Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Hetzelstift-Mitarbeiter über Corona, Sorgen und Träume

Nadja Sebastian
Nadja Sebastian

Zum zweiten Mal feiern wir Weihnachten unter Corona-Bedingungen. Viele sind genervt von der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen. Wie aber geht es denen, die täglich mit Covid-19-Erkrankten zu tun haben? Vier Hetzelstift-Mitarbeiter geben Einblicke in ihr Gefühlsleben und verraten, wovon sie träumen.

Wie geht es Ihnen?
Nadja Sebastian (Gesundheits- und Krankenpflegerin): Ich hatte nicht damit gerechnet, oder vielleicht auch nur gehofft, dass Corona Weihnachten und den Jahreswechsel ein zweites Mal dermaßen beeinträchtigt. Jetzt ist es Realität.

Gerald Staudenmaier (Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe): Ich blicke fokussiert auf die Aufgaben, die ich vor mir habe, um für die Menschen in Neustadt mit all meinen Kollegen ein stabiler Rückhalt zu sein, falls Bürger die Hilfe des Krankenhauses benötigen. Allen Mitarbeitern, die etwas frei haben, wünsche ich entspannte Feiertage und den vielen, die arbeiten und für die Bevölkerung da sind, Kraft und Teamspirit.

Markus Sebastian (Gesundheits- und Krankenpfleger): Da meine Familie durchweg vollständig geimpft ist, können wir uns im engeren Kreis auf ein relativ normales Weihnachtsfest freuen. Zum Jahreswechsel arbeite ich, was mir aber nicht so viel ausmacht. Weihnachten mit der Familie zu verbringen, ist mir wichtiger.

Karin Rudolph (Abteilungsleiterin der Patientenberatung): Ich freue mich, dass bei uns über 90 Prozent der Mitarbeiter geimpft sind, einige waren oder sind selbst erkrankt. Wir erleben täglich Menschen mit Covid-19-Erkrankungen und deren Folgen. Würdige, patientengerechte Lösungen zu finden, ist aktuell besonders schwierig. Alle reden vom Pflegenotstand – bei uns hat er ein konkretes Gesicht. Die erforderlichen eingeschränkten Besuchszeiten bis hin zum Besucherstopp sind für Patienten, Angehörige und alle Beteiligten eine große Belastung. Das alles beschäftigt mich sehr.

Wenn ich an 2021 zurückdenke, freue ich mich am meisten …
N. Sebastian: ..., dass wir nach dem Frühjahrslockdown wieder als Team gemeinsam in unserer Stammabteilung, der urologischen Klinik, arbeiten konnten. Und natürlich, dass Axel Häcker als Chefarzt zurückkam.

Staudenmaier: ... ich bin ein Mensch, der im Hier und Jetzt lebt. Ich beschäftige mich selten mit dem Vergangenen, sondern freue mich meist über einen gelungenen Tag, immer mit einem optimistischen Blick in die Zukunft.

M. Sebastian: ... über die stetig steigende Impfquote und die damit entstehenden Freiheiten wie Urlaube und Freizeitbeschäftigungen.

Rudolph: ... dass ich gesund geblieben bin und die Menschen, die mir wichtig sind, ebenso. Über kleine Veränderungen in meinem Arbeitsalltag, die wir ohne die Corona-Situation sicher nicht so leicht umgesetzt hätten. So werden zum Beispiel aktuell Tablets eingerichtet, um Patienten die Kommunikation mit Angehörigen bei fehlender Besuchsmöglichkeit zu ermöglichen.

Darüber ärgere ich mich:
N. Sebastian: Bereits während meiner Ausbildung Ende der 90er-Jahre, war der Pflegenotstand ein Thema. Trotzdem haben die Verantwortlichen in der Politik nicht ausreichend beziehungsweise gar nicht gegengesteuert. Durch die Privatisierung des Gesundheitswesens wurde Gesundheit zur Ware. Krankenhäuser sind Wirtschaftsunternehmen, die Geld verdienen müssen. Dadurch, dass es immer mehr alte Menschen gibt, müssten eigentlich fortlaufend größere Kapazitäten in der Pflege geschaffen werden. Aber derzeit müssen die immer weniger werdenden Fachkräfte immer mehr Patienten versorgen – bei ständig wachsendem Dokumentationsaufwand. Das führt zu Stress, Unzufriedenheit und am Ende zu Abwanderung aus den Pflegeberufen.

Staudenmaier: Aufgrund meiner Lebensphilosophie gelingt es mir meist, meinen Fokus auf positive, mich inspirierende Menschen und Tätigkeiten zu lenken.

M. Sebastian: Impfgegner und Corona-Leugner.

Rudolph: Über den Missbrauch der Covid-Pandemie durch Populisten. Menschen lassen sich instrumentalisieren von politischen Krawallmachern, das macht mich sprachlos. Das Krankenhaus als „Letzte-Hilfe“-Instanz ist notwendig, wird aber mit dieser Verantwortung von Politik und Kostenträgern ein großes Stück weit alleine gelassen.

Von der berufsbezogenen Impfpflicht halte ich ...
N. Sebastian: ... ich hätte mir eine allgemeine Impfpflicht gewünscht. Aus der Verantwortung heraus für uns selbst und andere.

Staudenmaier: ... wie in ganz Deutschland, so erleben wir auch in Neustadt ein fragiles Gesundheitssystem, das nur dann ausreichend für die Menschen da sein kann, wenn es genügend arbeitsfähige und gesunde Mitarbeiter gibt, die die enormen Anforderungen bewältigen können. Somit dient eine Impfung bei den vielen Patientenkontakten der Mitarbeiter schon dem Eigenschutz. Wenn auch alle Patienten geimpft wären, würde sich auch die Sicherheit für die Kollegen erhöhen und das Arbeitsaufkommen vermutlich reduzieren.

M. Sebastian: ... sehr viel, denn wir haben eine Verantwortung unseren Patienten und Kollegen gegenüber.

Rudolph: Ich bin für eine berufs- und einrichtungsbezogene Impfpflicht – auch in anderen Bereichen als ersten Schritt. In der Arbeit mit vulnerablen Menschen erlebe ich eine besondere Verantwortung. Meine Entscheidungsfreiheit endet da, wo die Grenze der Gefährdung meines Gegenübers beginnt – bei einer möglichen Covid-19-Infektion ist das für mich klar der Fall.

Für 2022 wünsche ich mir …
N. Sebastian: ..., dass die Systemfehler, die durch die Pandemie offensichtlich wurden, behoben werden. Es müssen dringend Rahmenbedingungen geschaffen werden, die die Abwärtsspirale aufhalten und den Pflegeberuf attraktiver machen.

Staudenmaier: ... Gesundheit und ein gutes Umfeld, um die herausfordernden Aufgaben angehen zu können, um für Neustadt weiterhin ein leistungsfähiger Gesundheitsversorger auf hohem Niveau zu bleiben.

M. Sebastian: ... eine weiter steigende Impfquote, damit die Pandemie ein Ende findet und alle gesund bleiben.

Rudolph: ... Gesundheit für mich, meine Lieben und für uns alle, dass wir alle hier „an Bord“ bleiben, den Spatenstich für unser neues Krankenhaus.

Wenn ich an den Sommer denke …
N. Sebastian: ... hoffe ich, dass bis dahin wieder etwas Normalität in unser Leben zurückkehrt.

Staudenmaier: ... hoffe ich, dass wir mit den Kollegen mal wieder draußen coronakonform ein Fest feiern können. Alle haben es sich so unfassbar verdient. Privat hoffe ich auf einen coronakonformen Urlaub am Meer mit Kitesurfen.

M. Sebastian: ... hoffe ich auf normale Gegebenheiten, sodass wieder Urlaub und Freizeit möglich sind, ohne ständig an Corona zu denken.

Rudolph: ... sehe ich Menschen ohne Masken mit Freude am Zusammensein. Protokoll: Axel Nickel

Gerald Staudenmaier
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Markus Sebastian
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Karin Rudolph
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