Neustadt Hilfestellung für Hochbetagte
Seit Mitte 2018 steht die Neustadter Sozialverwaltung in Dauerkontakt zum rheinland-pfälzischen Sozialministerium. Wenn dort eine zweite Runde Gemeindeschwester plus aufgelegt werden sollte, will Neustadt dabei sein – zusammen mit der Verbandsgemeinde Maikammer. Der Plan: Je eine Schwester bei den Pflegestützpunkten Neustadt und Neustadt/Maikammer anzusiedeln, die sich um über 80-Jährige ohne Pflegebedarf kümmern – in Neustadt, den Ortsteilen sowie in St. Martin, Kirrweiler und Maikammer. Seit 2015 sind landesweit bereits 18 solcher Gemeindeschwestern unterwegs, drei davon in der Südpfalz. Dazu wird kooperiert: von Stadt Landau und Verbandsgemeinde Landau-Land, von den Verbandsgemeinden Annweiler und Bad Bergzabern sowie den Verbandsgemeinden Edenkoben, Herxheim und Offenbach. Nach einer Pilotphase wurde das Projekt vom Land verlängert. Im Frühjahr will das Land über jene Voraussetzungen informieren, unter denen das Projekt ausgeweitet werden kann. Es geht natürlich ums Geld. „Das Thema hat oberste Priorität“, beschreibt Neustadts Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer, warum er ständig beim Land auf der Matte stünde. Neustadt wollte schon 2015 Modellregion werden, damals hatte es aber aus formalen Gründen nicht geklappt. Die Verbandsgemeinde Maikammer konnte nicht in die Modellregion Südliche Weinstraße, weil sie eben nicht zum Einzugsbereich der dortigen Pflegestützpunkte gehört. „Seit wir wissen, dass es eine neue Runde geben könnte, sind wir wieder dran“, betont der Bürgermeister. Geht es nach ihm, soll der Stadtrat im Herbst entscheiden, ob er einsteigen will. Auch Gabriele Flach, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Maikammer, ist vom Projekt Gemeindeschwester plus als wichtiges Element der kommunalen Daseinsvorsorge überzeugt. Allerdings müsse das Projekt personell und organisatorisch verlässlich abgesichert sein, zudem dürfe die Finanzierung nicht außer Acht gelassen werden. Die Anzahl an alten Menschen, die noch gut zu Hause leben könnten, aber dabei Betreuung brauchten, nehme immer weiter zu, rechnet Röthlingshöfer vor: „Wir müssen näher an sie ran, kümmern statt pflegen, muss das Motto heißen.“ Sandra Gröschel-Krämer, Abteilungsleiterin Behinderte, Senioren und Betreuung, und ihre Kollegin Anika Jeffries umreißen die breite Palette der Möglichkeiten: Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, Medikamentenzettel anlegen, über einen Bad-Umbau informieren, Stolperfallen in der Wohnung aufzeigen, Kontakt zu Nachbarn oder Seniorentreffs herstellen, einfach mal ein Ohr haben und und und. Gut 360 Kontakte hatte Gemeindeschwester Barbara Bouché bisher in Stadt und Verbandsgemeinde Landau-Land. Auch mit Fällen von Verwahrlosung und fortgeschrittener Demenz war sie dabei beschäftigt. Genau da sieht Röthlingshöfer auch einen besonderen Bedarf für die Neustadter Kernstadt. Gerade in städtischen Strukturen werde das Leben immer anonymer, eine funktionierende Nachbarschaft gebe es nur noch selten. Zudem erwartet sich die Sozialverwaltung Hinweise darauf, wo weitere Projekte „Neues Wohnen im Quartier“ möglich sein könnten, wie es im Herbst 2019 in der Spitalbachstraße in Branchweiler starten soll. Dass es mit der Gemeindeschwester plus klappen muss, davon ist der Sozialdezernent überzeugt. Im Klartext heißt das, dass der neue Stadtrat bereit sein muss, dafür Geld zu geben, ergänzt um mögliche Mittel vom Land und anderen Beteiligten, darunter die Krankenkassen, was zuletzt Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler gefordert hatte. Der Bürgermeister ist zuversichtlich: „Ich glaube, es wird uns gelingen, dem Stadtrat die Notwendigkeit zu vermitteln.“ Schließlich stehe die Stadt immer in der Verantwortung, „egal, ob sie zuständig ist oder nicht“. Info Im Juni wollen Stadt und Verbandsgemeinde ihre sozialpolitisch engagierten Gremien zu einer gemeinsamen Info-Veranstaltung in Maikammer einladen. Dabei sollen auch Gemeindeschwestern über ihre Arbeit berichten.