktuelle Corona-Verordnung des Landes. Nach Angaben der Stadtverwaltung steigt damit auch der Bedarf an Kontrollen vor Ort, wie zurzeit ohnehin fast überall. Wie häufig kontrolliert wird, teilt die Stadt nicht mit.

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