Neustadt Herumwursteln an den Baustellen des Lebens

„Amélie“ auf britisch: In der magischen Liebeskomödie „Der wunderbare Garten der Bella Brown“ bewältigt Jessica Brown Findlay al
»Amélie« auf britisch: In der magischen Liebeskomödie »Der wunderbare Garten der Bella Brown« bewältigt Jessica Brown Findlay als Titelheldin ihre Neurosen durch intensives Gärtnern.

«Neustadt». Dokumentarfilme, Literaturverfilmungen und locker-leichte Komödien aus Frankreich, England und den USA bestimmen das Bild bei der neuen Zwei-Monatsstaffel der Kunstfilmreihe „Arthouse“ im Neustadter Roxy-Kino. Zum Start am nächsten Montag steht der französische Film „Victoria – Männer und andere Missgeschicke“ auf dem Spielplan.

Wie machen die das? Dokumentarfilme über Künstler und die schönen Künste brauchen keinen komplizierten Plot; die Beobachtung der Entstehung eines Werks ist meist spannend genug. Dies trifft zwar für den Dokumentarfilm „Beuys“, der am 17. Juli in der „Arthouse“-Reihe läuft und ein Porträt des umstrittenen rheinischen Aktionskünstlers bietet, nicht ganz zu, denn Beuys wird vor allem beim Reden gezeigt. Dennoch macht der Film von Andres Veiel Lust darauf, sich mit diesem „sozialen Plastiker“ und dem politischen Umfeld, das seine Karriere beflügelte, näher zu befassen. In „Ganz große Oper“ (zu sehen am 14. August), einer Hommage an die Bayerische Staatsoper, geht es dagegen um die Praxis, das Funktionieren einer legendären Institution mit ihrem unzähligen Gewerken, vorgeführt anlässlich der Inszenierung von Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“. Mit Regisseur Toni Schmid, der als Ministerialdirigent im Bayerischen Kultusministerium den Betrieb aus dem Effeff kennt, blickt ein begeisterter Fachmann hinter die Kulissen. Wie sich Literatur und gelebtes Glück wechselseitig inspirieren und auch verhindern, versucht dagegen der Spielfilm „Rückkehr nach Montauk“ (zu sehen am 10. Juli) zu zeigen – gedreht nach Motiven des Schriftstellers Max Frisch von dessen langjährigem Freund Volker Schlöndorff, der ebenfalls eigene Erfahrungen in das Drehbuch dieser traurigen Liebesgeschichte mit einfließen ließ. Und auch „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ (31. Juli) ist von der realen Familiengeschichte von Romanautor Eugen Ruge geprägt. In dem starbesetzten Drama mit Bruno Ganz an der Spitze werden am Vorabend des Mauerfalls der Konflikt zwischen Ideologie und realem Sein zur privaten und politischen Bankrotterklärung einer linientreuen Familie und eines Systems verdichtet. Spaßiger als diese staatstragenden Männer sind indes die Frauen, die etwa in den Komödien „Jahrhundertfrauen“ (zu sehen 24. Juli, eine Oscarnominierung) und „Victoria – Männer und andere Missgeschicke“ (3. Juli) an den Baustellen ihres Lebens herumwursteln. In ersterer erinnert sich ein Mann an seine unkonventionelle Mutter, die ihn im kalifornischen Späthippie-Ambiente zu einem guten Feministen erziehen will. Und in der zweiten, einer französischen Produktion, gerät die unverwüstliche Virginie Efira (,„Birnenkuchen mit Lavendel“), oft als die französische Sandra Bullock bezeichnet, als exzentrische Anwältin inmitten privater und beruflicher Konflikte an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Nur aus Frankreich, dem Land der starken Filmfrauen, kann auch eine Tragikomödie wie „Ein Kuss von Béatrice“ (7. August) kommen, in der sich eine tüchtige Hebamme und eine verblühte Abenteurerin – verkörpert von keiner Geringeren als Catherine Deneuve – zusammentun. Von einem französischen Erfolgsfilm inspiriert scheint auch die britische Komödie „Der wunderbare Garten der Bella Brown“ (21. August), deren Heldin, mindestens so sonderlich wie „Amélie“ aus Paris, dazu gezwungen wird, ihre Neurosen beim Umgraben ihres verwilderten Gartens zu beerdigen. Und in gewisser Weise ist auch das Kammerspiel „Innen Leben“, das am 28. August die aktuelle „Arthouse“-Staffel beendet, ein Frauenfilm. Denn es geht um eine Familie und ihre Nachbarn, die sich in einer Wohnung in Damaskus vor dem syrischen Bürgerkrieg verbarrikadieren, Die Männer, die draußen Krieg führen, können ihre Familien nicht beschützen, und so müssen die zurückbleibenden Frauen Entscheidungen über Leben und Tod treffen, die niemanden ungeschoren lassen. Der syrische Krieg ist eine Baustelle, die wohl noch länger für Dramen in Film und Leben sorgen wird. Termine Die Filme der Kunstfilmreihe „Arthouse“ laufen jeweils montags um 17.30 und 20 Uhr im Neustadter Roxy-Kino.

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