Neustadt Herzlich willkommen – Hosgeldiniz

91-71644112.jpg

Auf den Tag genau 14 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September in den USA wurde gestern in der Neustadter Moschee gefeiert: Mitglieder der islamischen Gemeinde, deutsche Nachbarn im Gewerbegebiet Naulott und die Bewohner der dortigen Asylbewerberunterkunft warben gemeinsam für Frieden und Toleranz.

Eingeladen zu dem Willkommensfest hatte Imam Rasit Altindag Ende Juli beim Tag der offenen Tür in der Asylbewerberunterkunft: Vor zwei Monaten waren dort die ersten Bewohner eingezogen, die 40 Plätze schnell belegt. Untergebracht sind vor allem alleinstehende Männer, aber auch zwei Familien sowie zwei Geschwisterpaare. Das Datum 11. September für ein solches Willkommensfest ist zwar dem Zufall geschuldet. Doch wie Bürgermeister und Sozialdezernent Ingo Röthlingshöfer feststellte, sei ein Fest an einem solchen Tag gut, „weil wir in diesem wunderschönen Gebetsraum ein Zeichen des Friedens und des Miteinanders setzen können“. „Sie sind hier gern gesehen und von Herzen willkommen“, versicherte der Imam den Asylsuchenden. Viele Mitglieder seiner Gemeinde lebten in der zweiten und dritten Generation in Deutschland, das Land sei ihnen zur zweiten Heimat geworden. Aktuell „leben wir in einer Zeit des Umbruchs“. Um diese zu meistern, seien Zusammenhalt und Zusammenarbeit wichtig. Wie das Türkische des Imams übersetze Yousuf Ibrahim vom städtischen Sozialamt auch die Worte Röthlingshöfers in die arabische Sprache. Die afghanischen Gäste halfen sich untereinander bei der Übersetzung aus. Beifall gab es für alle Redner. Auch als der Bürgermeister davon sprach, dass „wir alle zusammen lernen müssen, wie das Miteinander in der Zukunft aussehen wird“ – und über Unterschiede offen und ehrlich zu reden. Die Stadt, so Röthlingshöfer, sei froh, dass der Imam und seine Gemeinde mithelfen: Gemeinsam mit der Stadt werden Angebote für die Naulott-Bewohner gemacht. So sollen in der Moschee dort Deutschkurse starten, wo ansonsten der Imam Unterricht erteilt. Auch Friedhelm Mutschler, der im Gewerbegebiet Naulott ein Küchenstudio betreibt, war gestern mit dabei. Gemeinsam haben sich die Händler mittlerweile in der Asylbewerberunterkunft bekannt gemacht, weil es leichter für die Bewohner sei, wenn sie die Gesichter ihrer Nachbarn kennen. Seit einem halben Jahr sprechen die Gewerbetreibenden regelmäßig ab, was sie tun können, um zu helfen. Günstig Lebensmittel besorgen gehört dazu. Morgen hat die Baustofffirma Raab-Karcher Tag der offenen Tür. Dazu sind auch die neuen Nachbarn eingeladen, Essengutscheine inklusive. „Die Situation ist für uns alle neu“, so Mutschler, aber es sei wichtig, Zeichen zu setzen. (ahb)

x