Neustadt „Hervorragendes Schaufenster“ in die Vergangenheit
Rund 200.000 Euro hatte die Restaurierung gekosten, die Hälfte davon brachte der Förderverein Alte Winzinger Kirche zusammen: Jetzt erstrahlen die aus dem 14. Jahrhundert stammenden Wandmalereien in neuem Glanz, was am Samstagabend gebührend gefeiert wurde. Als nächstes soll nun die barocke Decke hergerichtet werden.
„Das Unglaubliche ist wahr geworden, die Restaurierung ist beendet“, freute sich Olaf Kleinschmidt, Vorsitzender des Fördervereins. Beim Start Ende 2015 sei nur geplant gewesen, die beiden Wandbilder, die den Verkündigungsengel und die Heilige Maria zeigten, zu restaurieren. Denn man habe nicht geglaubt, dass es gelinge, die Arbeiten an allen Wandmalereien zu finanzieren. Geglaubt vielleicht nicht, aber zumindest gehofft, und von den damaligen Vorsitzenden Ursula Baade und Rosemarie Broßardt unermüdlich ins Visier genommen. Folgerichtig beschrieb Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer, dass es dem Förderverein zu verdanken sei, „dass das Unglaubliche realisiert werden konnte“. Die Arbeiten waren in vier Abschnitte aufgeteilt, zuletzt war die Nordwand an der Reihe. „Ganz zum Schluss haben wir noch einmal eine große Überraschung erlebt“, erläuterte Restauratorin Karen Keller, die von Beginn an dabei war: Bei den Bildfragmenten an der Nordwand handele es sich um einen Höllenschlund, dargestellt durch den Rachen eines unheimlichen Tiers, in dem eine Gestalt verschwinde. Eine weitere Figur sei wahrscheinlich der Teufel. An der Nordwand sei außerdem die Figur eines Heiligen dargestellt, vermutlich der Heilige Ulrich, nach dem die Kirche benannt gewesen sei. 2007, beim ersten Besuch, hätten ihre Kollegin Kristina Brakebusch und sie sich „in diese Kirche verliebt“, berichtete Keller. Damals waren die Restauratorinnen vom Landesamt für Denkmalpflege mit einer ersten Prüfung der aus der Zeit um 1330 und 1380 stammenden Wandmalereien beauftragt worden. Die Malereien seien „besonders gut erhalten“ und von „sehr großer künstlerischer Qualität“, so das Ergebnis. Keller: „Wir haben gehofft, dass sie restauriert werden.“ Auch diese Hoffnung erfüllte sich, beteiligt an den Arbeiten waren neben Keller und Brakebusch ihre Kollegen Annika Brachmann, Anna Fleiß, Stefan Lucas und Kai Mehner. 2016 kam dann die Südwand an die Reihe, an der eine Bildgalerie mit Szenen aus dem Leben Christi zu sehen ist, laut Keller weit und breit der einzige „Bildvorhang“, der bis zum Sockel erhalten ist. Die Wandmalereien seien „ein hervorragendes Schaufenster“ in eine Zeit, die rund 700 Jahre zurückliege, sagte Röthlingshöfer. Er und Frank Schuster, Pfarrer der Martin-Luther-Kirchengemeinde, zu der die Alte Winzinger Kirche gehört, bedankten sich bei dem Förderverein. Schusters Dank galt zudem den Spendern und Zuschussgebern, darunter die Dr.-Weisbrod-Russ-Stiftung, die mit 24.500 Euro die Restaurierung der Nordwand zur Hälfte bezahlt. Der Förderverein Alte Winzinger Kirche werde auch in Zukunft „eine wichtige Funktion haben“, so Röthlingshöfer. Sie habe das Kirchlein zu einer „etablierten Kulturstätte“ gemacht. Kleinschmidt kündigte weitere Arbeiten an. So soll die Decke, die Risse hat, instandgesetzt und farblich angepasst werden. 60.000 bis 70.000 Euro werde das kosten. Um das zu bezahlen, müsse der Förderverein erst einmal einige Zeit sparen, so der Vorsitzende. Mit der Sonate F-Dur von Jean Baptiste Loeillet gestalten Astrid und Juliane Schlosser den Festakt musikalisch.