Neustadt Hey! Hier kommt Pippi Langstrumpf

Figurenspieler Andreas Blaschke erzählte die Geschichte von Pippi Langstrumpf für Neustadter Erst- und Zweitklässler.
Figurenspieler Andreas Blaschke erzählte die Geschichte von Pippi Langstrumpf für Neustadter Erst- und Zweitklässler.

«Neustadt». Schon oft gesehen, gelesen, gehört – und doch zeitlos gut, denkt man sich beim Namen Pippi Langstrumpf. Tatsächlich schaffte es Puppenspieler Andreas Blaschke vom „Figurentheater Köln“ am Mittwoch in der Neustadter Stadtbücherei durch liebevoll gestaltete Tischfiguren, eine wandelbare „Bühne“ und lustige Dialoge, Erst- und Zweitklässler und ihre Lehrer wieder in den Bann der gewitzten Kinderbuchheldin zu ziehen.

Rund 130 Grundschüler tummeln sich vor den großen Kisten, die als Bühne für die Tischfiguren dienen. Alle reden aufgeregt durcheinander, es müssen sogar noch weitere Stühle herangeschafft werden, der Raum ist voll. Doch kaum geht das Licht aus und die Scheinwerfer an, herrscht gespannte Stille. Blaschkes Stimme erweckt seine etwa 50 Zentimeter großen Figuren zum Leben: die superstarke Pippi mit ihren roten Zöpfen und Sommersprossen, die nie um einen Streich verlegen ist. Die garstige Frau Prysselius, die Pippi so gerne ins Heim stecken würde, Pippis „Haustiere“, Herr Nilsson und der kleine Onkel, und natürlich die vernünftigen Nachbarskinder Thomas und Annika: „Ein Pferd auf der Veranda! Wo gibt’s denn sowas?“, empört sich Thomas anfangs über Pippis Zuhause. Gemeinsam erleben sie während der einstündigen Vorstellung jede Menge spannende Abenteuer, in denen Pippi immer wieder von neuem ihren Mut und ihre Gewitztheit unter Beweis stellt. So treibt sie mit ihrer ungezogenen Art Frau Prysselius in die Flucht, spielt mit dem Polizisten Fangen auf dem Dach und überlistet den fiesen Dieb, der es auf Pippis Gold abgesehen hat. Auf dem Jahrmarkt besiegt die junge Heldin außerdem den scheinbar unbesiegbaren Adolf, ein starker Mann mit schwarzem Schnurrbart, der Besucher zum Kampf herausfordert – eine eigene Interpretation, um dem Stück vielleicht eine ernste Note zu verleihen. Es ist jedoch fraglich, ob diese von den Zweitklässern wahrgenommen wird. Auch Pippis Vater, der sagenumwobene Kapitän Langstrumpf, darf natürlich nicht fehlen! Er hat am Ende des Stücks seinen großen Auftritt, um Pippi mit breitem Kölner Akzent von der Insel Taka-Tuka in der Südsee zu erzählen. Die Südsee, so erzählt er, schließe sich direkt an den Rhein an. Man müsse nur lange genug fahren und der Beschilderung folgen. Dort soll Pippi Prinzessin der Südsee werden, doch am Ende entscheidet sie sich dazu, ihre Freunde nicht im Stich zu lassen und erst mal in ihrer Villa Kunterbunt zu bleiben. Zum Schluss gibt es großen Applaus für Blaschke und auch noch eine kleine Frage-Antwort-Runde für die Kinder. Sieben Klassen aus fünf Grundschulen aus Neustadt und den anliegenden Weindörfern besuchten das Stück am Mittwochmorgen. „Ich versuche jedes Angebot der Stadtbücherei wahrzunehmen“, sagt die Lehrerin einer zweiten Klasse der Grundschule Gimmeldingen. „Das Programm ist genau auf die Kinder zugeschnitten und bietet immer eine tolle, authentische Erfahrung für alle“, ergänzt sie. Doch das Wichtigste an solch einer Veranstaltung sei ihrer Meinung nach, dass im digitalen Zeitalter auch die unmittelbare, direkte und analoge Erfahrung für die Kinder nicht zu kurz kommen darf. Und tatsächlich - nicht nur die Kinder, sondern auch die mitgekommenen Erwachsenen schienen ganz ohne Display in den Bann gezogen – von der Handlung, den Figuren und Blaschkes vielseitiger Stimme. Teilweise habe man sogar völlig vergessen, dass hinter den Figuren ein Puppenspieler steht, kommentiert eine Lehrerin der Ostschule das Geschehen. Immer mal wieder unmittelbare Erfahrungen zu machen, tut also gut. Oder sich einfach mal treiben lassen. Wie Kapitän Langstrumpf sagte: immer den Rhein entlang ...

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