Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Hochwasserschutz: Erste Projekte werden 2024 umgesetzt

Juni 2017: Überflutungen in Lachen-Speyerdorf nach einem Gewitter.
Juni 2017: Überflutungen in Lachen-Speyerdorf nach einem Gewitter.

Das Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept ist fertig: Es legt fest, wo die Stadt Neustadt nachbessern muss, zeigt aber auch auf, wo die Bürger gefordert sind, um ihre Häuser zu schützen.

Spätestens seit der Flutkatastrophe im Ahrtal Mitte Juli 2021 ist klar, was passieren kann, wenn es lange stark regnet und Flüsse über die Ufer treten. Neustadt hat sich intensiv mit den Ereignissen damals befasst. Zum einen in der Soforthilfe, indem Stadt, Feuerwehr und viele Ehrenamtliche die stark betroffene Gemeinde Mayschoß unterstützt haben. Zum anderen auf der politischen Ebene, weil die Zeit seit dem Unglück genutzt worden ist, um die Situation in Neustadt zu beleuchten und entsprechende Schutzkonzepte zu entwickeln. Dabei ging es um den Katastrophenschutz, wofür unter anderem neue Hochleistungssirenen angeschafft wurden, um die Bürger im Ernstfall warnen zu können. Außerdem wurde das Thema Hochwasser und Starkregen unter die Lupe genommen.

Mit diesem Konzept wurde das Neustadter Büro IPR Consult beauftragt. Die Arbeiten haben im Sommer 2022 begonnen und sind nun abgeschlossen. Christian Langhauser von IPR erläuterte in der gemeinsamen Sitzung von Bau- und Umweltausschuss, wie intensiv das Büro selbst, aber auch die örtliche Politik und die Bürger an dem Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept gearbeitet haben. Neustadt wurde dazu in acht Gebiete unterteilt, um ganz gezielt nach Schwachstellen suchen zu können und festzulegen, was verbessert werden muss. „Es gibt reale Gefährdungen“, betonte Langhauser und belegte das Fazit mit Fotos. Aufnahmen zeigten, wie 1882 die gesamte Innenstadt unter Wasser stand, weil die Flüsse über die Ufer traten. „So etwas ist auch heute nicht auszuschließen und hätte dieselben Ausmaße“, so Langhauser. Außerdem hatte er Bilder von Unwettern dabei, nach denen Straßen überflutet waren. „Starkregen und Sturzfluten sind das Thema der vergangenen Jahre.“

228 konkrete Maßnahmen

Da man solche Ereignisse nicht verhindern könne, müsse man sich so rüsten, dass möglichst keine Schäden entstehen. Es gehe darum, dass Wasser entweder gut zurückgehalten werde im Wald oder in den Weinbergen oder aber im Stadtgebiet gut abfließen könne. „Außerdem zählt das Prinzip Eigenvorsorge. Jeder Bürger muss sein Anwesen auch selbst schützen“, betonte der IPR-Experte.

Insgesamt sind so 228 konkrete Maßnahmen zusammengekommen, die nun anhand einer Prioritätenliste abgearbeitet werden sollen. Die Gesamtkosten bezifferte Langhauser auf 2,6 Millionen Euro. Laut Robert Leimkühler von der Abteilung Landwirtschaft und Umwelt sollen gleich im nächsten Jahr 54 Maßnahmen für einen besseren Hochwasserschutz umgesetzt werden. Man werde sich zwar um Fördermittel bemühen, kündigte Umweltdezernentin Waltraud Blarr an, aber die Umsetzung der Empfehlungen sei vor allem auch eine Frage der Personalkapazität. Sie warnte zudem vor falschen Erwartungen: „So etwas wie an der Ahr können wir nicht verhindern. Aber wir können Zeit gewinnen und Schäden auf jeden Fall reduzieren.“

Bau- und Umweltausschuss segneten das Konzept einstimmig ab. Am Dienstag muss nun noch abschließend der Stadtrat dem Konzept zustimmen.

Info

Das gesamte Hochwasser- und Starkregenvorsorgekonzept ist mit allen Details zu den acht Teilbereichen und sämtlichen Empfehlungen auf der Homepage der Stadt zu finden: www.neustadt.eu

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